Beim «Stammbuch des Lucas Cranach» handelt es sich um eine Sammlung von zehn in Buchminiaturmalerei ausgeführten Bildern auf Pergament. Sie zeigen den segnenden Christus mit Weltenkugel als stehende Figur und Christus am Kreuz. An diese beiden schließen sich sieben Bildnisse an, wobei am Anfang jenes des Kurfürsten Friedrich III. von
Beim «Stammbuch des Lucas Cranach» handelt es sich um eine Sammlung von zehn in Buchminiaturmalerei ausgeführten Bildern auf Pergament. Sie zeigen den segnenden Christus mit Weltenkugel als stehende Figur und Christus am Kreuz. An diese beiden schließen sich sieben Bildnisse an, wobei am Anfang jenes des Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen steht, gefolgt von dem seines Bruders Johann I. Hierarchisch an dritter Position folgen Bildnisse der Reformatoren: Martin Luther (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ398), Philipp Melanchthon, Justus Jonas, Johannes Bugenhagen (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ1747) und Georg Spalatin. Als letztes schloss ein leeres Bildfeld mit goldenem Rahmen die Folge ab. Gedacht waren die Bildnisse wohl dafür, in auf Pergament gedruckte Exemplare der Wittenberger Luther-Bibel von 1541 (VD16 ZV 1474) eingebunden zu werden (Schuchardt II, 1857, S. 28-29; Degering 1928, S. 5).
Bekannt ist oben genannte Reihenfolge dank einer kurzen Beschreibung in Johann Georg Meusels «Museum für Künstler und für Kunstliebhaber». 1792 hatte ein Diakon namens Johann Ferdinand Roth eine dreiseitige Beschreibung in Meusels Periodikum veröffentlicht (Roth 1792, S. 162-164). Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch noch nicht alle Bildnisse identifiziert, so beschrieb er dasjenige, welches heute als Porträt des Georg Spalatin gilt, als unbekannter Herr «in einem ziemlich kurzen, breit ärmelichten Ehrenrocke» (Roth S. 164, Nr. 9). Auch findet sich bei Roth die früheste Zuschreibung der Malereien an Lucas Cranach, wobei damit wohl der Ältere gemeint war.
Ihre Bezeichnung als Stammbuch hat die Folge aber von der ältesten bekannten Publikation zu den Buchmalereien, veröffentlicht vom Verleger Christian von Mechel 1814 in Basel. Roths Beschreibung spricht nur von zehn gehefteten Bildern. In erster Linie ließ von Mechel die Werke als Kupferstiche (das erste mit dem segnenden Christus als Holzschnitt, vgl. Schuchardt II, 1857, S. 28) reproduzieren, stellte den Drucken aber noch einen einleitenden Text sowie kurze Biografien zu den Porträtierten voran. Joseph Heller (1821) wie auch Christian Schuchardt (1857) erwähnten das Stammbuch in ihren Werkverzeichnissen zu Cranach, es ist jedoch nicht ganz klar, ob sie von Mechels Reproduktions-Mappe ausgingen oder die Originale auf Pergament gesehen hatten. 1928 gab dann die Reichsdruckerei in Berlin Reproduktionen der Malereien als Lichtdrucke heraus, zusammen mit einem einleitenden Überblickstext von Hermann Degering, damaliger Direktor der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Darin ging er auf die Provenienz der Folge ein, zeichnete aber auch in dramatischer Sprache nach, wie von Mechel wohl mit den Originalen umging, die ihm der Preußische König zur Reproduktion anvertraut hatte. So gelangte das Porträt des Georg Spalatin erst nach einem Zeitungsaufruf von Basel nach Berlin zurück. Das Blatt mit dem leeren Goldrahmen ist vermutlich spätestens seit 1814 verschollen, wobei für Degering klar war, dass von Mechel auch dieses Blatt verloren haben musste (Degering 1928, S. 4). Letztlich findet sich hier noch ein kurzer Abriss zur Zuschreibungsgeschichte der Buchmalereien (ders., S. 6-7). Hierin folgte Degering Christian Schuchardt, der 1857 erstmalig Cranach den Jüngeren als Maler der Bildnisse benannte (Schuchardt II, 1857, S. 29-32).
Das Ganzkörperbildnis des Theologen Jonas zeigt ihn leicht abgewandt in dunkelbrauner Schaube, der Kleidung der Reformatoren. Wie auch Luther (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ398) hält er in seinen Händen in kleines Buch mit goldenen Beschlägen. Auch hier steht der Porträtierte vor einem monochromen blauen Hintergrund. Der Boden ist nicht weiter ausgestaltet. Die goldene Einfassung steht zwischen dem Bild und einer breiten Rahmung, die im Vergleich zu den anderen Malereien auf Pergament mit demselben Bildnistypus aus dem Berliner Kupferstichkabinett (CDA ID’s: DE_SMBKSK_KdZ398 und DE_SMBKSK_KdZ800) eine andere Form eines Renaissancerahmens imitiert, vergleichbar mit dem Berliner Bildnis des Johannes Bugenhagen (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ1747).
Wie auch beim Luther-Bildnis geben die Reproduktionen von 1814 und 1928 nicht die vorliegende Buchmalerei wieder: Zum einen zeigt die Reichsdruckerei den Reformator in schwarzer, statt brauner Schaube; zum anderen fehlt auf der Vorlage auf Pergament die Datierung in Gold links neben dem Kopf; ein Rest einer Aufschrift in Gold ist unten rechts neben Cranachs geflügelter Schlange noch auszumachen. Am schwersten wiegen jedoch die unterschiedliche Handhaltung wie auch die abweichende Ausgestaltung des Buches. Zugleich weist Roths (1792) Beschreibung den Reformator als schwarz gekleidet aus, kennt hingegen keine solche Datierung im Bildfeld, aber erwähnt eine «Unterschrift» (S. 164), womit vielleicht der handschriftliche Zusatz «J. Jonˆas.» mit Feder in Braun rechts unter dem Rahmen gemeint sein könnte. So muss auch hier noch weiter recherchiert werden, um Herkunft und Kontext des Pergamentblatts zu klären.
[Rahel Müller im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]