Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken

Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken

Titel

Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken

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Druckgrafik, Holzschnitt

Der Holzschnitt zeigt Luther mit langem Schnauz- und Backenbart, in einem Wams mit hohem Kragen, nach links gewandt. Wolken überziehen den Hintergrund und rahmen den Kopf des Reformators. Es handelt sich um das erste im Holzschnitt ausgeführte autonome Bildnis Cranachs d. Ä., der sich bis zu diesem Zeitpunkt auf Bildnisse

Der Holzschnitt zeigt Luther mit langem Schnauz- und Backenbart, in einem Wams mit hohem Kragen, nach links gewandt. Wolken überziehen den Hintergrund und rahmen den Kopf des Reformators. Es handelt sich um das erste im Holzschnitt ausgeführte autonome Bildnis Cranachs d. Ä., der sich bis zu diesem Zeitpunkt auf Bildnisse in Assistenz oder im Kupferstich beschränkte. Der Holzschnitt legt den Fokus auf das sorgfältig modellierte Gesicht mit detailreich ausgearbeiteten Bart- und Haarlocken und belässt das Gewand in einer auffällig zurückhaltenden, schlichten Gestaltung. Dem Holzschnitt liegt eine nicht erhaltene Zeichnung zugrunde, die mit einer Reißnadel auf den Druckstock übertragen wurde.[1]

Die überlieferten Exemplare verteilen sich auf mindestens sechs Auflagen (A–F), die sich sowohl anhand der beigegebenen Super- und Subscriptiones, als auch anhand von Ausbrüchen kurzer Stegabschnitte unterscheiden lassen. Alle sechs Auflagen konnten für den KKL erstmals kunsttechnologisch untersucht und anhand der Originale verglichen werden.

Auflage A

Superscriptio: „Lutherus“

Subscriptio: „Quęſitus toties, toties tibi Rhoma petitus || En ego per Chriſtum viuo Lutherus adhuc || Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, Ieſus || Hunc mihi dum teneam, perfida Rhoma vale.“

Die erste Auflage A weist den reduziertesten Textbestand auf. So ist die in Rotunda[2] gehaltene Superscriptio auf den Nachnamen Luthers beschränkt, was für die frühen 1520er Jahre keineswegs ungewöhnlich ist.[3] Die Antiqua-Schrifttype der Subscriptio mit dem auffallenden Q, dem leicht unterstellten R mit langem Rechtsbogen[4] sowie der schlecht justierten Texttype kann der Offizin Johannes Rhau-Grunenbergs zugeschrieben werden.[5] Eine Nutzung der Typen durch seine Erben ist nicht nachweisbar, auch sind für seine spätere Tätigkeit keine Drucke in lateinischer Sprache bekannt.

Diese erste Auflage ist nur noch in einem Exemplar im Kupferstich-Kabinett Dresden erhalten.[6] Daneben existieren Hinweise auf mindestens ein bis zwei weitere vollständige Exemplare, deren Verbleib ungewiss ist bzw. deren Zuordnung zur Auflage A wegen Beschnitts nicht vorgenommen werden konnte. Eine von Paul Kalkoff und Wolfgang Stammer 1922 publizierte Schwarzweißabbildung[7] zeigt ein Blatt mit identischer Super- und Subscriptio, das zusätzliche Weißhöhungen aufweist. Im Jahr 1914 stand in Wien ein Abzug des Holzschnitts zum Verkauf, der laut Auktionskatalog „[…] mit dem Pinsel in der Art eines Clairobscure wirkungsvoll übermalt“ sei und daher mit dem der Abbildung identisch gewesen sein könnte.[8] Das bei Kalkoff und Stammler abgebildete Blatt befand sich 1922 im Besitz des in Würzburg ansässigen Politikers und Lehrers Jakob Beyhl (verstorben 9.1.1927), wurde über die Patentochter der Ehefrau Beyhls vererbt und ist nach Auskunft der Erben[9] vermutlich seit 2018 nicht mehr existent. Sollte es sich hier um ein Original gehandelt haben, so wäre es der Auflage A zuzuschreiben. Ferner bewahrt das Metropolitan Museum in New York in seinem Bestand ein Blatt, das ebenfalls als Frühdruck anzusprechen ist, da es nicht den erst ab Auflage C auftretenden Ausbruch an der Schulterlinie aufweist. Da das Blatt entlang der Umfassungslinien beschnitten und damit ohne Textbeifügungen überliefert ist,[10] kann es der Auflage A oder Auflage B zugeordnet werden.

