Die Seitenansicht eines mächtigen Rosses nimmt in diesem hochformatigen Holzschnitt den größten Teil des Bildraumes ein. Mit graziös erhobenem und angewinkeltem rechtem Vorderbein scheint es sich im Schritttempo zu bewegen. Hoch zu Pferd sitzen gleich zwei Personen: Ein bärtiger Edelmann hält in der Linken die Zügel, während hinter ihm seitlich
Die Seitenansicht eines mächtigen Rosses nimmt in diesem hochformatigen Holzschnitt den größten Teil des Bildraumes ein. Mit graziös erhobenem und angewinkeltem rechtem Vorderbein scheint es sich im Schritttempo zu bewegen. Hoch zu Pferd sitzen gleich zwei Personen: Ein bärtiger Edelmann hält in der Linken die Zügel, während hinter ihm seitlich eine Dame sitzt. Beide sind höfisch gekleidet und tragen Hüte mit üppigem Federschmuck. Da der Mann mit seiner rechten Hand zwei Jagdhunde an der Leine führt, wird die dargestellte Szene mit einem Ausritt zur Jagd assoziiert. Abgesehen von einer in der Hintergrundlandschaft als winzige Silhouette ausgeführten Figur eines Reiters sind auf dem Holzschnitt keine weiteren Beteiligten – weder Menschen noch Tiere – zu finden.
Das Motiv eines eng zusammensitzenden, reitenden Paares steht in der Tradition ähnlicher Darstellungen von Liebespaaren. Beispielsweise weist ein Kupferstich des Meisters MZ, der oft mit Matthäus Zaisinger identifiziert wird, ein ähnliches Paarmotiv auf (vgl. AK Coburg 2010, Kat. Nr. 1.3.10). Auch Dürers heute in Berlin aufbewahrte aquarellierte Federzeichnung „Reitendes Paar“ (KdZ 3) bezeugt die Popularität des amourösen Themas in der Zeit um 1500 (AK Berlin 2023, Kat. Nr. 64). Der Bezug zur Jagd widerspiegelt einerseits die Vorliebe der sächsischen Kurfürstenbrüder Friedrich III. und Johann I. für dieses herrschaftliche Vergnügen, andererseits konnte die Jagd im 16. Jahrhundert auch als eine metaphorische erotische Anspielung auf das männliche Begehren einer Frau verstanden werden. Daher wurden in den Dargestellten der Kurfürst Friedrich III. und seine langjährige Geliebte vermutet. Friedrich blieb zwar Zeit seines Lebens unverheiratet, pflegte jedoch laut Quellen eine enge Beziehung zu einer Frau, mit der er zusammen vier Kinder hatte (Ritschel 2006, S. 308). Als Geliebte des Kurfürsten galt seit dem 18. Jahrhundert Anne Weller von Molsdorf, wobei diese Identifikation heute als umstritten gilt.
[Ksenija Tschetschik-Hammerl, Kupferstich-Kabinett Dresden 2026]
Ritschel 2006
Iris Ritschel, Friedrich der Weise und seine Gefährtin. Überlegungen und Erkenntnisse zu fünf verdächtig(t)en Werken, in: Adreas Tacke (Hg.), „… wir wollen der Liebe den Raum geben.“ Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500, Göttingen 2006, S. 296-341.
Dem bislang allerdings nur aus der Literatur bekannten Text zufolge handelt es sich bei der Darstellung weniger um einen Ausritt zur Jagd, als welcher das Blatt üblicherweise in der Literatur bezeichnet wird, sondern vielmehr um die Rückkehr von dieser. Sternelle sieht hier ein "höfische[s] Spiel mit der Metapher einer Jagd", das er auf den Kurfürsten Friedrich den Weisen und dessen Verhältnis mit der Hauptmannstochter Anna Weller von Molsdorf beziehen möchte, mit der Friedrich zwei Söhne hatte. Da die Cranachs Graphiken beigegebenen Texte nicht selten erst Zutaten späterer Auflagen sind, muss diese Vermutung - auch angesichts eines möglichen Affronts gegenüber dem Fürsten - ohne den Nachweis einer frühen Textverwendung rein hypothetisch bleiben.
