Wohl zeitgleich mit der lebensgroßen gemalten Darstellung von [Venus und Cupido aus St. Petersburg] zeigt Cranach mit dem vorliegenden Blatt auch im Holzschnitt als erster Künstler nördlich der Alpen die Liebesgöttin als nackte Ganzfigur. Noch auf Wolken stehend, scheint die Göttin zusammen mit dem von ihr in einer sanften Geste
Wohl zeitgleich mit der lebensgroßen gemalten Darstellung von [Venus und Cupido aus St. Petersburg] zeigt Cranach mit dem vorliegenden Blatt auch im Holzschnitt als erster Künstler nördlich der Alpen die Liebesgöttin als nackte Ganzfigur. Noch auf Wolken stehend, scheint die Göttin zusammen mit dem von ihr in einer sanften Geste gezügelten Cupido soeben vom Olymp in die nordalpine Landschaft hinabgestiegen zu sein. Der Schleier und einige Locken ihres zum Teil eingehaubten Haares sind noch vom Wind bewegt. Den Schleier hält die Venus ostentativ abseits ihres Körpers, womit Cranach ihre Nacktheit noch deutlicher ausstellt als in der gemalten Fassung, wo sich ein – freilich nicht im Geringsten verhüllender – Schleier um den Körper der Göttin legt. Die Figurenauffassung der Venus steht in engem Zusammenhang mit Jacopo de’ Barbaris Darstellung der „Fama“.
Mit der Landschaftsdarstellung und den kursächsischen Wappen, die Cranach zusammen mit seinem Künstlersignet im Baum am rechten Rand anbringt, transloziert er die Götter in das Herrschaftsgebiet seines Landesherrn. Da Cranach das hier gezeigte Schlangensignet nicht vor seiner Wappenverleihung 1508 führen konnte und auch die Tinktur des Kurwappens erst ab diesem Jahr in der hier gezeigten Form üblich wurde, wird angenommen, dass Cranach diesen Holzschnitt auf das Jahr 1506 vordatiert hat. Ähnlich wie den Hl. Christophorus setzte er diesen Holzschnitt auch im Farbholzschnitt um und postulierte mit der Vordatierung seine Vorreiterrolle in dieser Technik.
[Daniel Görres, cda 2026]
Verwendung:
I. Zustand
a) Vor der Veränderung des linken Schulterumrisses; kleiner Randdefekt, später kleine Lücke unten etwas links der Mitte (ca. 2/3 mm), zwei Randlücken oben rechts (ca. 2 und 7 mm); scharfe, nicht ganz gleichmäßige und in den Schatten blassere Drucke.
b) Hellbrauner bis graugrüner Tondruck; gute bis sehr gute Drucke; Tondrucke nicht immer ganz gleichmäßig.
II. Zustand
c) Umriss der linken Schulter verändert: sie fällt nun weniger stark ab, Schlüsselbein und Schultergelenk sind durch Schraffuren angedeutet; Ansatz der Veränderung des Stocks als winzige Lücke im Umriß des linken Oberarms zu erkennen; sehr kontrastreiche und tiefschwarze, allerdings nicht gleichmäßige, überschwärzte bis stellenweise etwas graue, nicht ganz scharfe Drucke.
d) Text (A, Kleinbuchstaben kursiv) unten:
"AD IMAGINEM VENERIS. // Libera cui placeat Veneris sine munere uita, // Nolit ut uxorem ducere, rarus erit. // Non tenet hunc sobolis nec amor ne' q; cura nepotum, // Qui fugit imperium parue Cupido tuum. // Legitima uerò peragens cum coniuge uitam // Hauriet à Domino commoda magna DEO. // Nescia præsertim cum pectora fraudis uter' q; // Vnanimi thalamo foemina uir' q; gerunt. // Vestibus ut demptis Venus hîc est corpore nuda, // Pectora habens alba candidiora niue. // Sic amor illorum sit foedi criminis expers, // Qui sacra coniugij iura subire uolunt. // Mutua cura duos habeat, sincerus & ardor, // Vt uideant longos, & sine lite, dies. // Sit procul à uero fucatum pectus amore, // Integer est quisquis non simulanter amat. // Forsitan hoc nudæ Veneris designat imago, // Edidit artificis quam tibi docta manus. // I. L. C."
