Kreuzigung Christi

Kreuzigung Christi

Titel

Kreuzigung Christi

[Cat. Leipzig 2006, 122]

Malerei auf Holz

Material / Technik

Malerei auf Holz

[Cat. Leipzig 2006, 122]

Unter einem dramatisch verdüsterten Wolkenhimmel erheben sich die drei Kreuze von Golgotha. Christus mit wehendem Lendentuch befindet sich in der Mitte. Zu seiner Rechten stehen Maria und Johannes mit zwei weiteren trauernden Frauen. Maria Magdalena hält den Kreuzstamm Christi von hinten umfangen. Zur Linken Christi ist eine Gruppe von Soldaten

Unter einem dramatisch verdüsterten Wolkenhimmel erheben sich die drei Kreuze von Golgotha. Christus mit wehendem Lendentuch befindet sich in der Mitte. Zu seiner Rechten stehen Maria und Johannes mit zwei weiteren trauernden Frauen. Maria Magdalena hält den Kreuzstamm Christi von hinten umfangen. Zur Linken Christi ist eine Gruppe von Soldaten und Pharisäern dargestellt, zwei von ihnen zu Pferd. [...] Am vorderen Bildrand kniet eine dreizehnköpfige Stifterfamilie, im Unterschied zu den Figuren des biblischen Geschehens in sehr kleinem Maßstab dargestellt.

[Ulrike Dura, Cat. Leipzig 2006, 122]

Zuschreibungen
Nachfolger von Lucas Cranach dem Älteren
Werkstatt Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibungen

Nachfolger von Lucas Cranach dem Älteren

[Cat. Leipzig 2006, 122]

Werkstatt Lucas Cranach der Ältere

[cda 2013]

Datierung
um 1520

Datierung

um 1520

[Cat. Leipzig 2006, 122]

Maße
Maße Bildträger: 143 x 124 cm

Maße

  • Maße Bildträger: 143 x 124 cm

  • [Cat. Leipzig 2006, 122]

Signatur / Datierung

Keine

Eigentümer
Stadtgeschichtliches Museum, Leipzig
Besitzer
Stadtgeschichtliches Museum, Leipzig
Standort
Leipzig
CDA ID
DE_SML_kK25
FR (1978) Nr.
FR-none
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_SML_kK25/

Provenienz

  • ursprünglich aus der Thomaskirche nach Angabe von Stepner 1675
  • 1815 in der Nikolaikirche wiedergefunden
  • 1848 von der Stadtbibliothek an das Städtische Museum überwiesen
  • seit 1910 im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums

[Susanne Schottke, Exhib. Cat. Leipzig, Heidelberg 1997, 66]

Ausstellungen

Leipzig, Heidelberg 1997

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Cat. Leipzig 2006 122-123
Autor/inVolker Rodekamp
TitelLeipzig original: Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Völkerschlacht. Katalog zur Dauerausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig im Alten Rathaus. Teil I
Ort der VeröffentlichungAltenburg
Jahr der Veröffentlichung2006
Exhib. Cat. Leipzig 1997 66-69
Autor/inHerwig Guratzsch, Gisela Goldberg
TitelVergessene altdeutsche Gemälde. 1815 auf dem Dachboden der Leipziger Nikolaikirche gefunden
Ort der VeröffentlichungHeidelberg
Jahr der Veröffentlichung1997
Magirius et al. 1995 456
Autor/inHeinrich Magirius, Hartmut Mai, Thomas Trajkovits, Winfried Werner
Herausgeber/inLandesamt für Denkmalpflege Sachsen
TitelDie Bau- und Kunstdenkmäler von Sachsen. Stadt Leipzig. Die Sakralbauten I. Mit einem Überblick über die städtebauliche Entwicklung von den Anfängen bis 1989
Ort der VeröffentlichungMunich, Berlin
Jahr der Veröffentlichung1995
Gurlitt 1895 32
Autor/inCornelius Gurlitt
TitelBeschreibende Darstellung der Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Stadt Leipzig
Band1
Ort der VeröffentlichungDresden
Jahr der Veröffentlichung1895
Stepner 1675 649
Autor/inSalomon M. Stepner
TitelInscriptiones Lipsienses. Das ist Verzeichnis allerhand denkwürdiger Überschriften, Grab- und Gedächtnismahle in Leipzig
Ort der VeröffentlichungLeipzig
Jahr der Veröffentlichung1675

Forschungsgeschichte / Diskussion

Zwei von den drei beigefügten Wappen sind zu deuten: Das Wappen vor den Männern links gehört der Familie Preusser, das ganz rechts der Familie Thümmel. Beides waren alteingesessene Leipziger Familien mit reichem Grundbesitz und weitverzweigten Kontakten, aus beiden Familien gingen im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratsherren, Akademiker und andere einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt hervor. Die Familie Preusser besaß neben einem Gasthof in der Petersstraße zum Beispiel mit dem Grundstück Markt 11 eines der größten Grundstücke in Leipzig überhaupt.

