Bildnis eines bärtigen Mannes

Bildnis eines bärtigen Mannes

Malerei auf Vergé-Papier

Material / Technik

Malerei auf Vergé-Papier
Ölhaltige Malerei über Zeichnung mit schwarzem Stift auf ölig präpariertem Papier; Verso o. r., Feder in Schwarz: Gesicht eines Mannes im Profil

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Zu den herausragenden Zeichnungen Cranachs zählen großformatige gezeichnete Bildnisse von Zeitgenossen – oft Mitglieder des sächsischen Fürstengeschlechts, teilweise auch nicht identifizierte. Hier treffen Zeichner und Maler aufeinander und teilen sich die linearen und modellierenden Anteile.

Dabei beschäftigte vor allem die Frage der Zuschreibung an den Älteren oder Jüngeren die Forschung.

Zu den herausragenden Zeichnungen Cranachs zählen großformatige gezeichnete Bildnisse von Zeitgenossen – oft Mitglieder des sächsischen Fürstengeschlechts, teilweise auch nicht identifizierte. Hier treffen Zeichner und Maler aufeinander und teilen sich die linearen und modellierenden Anteile.

Dabei beschäftigte vor allem die Frage der Zuschreibung an den Älteren oder Jüngeren die Forschung. Das Berliner Bildnis eines bärtigen Mannes wurde unter Woltmann zunächst Holbein d. J. – wohl aufgrund einer rückseitigen Beschriftung, die als «H», aber eher als «44» gelesen werden könnte – zugeschrieben, ehe es von Bock Cranach d. Ä. zugewiesen wurde. Seit Zimmermann wird Cranach d. J. als Urheber diskutiert, wobei noch Rosenberg sie in das Verzeichnis zum Älteren – zwar mit Einschränkung – aufnahm (vgl. etwa Rosenberg 1960, Kat. Nr. 92). Erst die durch kunsttechnologische Untersuchungen untermauerten Analysen durch Georg Josef Dietz und Guido Messling im Jahr 2015 haben zu einer Verortung im Werk Cranachs d. J. geführt (vgl. Messling, Dietz in: Ausst.-Kat. Lutherstadt Wittenberg 2015, S. 115).

Bei der Zeichnung handelt es sich um eine Ölstudie, die Stephanie Buck ausführlich beschrieben hat (Buck in Werner/Eusterschulte/Heydenreich 2015, bes. S. 145). Sie ist auf einem bräunlichen Papier ausgeführt, dessen Farbe wohl zumindest teilweise von einer öligen Behandlung herrührt. Die Umrisse im Bereich des Kopfes wurden mit schwarzem Stift und die Büste mit schwarzem trockenen Pinsel vorbereitet, wobei die trockenen Pinselzüge als Anlage stehengeblieben sind und zum charakteristischen Erscheinungsbild der Bildnisstudien beitragen. Das Inkarnat und die Modellierung der Physiognomie sind mit fein nuancierten ölhaltigen Farben vorgestellt. Der ölig präparierte Grund sollte vermutlich ein Absinken des Bindemittels aus der Malfarbe in das Papier verhindern. Lichtreflexe wurden mit Bleiweiß hinzugefügt, wobei ganze Partien hell hervortreten. Auffällig sind die dadurch im Inkarnat entstehende Lebendigkeit und Strahlkraft in der Darstellung. Die fleischliche Tönung und die gleichmäßige Differenzierung von Bart- und Gesichtshaaren dürfen darüber hinaus als verbindende Merkmale in der Gruppe der Cranach d. J. zugeschriebenen Bildniszeichnungen betrachtet werden (vgl. Messling, Dietz in: Ausst.-Kat. Lutherstadt Wittenberg 2015, S. 119). Da das Bildnis keinem datierten Werk zugeordnet werden kann, ist bislang weder eine Identifizierung des Dargestellten noch eine Datierung überzeugend gelungen. Mehrere ähnliche und Cranach dem Jüngeren zugeschriebene Bildnisse werden in die Zeit um 1540 – 1550 datiert (z.B. die Ölstudie in Reims (CDA ID: FR_MR_795-1-266), die das Bildnis des Herzogs I. von Pommern-Wolgast in Szczecin vorbereitet, das 1541 datiert ist (CDA ID: PL_MNS_Szt-1382) und um 1550 (Reims, CDA ID: FR_MR_795-1-276) mit ähnlich differenzierten Modellierungen der Physiognomie. So dürfte auch unser Bildnis in den 1540er Jahren entstanden sein.

