Konservierungsmaßnahmen:
Trägerplatte:
- Die stabilisierende Sperrholzplatte wurde entfernt.
- Da das Gemälde einen neuen Schmuckrahmen erhalten soll, der seinem jetzigen halbrunden Format folgt, wurde die Trägerplatte der Marouflage ab einer Höhe von ca. 50 cm in einem Halbrund beschnitten. Dabei bleiben ca. 1 bis 2 cm der Hartfaserplatte überstehend sichtbar.
- Am oberen Rand wurde der fehlende Bereich unter Verwendung der abgeschnittenen Originalplatte ergänzt. Dabei erfolgte die Verleimung stumpf aufeinander, rückseitig wurde ein 2 mm starkes Holzfurnier aufgeleimt (Verleimung mit PVAC-Leim (Ponal), da Tischlerheißleim nicht die nötige Stabilität bei der relativ kleinen Klebefläche erbracht hätte).
- Die Leinwand wurde auf die vorhandenen Reste der Wachs-Kolophonium-Masse aufgebügelt, wo es nötig war, wurden diese mit neuem Wachs ergänzt.
- Beim Einrahmen des Gemäldes in den neu anzufertigenden Schmuckrahmen wurde die Hartfaserplatte durch eine 8 mm starke Tischlerplatte, die in den Rahmen eingelegt wurde, stabilisiert. Die Befestigung erfolgte durch Holzleisten, die in den Rahmen eingeschraubt wurden. Der Rahmenfalz wurde zum Schutz der aufliegenden Malschicht mit Polyesterfilz ausgefilzt.
Oberflächenreinigung:
- Oberflächenreinigung der Rückseite trocken durch Absaugen
- Reinigung der Malschichtoberfläche leicht feucht (gesamt)
- Abnahme von dunklen Schmutzverkrustungen im beigen Hintergrundbereich der Abendmahlsdarstellung: mechanisch mit dem Skalpell, Nachreinigung leicht feucht
- Abnahme einer glänzenden Firnislaufspur sowie von punktförmigen Verkrustungen und aufliegenden kleinen Malschichtschollen (wohl von der Marouflierung) mechanisch mit dem Skalpell
- Abnahme von partiellen Schmutzverkrustungen auf dem grünen Vorhang: mehrfaches feuchtes Anweichen und schichtenweise Abnahme, mit Zwischentrocknung.
Nach der Oberflächenreinigung zeichnete sich in einigen Bereichen ein weißlicher Schleier ab. Dabei handelt es sich vermutlich um Reste eines Oberflächenüberzuges/ Firnis, der erste Zersetzungstendenzen zeigt.
- Regenerierung dieser Bereiche durch einmaliges Überrollen mit leicht Aceton getränktem Wattestäbchen
Abnahme der Übermalungsreste im unteren Bereich des freigelegten roten Mantels des Gottvaters
- Erweichen mit Essigsäure (25%ig) (nach der im Untersuchungsbericht aufgeführten Methode der Freilegung der Jahre 1959 bis 1965), danach Abnahme mechanisch mit dem Skalpell; mehrfaches Bearbeiten einer Partie mit Zwischentrocknung; partiell konnte auch eine Erweichung mit DMSO erreicht werden.
Die Abnahme war sehr aufwendig und besonders in Bereichen, an denen das Original unter der Übermalung stark geschädigt ist, sehr zeitintensiv. Hier waren aufgrund der zerstörten Malschicht der Kontakt und damit die Haftung der Übermalungen mit dem Bildträger stark ausgeprägt.
Bei der Übermalungsabnahme wurde zunächst die dunkelgrüne Abschlußschicht/-lasur abgenommen, danach die kompakte graue Untermalungsschicht.
Restaurierungsmaßnahmen:
Kittung der Malschichtfehlstellen
Bei der Kittung sollten nur die großen, auffälligen Malschichtfehlstellen in den Riss- und Lochbereichen geschlossen werden. Innerhalb der bereits mit Leinwandintarsien ergänzten Bereiche soll die Kittung in Form einer Grundierung erfolgen, um hier eine Strukturierung durch das Leinwandkorn zu erreichen.
- Zunächst wurden die beiden nicht fadengerechten Intarsien im Bildträger mit strukturgleicher Leinwand und dem Fadenverlauf folgend ersetzt.
- Vorleimung der Malschichtfehlstellen mit Hasenhautleim (70:1000)
- Kittung tiefer Fehlstellen mit spachtelbarem Kreidegrund (Champagnerkreide/Hautleim 70:1000, leicht gelblich pigmentiert zur Angleichung an freiliegende Grundierungsbereiche)
- Grundierung der flächigen Fehlstellen mit flüssigem Kreidegrund (Champagnerkreide/Hautleim 70:1000, leicht gelblich pigmentiert zur Angleichung an freiliegende Grundierungsbereiche)
- anschließend feuchtes Schleifen zur Angleichung der Oberfläche
- Ablöschen der Kittungsbereiche mit Schellack
Retusche:
Konzeption zur Retusche:
Der Umfang und die Art der Retusche sowie die Verwendung der unterschiedlichen Retuschemedien wurden mit Fr. Dr. Danz bei einem Vororttermin am 28.04.2015 gemeinsam mit Herrn Pfarrer Lindemann als Vertreter des Eigentümers abgestimmt. Die Retusche soll größtenteils lasierend erfolgen, im Bereich des Vorhangs in aqua-sporca-Manier. Damit bleibt es möglich, den stark fragmentarischen und geschädigten Charakter des Bildes weiterhin zu erkennen; es wird jedoch eine optische Schließung der einzelnen Bereiche erreicht. Fehlstellen in der Übermalung des Vorhangs, die die darunterliegende Original-darstellung erkennen lassen, sollen nicht retuschiert werden.
