Vornehmes Paar auf einem Pferd reitend

Vornehmes Paar auf einem Pferd reitend

Titel

Vornehmes Paar auf einem Pferd reitend

[cda 2019]

Druckgrafik, Holzschnitt

Die Seitenansicht eines mächtigen Rosses nimmt in diesem hochformatigen Holzschnitt den größten Teil des Bildraumes ein. Mit graziös erhobenem und angewinkeltem rechtem Vorderbein scheint es sich im Schritttempo zu bewegen. Hoch zu Pferd sitzen gleich zwei Personen: Ein bärtiger Edelmann hält in der Linken die Zügel, während hinter ihm seitlich

Die Seitenansicht eines mächtigen Rosses nimmt in diesem hochformatigen Holzschnitt den größten Teil des Bildraumes ein. Mit graziös erhobenem und angewinkeltem rechtem Vorderbein scheint es sich im Schritttempo zu bewegen. Hoch zu Pferd sitzen gleich zwei Personen: Ein bärtiger Edelmann hält in der Linken die Zügel, während hinter ihm seitlich eine Dame sitzt. Beide sind höfisch gekleidet und tragen Hüte mit üppigem Federschmuck. Da der Mann mit seiner rechten Hand zwei Jagdhunde an der Leine führt, wird die dargestellte Szene mit einem Ausritt zur Jagd assoziiert. Abgesehen von einer in der Hintergrundlandschaft als winzige Silhouette ausgeführten Figur eines Reiters sind auf dem Holzschnitt keine weiteren Beteiligten – weder Menschen noch Tiere – zu finden.

Das Motiv eines eng zusammensitzenden, reitenden Paares steht in der Tradition ähnlicher Darstellungen von Liebespaaren. Beispielsweise weist ein Kupferstich des Meisters MZ, der oft mit Matthäus Zaisinger identifiziert wird, ein ähnliches Paarmotiv auf (vgl. AK Coburg 2010, Kat. Nr. 1.3.10). Auch Dürers heute in Berlin aufbewahrte aquarellierte Federzeichnung „Reitendes Paar“ (KdZ 3) bezeugt die Popularität des amourösen Themas in der Zeit um 1500 (AK Berlin 2023, Kat. Nr. 64). Der Bezug zur Jagd widerspiegelt einerseits die Vorliebe der sächsischen Kurfürstenbrüder Friedrich III. und Johann I. für dieses herrschaftliche Vergnügen, andererseits konnte die Jagd im 16. Jahrhundert auch als eine metaphorische erotische Anspielung auf das männliche Begehren einer Frau verstanden werden. Daher wurden in den Dargestellten der Kurfürst Friedrich III. und seine langjährige Geliebte vermutet. Friedrich blieb zwar Zeit seines Lebens unverheiratet, pflegte jedoch laut Quellen eine enge Beziehung zu einer Frau, mit der er zusammen vier Kinder hatte (Ritschel 2006, S. 308). Als Geliebte des Kurfürsten galt seit dem 18. Jahrhundert Anne Weller von Molsdorf, wobei diese Identifikation heute als umstritten gilt.

[Ksenija Tschetschik-Hammerl, Kupferstich-Kabinett Dresden 2026]


Ritschel 2006

Iris Ritschel, Friedrich der Weise und seine Gefährtin. Überlegungen und Erkenntnisse zu fünf verdächtig(t)en Werken, in: Adreas Tacke (Hg.), „… wir wollen der Liebe den Raum geben.“ Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500, Göttingen 2006, S. 296-341.