[Georg Josef Dietz, Mailena Mallach und Rahel Müller im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]

Zuschreibungen
Lucas Cranach der Jüngere
Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibungen

Lucas Cranach der Jüngere

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026] [Buck 2015, 145] [Hofbauer 2010, 456, no. 228] [Schade 1974, pl. 223] [Rosenberg 1960, 33, no. 92] [Zimmermann 1942]

Lucas Cranach der Ältere

[Girshausen 1937, 58, no. 85] [Rosenberg 1934] [Bock, Cat. Berlin 1921, 20, no. 2378]

Hans Holbein

[Woltmann 1876, 119, 120, no. 122]

Datierung
um 1540 - 1550
um 1530 - 1540

Datierung

um 1540 - 1550

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

um 1530 - 1540

[Girshausen 1937, 58, No. 85]

um 1540 - 1545

[Rosenberg 1960, 33, No. 92]

um 1550

[Schade 1974, Pl. 223]

Maße
Blatt: 253 x 177 mm

Maße

  • Blatt: 253 x 177 mm

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Signatur / Datierung

Keine

Beschriftungen

Verso mittig, Stempelabruck in Braun: Königliches Kupferstichkabinett [Lugt 1609]; M., unter dem Sammlerstempel, Pinsel in …

Beschriftungen

spätere Beschriftungen, Stempel, Siegel:

  • Verso mittig, Stempelabruck in Braun: Königliches Kupferstichkabinett [Lugt 1609]; M., unter dem Sammlerstempel, Pinsel in Braun (Eisengallustinte): "44"

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Eigentümer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Besitzer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Standort
Berlin
CDA ID
DE_SMBKSK_KdZ2378
FR (1978) Nr.
FR-none
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ2378/

Provenienz

Slg. Le Roy Ladurie und Suermondt, erworben 1874
[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Ausstellungen

Berlin 1937, Nr. 208
Berlin 1973, Nr. 55

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Exhib. Cat. Güstrow 2017 58 85
Herausgeber/inTobias Pfeifer-Helke, Dirk Blübaum
TitelDie Cranachs. Die Werke des Staatlichen Museums Schwein
Ort der VeröffentlichungBerlin, Munich
Jahr der Veröffentlichung2017
Buck 2015 144-147 Fig. 1
Autor/inStephanie Buck
TitelAuf Papier. Zu Cranachs Bildnisstudien
Veröffentlichungin Elke A. Werner, Anne Eusterschulte, Gunnar Heydenreich, eds., Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung2015
Seiten142-153
Hofbauer 2010 456 228
Autor/inMichael Hofbauer
TitelCranach - die Zeichnungen
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung2010
Schade 1974 Fig. 223
Autor/inWerner Schade
TitelDie Malerfamilie Cranach
Ort der VeröffentlichungDresden
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schade1974
Exhib. Cat. Berlin 1973 48, 49 55 Fig. 30
Autor/inWilhelm H. Köhler, Frank Steigerwald
TitelLucas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1973
Exhib. Cat. Berlin 1967 B 69
Autor/inFedja Anzelewsky
TitelDürer und seine Zeit, Meisterzeichnungen aus dem Berliner Kupferstichkbinett [Berlin-Dahlem]
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1967
Rosenberg 1960 33 92
Autor/inJakob Rosenberg
TitelDie Zeichnungen Lucas Cranachs d.Ä.
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1960
Link https://doi.org/10.11588/diglit.42777
Zimmermann E. H. 1942 A
Autor/inErnst Heinrich Zimmermann
TitelEin Bildnisentwurf Lucas Cranachs d. J.
ZeitschriftBerliner Museen
Jahrgang63 (1942)
Jahr der Veröffentlichung1942
Seiten2-4
Girshausen 1936
Autor/inTheo Ludwig Girshausen
TitelDie Handzeichnungen Lukas Cranachs des Älteren
Ort der VeröffentlichungFrankfurt/Main
Jahr der Veröffentlichung1936
Link https://doi.org/10.11588/diglit.23708
Cat. Berlin 1921 20 2378 Vol. II, pl. 26
Autor/inElfried Bock
TitelDie Zeichnungen alter Meister im Kupferstichkabinett. Die deutschen Meister. Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Zeichnungen, Staatliche Museen zu Berlin
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1921
Link https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bock1921ga
  • Bildnis eines bärtigen Mannes, um 1540 - 1550

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Kunsttechnologische Untersuchung

2026Technologische Untersuchung

  • Wasserzeichen

Wasserzeichen: nicht vorhanden

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

2026Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Papieruntersuchung / Strukturanalyse