Ausführung der Retusche:
- Abendmahlsdarstellung (Übermalung Beck 1853): Aquarellfarbe, in hellen Hintergrundbereich in Mischung mit weißer Temperafarbe zur Erreichung des hellen Farbtons
- Grüner Vorhang: abgemagerte Mussini-Harzölfarbe mit Terpentin als Malmittel, partieller Glanzausgleich mit Dammar in Terpentin (1:8)
- Figuren des Wolfgang und Joachim (original erhaltene Bereiche): Auftrag eines dünnen Dammarfirnis (1:8) zur Vertiefung der überwiegend dunklen Bereiche; Retusche mit abgemagerter Mussini-Harzölfarbe mit Terpentin als Malmittel
- Freigelegte Originalbereiche (roter Mantel, Hintergrund): abgemagerte Mussini-Harzölfarbe mit Terpentin als Malmittel, partieller Glanzausgleich mit Dammar in Terpentin (1:8)
Nach der Einrahmung lag im unteren Bereich der Rundung rechts und links jeweils ein Streifen der Rückseitenplatte von maximal 2 cm Breite frei. Dieser Bereich wurde ebenfalls mit abgemagerter Mussini-Harzölfarbe mit Terpentin als Malmittel retuschiert.
Fazit:
Es konnte eine optische Beruhigung der Darstellung erreicht werden. Wie aber bereits Frau S. Hönig in ihrer Restaurierungskonzeption festgestellt hat, wird für den Betrachter (vor allem an seinem endgültigen Standort in der St. Bartholomäi-Kirche) eine beigegebene Erläuterung des Zustandes sehr hilfreich sein. Das Gemälde hat durch seinen heutigen Zustand einen eher dokumentarischen Charakter und exemplarische historische Aussagekraft.
Neue Erkenntnisse zur Objektgeschichte:
Zur Übermalung der Dreifaltigkeit:
Im zweiten Abschnitt dieses Kapitels werden schriftlichen Quellen aufgeführt, die zumindest indirekt auf eine Veränderung am Gemälde hindeuten könnten:
1. 1596 - das Gemälde der Dreifaltigkeit wurde ausgelöscht und stattdessen eine Wolke gemalt
2. 1662 - die Taufe Christi sollte entfernt oder verblendet werden
3. 1699 - Auffrischung des Sarggemäldes, das in der Stadtchronik von 1758-1823 als unter dem Gemälde befindlich erwähnt wird)
Es käme also die Zeit zwischen 1596 und 1699 für eine Übermalung der Dreifaltigkeit in Frage. Der Alterungs- und Erhaltungszustand und die bei der Abnahme einzelner Über-malungsbereiche gemachten Beobachtungen konnten den Zeitpunkt allerdings nicht genauer bestimmen, da sich innerhalb dieses Zeitraums keine wesentlichen Veränderungen der Maltechnik/Materialnutzung ereigneten. Auch der Alterungs-zustand wäre sowohl für das Ende des 16. als auch des 17.Jh.s typisch. Was jedoh ausgeschlossen werden kann, ist das Vorhandensein einer "Wolke" unter der Vorhangübermalung. Bei der Abnahme der Übermalungsresten rechts neben der Figur des Wolfgang wurde zunächst die obere, dunkelgrüne Lasurschicht entfernt. Die dabei zutage tretende Untermalungsschicht stellt einen in weiß bis grau ausgeführten Faltenwurf dar, der durch die grüne Abschlußlasur lediglich vollendet wurde und durch sie hindurch scheint (wie im Rest des Gemäldes immer noch zu beobachten). Diese Schicht ist sehr kompakt und liegt direkt auf der Original-oberfläche des Bildes.
Zur Übermalung mit der Abendmahlsdarstellung:
Als gesichert kann gelten, dass das Gemälde im Jahr 1853 vom Hofmaler Beck überarbeitet wurde. Die ihm zugeschriebene Darstellung des Abendmahls wurde auf einer hellen, relativ dicken Zwischengrundierungsschicht ausgeführt, die zunächst auf den Bereich zwischen den beiden Vorhanghälften und den beiden Stifterfiguren aufgetragen und dann mit der Abendmahlsdarstellung bemalt wurde. Der Charakter der Malerei ist hier ein deutlich anderer als auf dem Rest des Gemäldes, die Oberfläche erscheint matter und vermutlich mit einem Anteil an Temperabindemittel ausgeführt (bei der Oberflächenreinigung wurde eine leichte Feuchtigkeitsempfindlichkeit festgestellt). An Krakeleespalten und Malschichttrennungen ist der darunter befindliche, dunkle Vorhang erkennbar. Ebenfalls erwähnte Freilegungsversuche von Beck konnten nicht gefunden werden, sind aber (falls sie vorhanden wären) wohl von der Grundierungsschicht verdeckt. Hier decken sich meine Beobachtungen vollständig mit den Untersuchungsergebnissen von Frau Hönig.
Beobachtungen im unteren Freilegungsbereich:
Am unteren Bildrand unter dem von Beck stammenden Abendmahlstisch zeichnen sich im freigelegten Bereich nach der Oberflächenreinigung dunkel erscheinende Schatten ab, die nicht alle mit den Resten des Fußes des Jesus, die sich hier befinden, in Einklang zu bringen sind. Eventuell könnte es sich hier um vom Bindemittel hervorgerufene Schatten einer anderen Übermalung handeln. Das Phänomen ließ jedoch nicht zweifelsfrei einordnen.