(vgl. Sternelle, Jagd (1963), S. 27 f. mit Abb. S. 18 (im ersten Zustand).
"Auf den alten Abdrücken steht oben:
Frisch auf mein Herz sey unverzagt,
Die ich begert hab ich erjagt,
Unten:
Gar manchen Tag und manche Nacht
Hab ich in einem Wald gejagt,
Nach einer Hindin die jres gleich
Nicht funden ward im Römischen Reich.
Was ich umb jhrentwillen gethan
Fürwahr ich nicht aussprechen kann.
Denn sie mir gab so viel zu schaffn,
Da ich kein Nacht kunt vor ihr schlaffn,
Und dacht oftmals im Herzen mein,
Wenn sie nur sollt mein eigen seyn,
So könnt mir nichts auf dieser Erden
Von Gott liebers bescherert werden.
Nu aber war ichs nicht allein,
Der diese Hind wollt führen heim
Sondern wie ich die Sach erfarn,
Sind viel gewest in ihren Garn,
Die diesen Wild zu Tag und Nacht
Gar fleißig haben nachgetracht;
Drumb wenn ich meint, Nu hat dirs glückt,
Ward mirs bald aus den Zenn gerückt.
Doch ist die Hind zu allerletzt
Willig gefallen in mein Netz,
Mit der ich jetzt anheuren reut
Den andern Jägern allzuneid;
Lob meine Wind(hunde) daß sie so geschwind
Auf diese Hind gewesen sind.
Von diesem seltenen Blatte giebt es auch Abdrücke ohne Jahreszahl"
(Heller, 212).
Verwendung:
I. Zustand
a) Schwarze Tinktur des Kurwappens unten; bereits mit kleiner Randlücke rechts oben (ca. 2 mm); guter und klarer aber blasser, in den Schatten meist grauer Druck.
II. Zustand
b) Schwarze Tinktur des Kurwappens oben, Umriß des Schilds vereinfacht; Lücke im Absatz am rechten Hang der Berges ganz links, bereits deutliche Randlücke (ca. 7 mm) unten Mitte, Sprung in Einfassungslinie rechts Mitte, Randlücke rechts oben verklebt, oben ca. drei bis vier Sprünge in Einfassungslinie und einige winzige Fehlstellen, Randlücke oben links der Mitte (ca. 3/5 mm); gute, z.T. schon ungleichmäßigere Drucke.
c) Unten links und rechts jetzt zwei weitere Randlücken (ca. 2 und 18 mm).
d) Zwei Lücken unten im linken Wappenschild, zwei im unteren Umriss des hinteren Zaumzeugs, eine im Umriß der rechten Hundeleine, Einfassungslinie fehlt unten rechts zum größten Teil (ca. 76-96 mm), oben anfangs Sprünge, später rechts und links zwei große Lücken (ca. 29 und 77 mm); noch gute, in den Schatten z.T. nicht mehr ganz klare Drucke.
e) Kurwappenschild fehlt ganz, Bodenschraffuren unten sowie links über den beiden Hunden nicht mehr durchgehend; meist kräftige Drucke.
[Armin Kunz 2023]
- Zuschreibung
- Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in
Zuschreibung
| Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in | [cda 2019] |
- Datierung
- 1506
Datierung
| 1506 | [datiert] |
- Verwendung
- 1506
nach 1506
Verwendung
| 1506 | [datiert] |
| nach 1506 | [cda 2026] |
| nach 1506 | [cda 2026] |
| nach 1506 | [cda 2026] |
| nach 1506 | [cda 2026] |
- Maße
- Darstellung: 178-180 × 124 mm
Maße
Darstellung: 178-180 × 124 mm
[cda 2023]
- Signatur / Datierung
Im Block bezeichnet, unten rechts: Monogramm "LC" und datiert "1506"
Signatur / Datierung
Im Block bezeichnet, unten rechts: Monogramm "LC" und datiert "1506"
- CDA ID
- LC_HVI-91_114
- Bartsch-Nr.
- VII.292.117
- GND-Nr.
- https://d-nb.info/gnd/1075506964
- Permalink
- https://lucascranach.org/de/LC_HVI-91_114/