Zwei feine vertikale Sprungansätze links neben und unter rechtem Fuss der Venus, linke obere Ecke der Einfassungslinie fehlt (oben ca. 6, links ca. 8 mm), Randlücke unten Mitte und unten ganz rechts (je ca. 8/9 mm), oben links jetzt dritte Randlücke (ca. 11 mm); gute, in den Schatten aber meist graue Drucke.
e) Textvarianten:
Z.1 (kursiv): "IN IMAGINEM VENERIS."; 1. Spalte: Z.1: "LIbera [...] vita, Z.2: "vt vxorem", Z.3: "neq;", Z.5: "verò [...] vitam", Z.7: "cùm [...] vter' q;", Z.8: "vir' q;", Z.9: "vt [...] est"; 2. Spalte: Z.2: "volunt", Z.4: "videant", Z.5: "vero", Z.6: "est"
Ein bis zwei deutliche Lücken im Wolkenumriss vorne rechts, rechte untere Ecke der Einfassungslinie fehlt nun ebenfalls, ein bis zwei Randlücken rechts; z.T. etwas kräftigere aber nicht mehr klare, in den Schatten fast durchweg graue Drucke.
f) Text (F) oben: "Venus vnd jr Son Cupido."; unten: "WJewol viel sind der grossen Herrn / // Jn allen Landen weit vnd fern / // Doch (welchs ich on rhum sagen kan) // Sind sie mir alle vnterthan / // Denn kein Mensch nicht erfunden wird // Den ich Fraw Venus nicht regiert / // Offt mancher Held ein Schlacht gewindt / // Der nachmals wird ein Venus Kind / // Vnd der vorhin viel Schlacht gewan / // Der ist jtzt mein gefangen Man. // Das kan mein Son in grosser eil / // Der ins hertz scheust der Liebe pfeil. // C. M. O."
Sehr blasse Drucke.
g) Schraffuren bei Cupido, Venus und im Tuch nachgeschnitten, unten vertikale Randeinsprünge in Bodenschraffur, feine vertikale Risse durch Kopf der Venus und im Gesichtsschatten meist deutlich sichtbar, z.T. auch schon am Hals und im Schatten unter den Brüsten, kleine Lücke rechts im Taillenumriß, mehrere kleine Defekte im Umriß des linken Arms der Venus, Sprung, später Defekt im linken Schulterumriß, zahlreiche Lücken und Defekte in den horizontalen Himmelsschraffuren links oben sowie den Wolkenlinien rechts in Blattmitte, alle vier Ecken der Einfassungslinie repariert (oben 14, links 8; links 8, unten 34; unten 10, rechts 49; rechts 18, oben 10 mm), zahlreiche, meist kleinere Lücken und Sprünge in unterer und oberer Einfassungslinie, kleine Randlücke links oben, kleine Randlücke rechts unten, Defekt/Lücke rechts oberhalb der Mitte und auf Kopfhöhe, größerer Defekt/Lücke rechts ganz oben (ca. 6 mm); noch gute, meist geringe, ungleichmäßige und blasse, in den Schatten nicht mehr klare Drucke.