Dem bislang allerdings nur aus der Literatur bekannten Text zufolge handelt es sich bei der Darstellung weniger um einen Ausritt zur Jagd, als welcher das Blatt üblicherweise in der Literatur bezeichnet wird, sondern vielmehr um die Rückkehr von dieser. Sternelle sieht hier ein "höfische[s] Spiel mit der Metapher einer Jagd", das er auf den Kurfürsten Friedrich den Weisen und dessen Verhältnis mit der Hauptmannstochter Anna Weller von Molsdorf beziehen möchte, mit der Friedrich zwei Söhne hatte. Da die Cranachs Graphiken beigegebenen Texte nicht selten erst Zutaten späterer Auflagen sind, muss diese Vermutung - auch angesichts eines möglichen Affronts gegenüber dem Fürsten - ohne den Nachweis einer frühen Textverwendung rein hypothetisch bleiben.

(vgl. Sternelle, Jagd (1963), S. 27 f. mit Abb. S. 18 (im ersten Zustand).

"Auf den alten Abdrücken steht oben:

Frisch auf mein Herz sey unverzagt,

Die ich begert hab ich erjagt,

Unten:

Gar manchen Tag und manche Nacht

Hab ich in einem Wald gejagt,

Nach einer Hindin die jres gleich

Nicht funden ward im Römischen Reich.

Was ich umb jhrentwillen gethan

Fürwahr ich nicht aussprechen kann.

Denn sie mir gab so viel zu schaffn,

Da ich kein Nacht kunt vor ihr schlaffn,

Und dacht oftmals im Herzen mein,

Wenn sie nur sollt mein eigen seyn,

So könnt mir nichts auf dieser Erden

Von Gott liebers bescherert werden.

Nu aber war ichs nicht allein,

Der diese Hind wollt führen heim

Sondern wie ich die Sach erfarn,

Sind viel gewest in ihren Garn,

Die diesen Wild zu Tag und Nacht

Gar fleißig haben nachgetracht;

Drumb wenn ich meint, Nu hat dirs glückt,

Ward mirs bald aus den Zenn gerückt.

Doch ist die Hind zu allerletzt

Willig gefallen in mein Netz,

Mit der ich jetzt anheuren reut

Den andern Jägern allzuneid;

Lob meine Wind(hunde) daß sie so geschwind

Auf diese Hind gewesen sind.

Von diesem seltenen Blatte giebt es auch Abdrücke ohne Jahreszahl"

(Heller, 212).

Verwendung:

I. Zustand

a) Schwarze Tinktur des Kurwappens unten; bereits mit kleiner Randlücke rechts oben (ca. 2 mm); guter und klarer aber blasser, in den Schatten meist grauer Druck.

II. Zustand

b) Schwarze Tinktur des Kurwappens oben, Umriß des Schilds vereinfacht; Lücke im Absatz am rechten Hang der Berges ganz links, bereits deutliche Randlücke (ca. 7 mm) unten Mitte, Sprung in Einfassungslinie rechts Mitte, Randlücke rechts oben verklebt, oben ca. drei bis vier Sprünge in Einfassungslinie und einige winzige Fehlstellen, Randlücke oben links der Mitte (ca. 3/5 mm); gute, z.T. schon ungleichmäßigere Drucke.

c) Unten links und rechts jetzt zwei weitere Randlücken (ca. 2 und 18 mm).

d) Zwei Lücken unten im linken Wappenschild, zwei im unteren Umriss des hinteren Zaumzeugs, eine im Umriß der rechten Hundeleine, Einfassungslinie fehlt unten rechts zum größten Teil (ca. 76-96 mm), oben anfangs Sprünge, später rechts und links zwei große Lücken (ca. 29 und 77 mm); noch gute, in den Schatten z.T. nicht mehr ganz klare Drucke.

e) Kurwappenschild fehlt ganz, Bodenschraffuren unten sowie links über den beiden Hunden nicht mehr durchgehend; meist kräftige Drucke.