Bildträger

Papierstruktur: vergé

Kettlinien, Orientierung zur Darstellung: senkrecht

Kettlinien, relative Intervalle: [.]-27-27-26-26-26-25-[.] mm

Ripplinien, relative Dichte: 10/10 mm

Faserverteilung: homogen

Anomalien im Papiervlies: Schäben, Knötchen

Siebseite: -

Stegschatten: vorhanden

Anomalien im Siebbild: Reparaturen an den Kettlinien

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Prozess, Medium

Die Kopfstudie wurde mit ölhaltiger Farbe auf einem sichtlich ölig präparierten und daher heute vergilbten Papier ausgeführt. Diese Behandlung hatte vermutlich den Sinn, ein Absinken des Bindemittels aus der Malfarbe in das Papier zu verhindern. Die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) weist für den Papierhintergrund (M1) die Elemente Calcium (Ca), Eisen (Fe) und Blei (Pb) nach, wobei Calcium und Eisen übliche Elemente in historischen Papieren sind. Blei könnte auf Spuren von Bleiweiß oder Mennige (?) hinweisen. Das Inkarnat (M2) enthält Blei (Pb), Calcium (Ca), Quecksilber (Hg) und Eisen (Fe), womit abzüglich der Papierreferenz von einer Ausmischung aus Bleiweiß und Zinnober ausgegangen werden kann. Das Augenweiß (M3) enthält dieselben Elemente, weshalb hier Bleiweiß zum Einsatz gekommen sein wird. Die blaugraue Iris (M4) enthält dieselben Elemente, so dass hier entweder keine ausreichende Pigmentmenge vorhanden war oder es sich um ein organisches Blaupigment, wie beispielsweise Indigo handeln könnte? Das braune Haar (M5) enthält die Elemente Calcium (Ca), Blei (Pb), Eisen (Fe) und Quecksilber (Hg), so dass es sich möglicherweise um ein organisches Braun oder braune Erde (Eisenoxid) mit Zusatz von Bleiweiß oder Mennige (Pb) und etwas Zinnober (Hg) handeln könnte.

Die lockere Skizze mit schwarzem Stift zur Platzierung des Kopfes auf dem Blatt wurde nicht analysiert. Sie tritt in der Infrarotreflektographie (IRR) oberhalb der Stirn deutlich hervor.

Auf der Blattrückseite findet sich ein mit Feder in Schwarz gezeichnetes Köpfchen, das sichtlich mit stark kohlenstoffhaltiger Tusche gezeichnet wurde.

[Georg Josef Dietz unter Einbeziehung der Infrarotreflektographie und Analyseauswertung von Gunnar Heydenreich und Sarah Critchley sowie der gemeinsamen Untersuchung mit Mailena Mallach, Luise Maul und Dominika Ropers (geb. Wojciechowska), März 2026]

25.07.2025Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Instrumentelle Materialanalyse

Mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (Thermo Scientific - Niton XL3t GOLDD+) konnten folgende Elemente nachgewiesen und in Verbindung mit den optischen Merkmalen Signale für folgende Füllstoffe, Zeichenmedien und Farbmaterialien ermittelt werden.

M1 Hintergrund:

Ca, Pb, Fe

Ca: Kreide / Gips (?); Pb: Bleiweiß/ Mennige (?); Fe: Eisenoxid (?)

M2 Rosa (Inkarnat):

Pb, Ca, Hg, Fe

Pb: Bleiweiß; Ca: Kreide / Gips (?); Hg: Zinnober; Fe: Eisenoxid (?)

M3 Weiß (Auge):

Pb, Ca, Hg, Fe

Pb: Bleiweiß; Ca: Kreide / Gips (?); Hg: Zinnober; Fe: Eisenoxid (?)

M4 Grau? (Auge):

Pb, Ca, Hg, Fe

Pb: Bleiweiß; Ca: Kreide / Gips (?); Hg: Zinnober; Fe: Eisenoxid (?)

M5 Braun (Haare):

Ca, Pb, Fe, Hg

Ca: Kreide / Gips (?); Pb: Bleiweiß/ Mennige (?); Fe: Eisenoxid (?); Hg: Zinnober

[Gunnar Heydenreich, Sarah Critchley, unveröffentlichter Untersuchungsbericht, 25.07.2025]

  • untersucht von Gunnar Heydenreich
  • untersucht von Sarah Critchley

Erhaltungszustand

Datum2015

Das Papier wurde an den Rändern beschnitten, aber wohl kaum so stark, dass eine ursprünglich luftige 'Mise en page' anzunehmen wäre. Die Rückseite des Blattes ist weitgehend leer, allerdings sind einige Farbspritzer zu finden und ein beiläufig mit der Feder skizziertes Köpfchen mit karikaturhaften Zügen. [...] Das Papier hat eine durchgehend bräunliche Farbe, die jedoch weder aus einer Tönung mit Wasserfarbe resultiert noch auf durchgefärbtes Tonpapier schließen lässt. eher könnte es vor Arbeitsbeginn mit Öl leicht abgewischt worden sein. [...] Nur in der Zone des Kopfes schlägt das Bindemittel auf die Rückseite durch. Das Blatt wurde also nicht als Ganzes ölgetränkt [...]

[Buck 2015, 145]

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Bildnis eines bärtigen Mannes', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ2378/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
Eintrag ohne Autor
'Bildnis eines bärtigen Mannes', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ2378/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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