[Armin Kunz 2023]
- Zuschreibung
- Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in
Zuschreibung
| Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in | [cda 2026] |
- Datierung
- um 1509
Datierung
| um 1509 | [vermutlich vordatiert auf "1506"; cda 2026] |
- Verwendung
- um 1509
nach 1509
Verwendung
| um 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
| nach 1509 | [cda 2026] |
- Maße
- Darstellung: 277-285 x 192-200 mm
Maße
Darstellung: 277-285 x 192-200 mm
[cda 2023]
- Signatur / Datierung
Monogramm 'LC'; Schlangensignet und Jahreszahl '1506', oben rechts
Signatur / Datierung
Monogramm 'LC'; Schlangensignet und Jahreszahl '1506', oben rechts
- Inschriften
Auflage d) [= Armin Kunz, II. Zustand, auflage b)]
unten "AD IMAGINEM VENERIS. ||"
linke Spalte (alles ausser L, …Inschriften
Inschriften:
Auflage d) [= Armin Kunz, II. Zustand, auflage b)]
unten "AD IMAGINEM VENERIS. ||"
linke Spalte (alles ausser L, V, N, N, Q, C, L, D, DEO, N, V, V, P kursiv) "Libera cui placeat Veneris sine munere uita, || Nolit ut uxorem ducere, rarus erit. || Non tenet hunc sobolis nec amor ne´q; cura nepotum, || Qui fugit imperium parue Cupido tuum. || Legitima uerò peragens cum coniuge uitam || Hauriet à Domino commoda magna DEO. || Nescia præsertim cum pectora fraudis uter´q; || Vnanimi thalamo foemina uir´q; gerunt. || Vestibus ut demptis Venus hîc est corpore nuda, || Pectora habens alba candidiora niue. ||"
rechte Spalte (alles ausser S, Q, M, V, S, I, F, V, E, I. L. C. kursiv) "Sic amor illorum sit foedi criminis expers, || Qui sacra coniugij iura subire uolunt. || Mutua cura duos habeat, sincerus & ardor, || Vt uideant longos, & sine lite, dies. || Sit procul à uero fucatum pectus amore, || Integer est quisquis non simulanter amat. || Forsitan hoc nudæ Veneris designat imago, || Edidit artificis quam tibi docta manus. || I. L. C."
Auflage e): Textvariant, unter der Darstellung (alles ausser 'L' kursiv):
"IN IMAGINEM VENERIS. ||"
1. Spalte:
"L Ibera cui placeat Veneris sine munere vita, || Nolit vt vxorem ducere, rarus erit. || Non tenet hunc sobolis nec amor neq cura nepotum, || Qui fugit imperium parue Cupido tuum. || Legitima verò peragens cum coniuge vitam || Hauriet à Domino commoda magna DEO. || Nescia præsertim cùm pectora fraudis vter´q, || Vnanimi thalamo foemina vir´q; gerunt. || Vestibus vt demptis Venus hîc est corpore nuda, || Pectora habens alba candidiora niue: ||"
2. Spalte:
"Sic amor illorum sit foedi criminis expers, || Qui sacra coniugij iura subire volunt. || Mutua cura duos habeat, sincerus & ardor, || Vt videant longos, & sine lite, dies. || Sit procul à vero fucatum pectus amore, || Integer est quisquis non simulanter amat. || Forsitan hoc nudæ Veneris designat imago, || Edidit artificis quam tibi docta manus. || I. L. C."
Auflage f): Text (F), oben:
"Venus vnd jr Son Cupido."
unten, 1. Spalte:
"WJewol viel sind der grossen Herrn / || Jn allen Landen weit vnd fern / || Doch (welchs ich on rhum sagen kan) || Sind sie mir alle vnterthan / || Denn kein Mensch nicht erfunden wird || Den ich Fraw Venus nicht regiert / ||"
2. Spalte:
Offt mancher Held ein Schlacht gewindt / || Der nachmals wird ein Venus Kind / || Vnd der vorhin viel Schlacht gewan / || Der ist jtzt mein gefangen Man. || Das kan mein Son in grosser eil / || Der ins hertz scheust der Liebe pfeil. || C. M. O."
- CDA ID
- LC_HVI-81_105
- Bartsch-Nr.
- VII.291.113
- GND-Nr.
- https://d-nb.info/gnd/1075505224
- Permalink
- https://lucascranach.org/de/LC_HVI-81_105/