Die Niemecks, auch Kellner genannt, gehörten zu den bedeutensten Familien der Stadt. 1521 wurde auf Geheiß des Bürgermeisters A. Niemegk „Das Marienbild“, das vor dem Hohen Altar der Stadtkirche hing, abgenommen. Georg Niemeck war seit 1555 Stadtkämmerer und ab 1561 Stadtrichter. Das kinderlose Ehepaar des Ratsherrn Caspar Niemeck und seine Ehefrau Anna hatten ihr bedeutendes Vermögen den Reformatoren zur Verfügung gestellt. Caspar Niemeck ist am 7.11.1562 im Alter von 45 Jahren gestorben. Nach seinem Tod heiratete seine Witwe in zweiter Ehe Lukas Hetzner, mit dem sie drei Kinder bekommt. Sie stirbt 1573.
Für die Familie Niemeck entstanden in der Cranach Werkstatt mehrere aufwendige Gemäldedenkmale. Davon hingen drei große Gemälde-Monumente in der Stadtkirche, die Lucas Cranach d. J. zugeschrieben werden. [...]
Das heute in Nischwitz befindliche Denkmal „Grablegung Christi“ sah der Wittenberger Kirchenchronist Mentzius 1604 am zweiten nördlichen Pfeiler der Wittenberger Kirche. [...]
Beachtenswert ist die Ereignisreiche Geschichte der Kirche und des Nischwitzer Schlosses in diesem Zeitraum:
- nach einer Inschrift am Westgiebel wurde die heutige Kirche 1667 neu erbaut, nachdem die um 1512 unter Bischof Johann von Saalhausen erbaute gotische Kirche im Ergebnis der Verwüstungen des 30jährigen Krieges 1648 aufgegeben wurde
- 1713-21 Errichtung eines dreigeschossigen Herrenhauses durch Baumeister M. D. Pöppelmann
- Pfingsten 1726 wird das Schloss infolge eines durch Blitzschlag verursachten Brandes völlig zerstört
- 1745-50 Erbauung des heutigen Lustschlosses im Stil des Rokoko durch Baumeister J. Ch. Knöffel
- 1752 ist die Kirche, einschließlich des Altars in weißem und rosa Srtuckmarmor im Wesentlichen fertig gestellt
- um 1756 wird das Schloss im Siebenjährigen Krieg (1756-63) von Preußischen Truppen ausgeraubt und verwüstet
- 1763 erfolgt eine erste Wiederherstellung und Sicherung des Schlosses, nach 1780 endgültige Wiederherstellung des Schlosses.
Das Bild kann durch folgenden Guts- bzw. Schlossbesitzer erworben sein bzw. vom ersteren an den folgenden Besitzer im Rahmen der Übernahme des Inventars des Schlosses gekommen sein:
- bis 1653 Familie von Gaudelitz
- 1664 Leipziger Baumeister Heinrich von Rosenfeld
- 1692 sein Sohn und Meißner Dechant Georg Heinrich
- 1708 königlich-polnisch und kursächsischer Kammerherr und Stallmeister Gustav Carl Freiherr zu Racknitz
- 1721 Frau des kurfürstlich lüneburgischen Obristen Fridericke Charlotte von Wend
- 1739 ihre Tochter Amalie Sophia von Walmoden, spätere Gräfin von Yarmouth
- 1743 Reichsgraf Heinrich von Bruehl und dessen Erben
- 1778 -1801 Dr. Lastrop
- 1817 ersteigerte Cristian Friedrich von Ritzenberg das Schloss mit Inventar
Es gab in diesem Zeitraum demzufolge von beiden Besitzern Anlass neues Inventar zu erwerben. Nach Unterlagen der Kirchengemeinde Nischwitz kann als gesichert gelten: Der Rittergutsbesitzer und Kirchenpatron Herr Ferdinant Eduard Theodor von Ritzenberg (1792-1849), Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Nischwitz, Röcknitz, Dehnitz, Bennewitz, Grubnitz, Nepperwitz und Pönitz erklärte am 23.06.1841 dem Pfarrer von Nischwitz, Pastor Richter, dass er der Kirche ein Gemälde von Kunstwert, das die Grablegung Christi darstellt, zum Geschenk machen will.
Zugleich will er die Canzel, den Altar und den Taufstein auf eigene Kosten neu bekleiden. Er erwarte aber vorher dringend notwendiges Abputzen und Weißen der inneren Kirchenwände und Decke. Einen Monat später waren die Arbeiten für 34 Th 8 Gr. durch Maurermeister Schröpel ausgeführt.
So wurde die Kirchgemeinde Nischwitz im Jahre 1841 Eigentümer dieses Cranachbildes.
[Harold Gaulitz, schriftliche Mitteilung, 10.04.2013]