Das Preusser-Wappen führte in Verbindung mit einem Eintrag bei Salomon Stepner (Nr. 649) zur Interpretation des Gemäldes als Epitaph des Hans Preusser, verstorben 1549, das sich mit einer Kreuzigungsdarstellung versehen in der Thomaskirche befunden haben soll. Dementsprechend wurde das Epitaph auch in die Zeit kurz nach 1549 datiert. Andere Einträge bei Stepner, die zu dem Epitaph passen könnten, gibt es nicht.

Gegen diese Interpretation sprechen jedoch neben der oben skizzierten Anlehnung an ältere Kreuzigungsdarstellungen mehrere Indizien: Im Hinblick auf Maßstab und Porträtqualität der Stifterfiguren war der "Standard" um 1550 in Leipzig bereits ein anderer. Außerdem tragen alle dargestellten Familienmitglieder Rosenkränze in den Händen. Dieses Symbol katholischer Marienfrömmigkeit ist zehn Jahre nach der Einführung der Reformation in Leipzig zwar nicht auszuschließen, wäre aber zumindest ungewöhnlich.

Vor allem aber lässt die Identifikation der Stifterfamilie mit der des Hans Preusser völlig außer Acht, dass dieser mit einer Anna Jechler verheiratet war, das zweite dargestellte Wappen jedoch das der Familie Thümmel ist.

Die Quellen zur Familiengeschichte sprechen da eine deutlichere (wenn auch nicht alle Zweifel beseitigende) Sprache, da nur einmal eine Ehe zwischen einem Preusser und einer Thümmel überliefert ist: Der Ratsherr Cunz/Conrad Preusser heiratete 1492 in zweiter Ehe Ursula Thümmel, Tochter des Bürgermeisters Jacob Thümmel. Cunz Preusser verstarb 1500. Dieser Zeitpunkt erscheint allerdings für eine Datierung des Epitaphs zu früh, da vergleichbare Kreuzigungsdarstellungen Cranachs, die hier als Vorbilder dienten, erst um 1515 entstanden.

Da andererseits zahlreiche weitere Familienmitglieder im fortgeschrittenen Alter dargestellt sind, allein sechs durch schwarzen Umhang und Kopfhaube als verheiratet gekennzeichnete Frauen mit Trauerbinden, ist in Übereinstimmung mit den Quellen folgender Zusammenhang wahrscheinlich:

Die Witwe von Cunz Preusser und seine erwachsenen Kinder stifteten das Epitaph etwa um 1520. Auf dem Epitaph wären dann folgende Familienmitglieder dargestellt:

Die beiden Frauen rechts sind die beiden Ehefrauen von Cunz Preusser, die früh verstorbene erste Frau, deren Namen die Quellen nicht überliefern, und Ursula Thümmel, die ihren Mann lange überlebte. Daneben zwei verheiratete Töchter aus erster Ehe. Bei den anderen beiden verheirateten Frauen könnte es sich um die Schwiegertöchter handeln, die Frauen der beiden Söhne Hans und Wolfgang: Anna, geborene Jechler, und Magdalena, geborene Körner. Die Söhne knien links hinter dem Vater.

Aus der zweiten Ehe sind wiederum zwei Töchter überliefert, von denen eine zumindest 1512 in den Quellen noch als unverheiratet bezeichnet wird, also eventuell im roten Kleid kniend dargestellt ist. Die andere verstarb bereits 1504, könnte also eines der Mädchen im weißen Totenhemd sein.

Cunz Preusser wurde in der Thomaskirche begraben, möglicherweise hatte auch das Epitaph ursprünglich dort seinen Platz.

[Ulrike Dura, Cat. Leipzig 2006, 122-123]

  • Kreuzigung Christi, um 1520

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Kunsttechnologische Untersuchung

02. 2013Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Infrarot-Reflektografie
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Unterzeichnung

BESCHREIBUNG

Zeichengeräte/Material:

- flüssiges, schwarzes Zeichenmaterial, Pinsel; eventuell grober Entwurf in verdünntem Medium

Typ/Duktus:

- detaillierte und freie Unterzeichnung

- dünne bis breitere Linien

Funktion:

- verbindlich für die Malerei; Hauptkonturen, Binnenformen und Gesichtszüge angegeben; plastische Wiedergabe (Schraffuren)

Abweichungen:

- kleine Präzisierung der Form während des Malprozesses

INTERPRETATION

Zuschreibung:

- Werkstatt Lucas Cranach des Älteren

[Smith, Sandner, Heydenreich, cda 2013]

  • fotografiert von Gunnar Heydenreich
  • fotografiert von Ingo Sandner

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Kreuzigung Christi', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SML_kK25/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
Eintrag ohne Autor
'Kreuzigung Christi', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SML_kK25/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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