[Armin Kunz 2023]

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in

[cda 2019]

Datierung
1506

Datierung

1506

[datiert]

Verwendung
1506
nach 1506

Verwendung

1506

[datiert]

nach 1506

[cda 2026]

nach 1506

[cda 2026]

nach 1506

[cda 2026]

nach 1506

[cda 2026]

Maße
Darstellung: 178-180 × 124 mm

Maße

  • Darstellung: 178-180 × 124 mm

  • [cda 2023]

Signatur / Datierung

Im Block bezeichnet, unten rechts: Monogramm "LC" und datiert "1506"

Signatur / Datierung

  • Im Block bezeichnet, unten rechts: Monogramm "LC" und datiert "1506"

CDA ID
LC_HVI-91_114
Bartsch-Nr.
VII.292.117
GND-Nr.
https://d-nb.info/gnd/1075506964
Permalink
https://lucascranach.org/de/LC_HVI-91_114/

Forschungsliteratur

Erwähnt auf Seite
Exhib. Cat. Basel 1974/1976 67, 68
Autor/inDieter Koepplin, Tilman Falk
TitelLukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik
Band1, 2
Ort der VeröffentlichungBasel, Stuttgart
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-104522
Geisberg, Strauss 1974
Autor/inMax Geisberg
Herausgeber/inWalter L. Strauss
TitelThe German single-leaf woodcut 1500 - 1550
Ort der VeröffentlichungNew York
Jahr der Veröffentlichung1974
Jahn, Bernhard 1972 285, 286, 379
Autor/inJohannes Jahn
Herausgeber/inMarianne Bernhard
TitelLucas Cranach der Ältere: 1472 - 1553. Das gesamte graphische Werk. Mit Exempeln aus dem graphischen Werk Lucas Cranach des Jüngeren und der Cranachwerkstatt
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung1972
Hollstein 1959 91
Autor/inFriedrich W. H. Hollstein
TitelCranach - Drusse
Veröffentlichungin K.G. Boon and R.W. Scheller, eds., Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts: ca. 1400 - 1700
Band6
Ort der VeröffentlichungAmsterdam
Jahr der Veröffentlichung1959
ReferenzenGND 1132640032
Geisberg 1930
Autor/inMax Geisberg
TitelBilder-Katalog zu Max Geisberg: Der deutsche Einblatt-Holzschnitt in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung1930
Dodgson 1911 285
Autor/inCampbell Dodgson
TitelCatalogue of Early German and Flemish woodcuts preserved in the Department of Prints and Drawings in the British Museum, Vol. II
Band2
Ort der VeröffentlichungLondon
Jahr der Veröffentlichung1911
Link https://archive.org/details/catalogueofearly02brit/page/292/mode/2up
Heller 1854 211
Autor/inJoseph Heller
TitelLucas Cranach's Leben und Werke
Ort der VeröffentlichungNuremberg
Jahr der Veröffentlichung1854
Link http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015062799757 http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015062799757
Schuchardt 1851 C 280
Autor/inChristian Schuchardt
TitelLucas Cranach des Aeltern Leben und Werke. Zweiter Theil
Ort der VeröffentlichungLeipzig
Jahr der Veröffentlichung1851
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schuchardt1851bd2
Bartsch 1808 292
Autor/inAdam Bartsch
TitelLe peintre graveur. Les vieux maitres allemands
Band7
Ort der VeröffentlichungVienna
Jahr der Veröffentlichung1808
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-228876
ReferenzenGND 997996056
  • Vornehmes Paar auf einem Pferd reitend, nach 1506
Zustand / Auflage
II. Zustand; Auflage c)
Datierung
nach 1506

Datierung

nach 1506

[cda 2026]

Material / Technik
Druck auf Vergé-Papier

Material / Technik

Druck auf Vergé-Papier

[cda 2024]

Maße
Blatt: 181-182 x 125-127 mm

Maße

  • Blatt: 181-182 x 125-127 mm

  • Darstellung: 178-180 x 122-124 mm

  • [cda 2024]

CDA ID
DE_GNMN_H5957
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_GNMN_H5957
Eigentümer
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Besitzer
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Standort
Nürnberg

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Prozess, Medium

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Abzug, Qualität: gute Qualität

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