Die Datierung der ersten Auflage wurde jüngst in Frage gestellt,[11] lässt sich aber nun erstmals auf zweifache Weise quellenkundlich belegen. Das Dresdner Blatt zeigt umlaufend eine Beschriftung mit Rötel: „Phafe vel dw vorrethterischer man || Sich das Ewangelium vnnd martinus schrift an || Dein vorrethrey hat vorlorn zcu disser || Fryst Ein grosser vorrether vnnd Schalgk dw bysth“.[12] Diese zeitgenössische Beschriftung kann mit einer quellenkundlichen Nachricht in Verbindung gebracht werden, die eine Datierung des Blattes erlaubt. Der Oschatzer Altarist Lucas Lederer bittet in einem zwischen dem 16. und 19. April 1522 zu datierenden Brief Johann VII. von Schleinitz, Bischof von Meißen, um Schutz vor Schmähungen gegen seine Person und die Verwüstung seines Hauses. Lederer schildert darin die Verfolgung einer Person am 1. April 1522, die die Fenster seines Hauses eingeworfen habe. Ein gestellter Verdächtiger trug „eynen bryf“ bei sich, der antiklerikale Spottverse trug, die von Lederer wörtlich zitiert werden: „Pfaff, du vorreterischer man, || wie hastu dein vorreterey gefangen an || Dein vorreterey ist umbsunst zu dieser frist, || dorumb du eyn vorreter und eyn schalk bist.“.[13] Lederers Eingabe wurde entsprochen und der Oschatzer Vogt Bartholomäus Gortler mit Ermittlungen beauftragt, über die er gegenüber Herzog Georg Bericht ablegte. Der Beschuldigte, ein Schreiber namens Erhardus von Hertzberkg[14], äußerte laut Gortler, er habe den bei ihm konfiszierten „brif mit eynem gedruckten pilde funden, dorumb seind etliche reyme mit rotelstein geschrieben gewest“[15]. Diesen habe „der schreyber ufgehoben und lesen wollen und stille gestanden, aber er hat bey nacht dy schrift nicht erkennen konnen und hat den brif under den rock geslagen.“[16]

Tatsächlich weist das Dresdner Blatt rückseitig einen vertikal verlaufenden sowie drei horizontal verlaufende Faltungen (Knicke) mit Schmutzrändern auf, die belegen, dass das Blatt vormals im sogenannten Kreuzbruch auf ein Achtel seiner jetzigen Fläche gefaltet war.[17] Im Dresdner Blatt, welches zudem ein bereits um 1522 gebräuchliches Wasserzeichen[18] aufweist, ist daher der bei Gortler genannte „brif mit eynem gedruckten pilde […], dorumb seind etliche reyme mit rotelstein geschrieben“ zu vermuten.[19]

Eine Datierung des Holzschnitts spätestens auf die Jahre 1522/23 legt schließlich auch ein weiteres externes Quellenzeugnis nahe. Der als Subscriptio wiedergegebene Vierzeiler findet sich in dieser Schreibweise ausschließlich in Auflage A.[20] In identischen Form begegnet das Gedicht bereits im handschriftlichen Epistolarium des Wolfgang Reichart (1486–1546/7).[21] Eine Autorschaft des Vierzeilers durch Reichart selbst ist aus stilistischen Gründen unwahrscheinlich;[22] es ist deshalb anzunehmen, dass Reichart den Text vom Flugblatt übernommen hat.[23] Der Überlieferungszusammenhang des als Lutherus de se ipso titulierten Gedichtes innerhalb des Epistolariums belegt eine Aufnahme des Gedichtes in den Jahren 1521–1523.[24] Der Vierzeiler wird von je zwei Gedichten auf den Tod Papst Leos X. (Pro Leone papa und Aliud) (1. Dez. 1521)[25]und von den Bildnissen Luthers (De imagine Lutheri und Aliud) gerahmt.

Reichart gehörte zu den frühen Verfechtern der reformatorischen Bewegung[26] und verfügte durch seinen ab dem 29. April 1518 in Wittenberg studierenden Freund Johannes Magenbuch (1500–1555)[27] über enge Briefkontakte zu Martin Luther und Philipp Melanchthon, sodass ein Abzug des Holzschnitts auf diesem Weg zu Reichart gelangt sein könnte. Ein solcher Abzug dürfte Reichart frühestens nach September 1522[28] vorgelegen haben.[29]

Das Blatt in der Dresdner Sammlung weist mit einem „Katharinenrad mit einkonturigem Mittelkreis, sechs Speichen und sechs außen aufgesetzten Messern, darüber Pflanze mit fünf Zweigen, daran je ein Dreiblatt“ ein Wasserzeichen im Format 78 x 32 mm auf, dessen Verwendung verglichen mit [Briquet] Nr. 13375 bereits um 1494 in Nemours belegt ist. Weitere in der Gestalt ähnliche Wasserzeichen sind von 1478 bis 1539 belegt.[30]

Eine Porträtsitzung Luthers mit Cranach vorausgesetzt, kann der Holzschnitt damit zwischen dem 3./4. bis 12. Dezember 1521 – Luthers kurzzeitigem Aufenthalt in Wittenberg während seines Exils – und dem 1. April 1522 geschnitten und abgezogen worden sein.

Auflage B

Superscriptio: „IMAGO MARTINI LVTHERI, EO HABITV EXPRES=|| SA, QVO REVERSVS EST EX PATHMO VVITTEN= ||bergam. Anno Domini. 1522.“

Subscriptio: „Quæſitus toties, toties tibi Rhoma petitus,|| En ego per Chriſtum viuo Lutherus adhuc.|| Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, Ieſus, || Hunc mihi dum teneam, perfida Rhoma vale.“

Die Subscriptio folgt dem Wortlaut der ersten Auflage, unterscheidet sich aber in der Schreibweise einzelner Wörter, der Wahl der Typen sowie dem Textsatz. Die Superscriptio betont nur, es handle sich um ein Bild Martin Luthers in der Gestalt, in der dieser im Jahr 1522 von Pathmos, einer an die Offenbarung des Johannes angelehnten Anspielung auf die Wartburg, zurückgekehrt war. Eine Datierung der Auflage B wäre somit nach Februar 1522 anzusetzen, als Luther endgültig aus Eisenach nach Wittenberg reiste.[31] Exemplare dieser Auflage sind nur in den Staatsbibliotheken Berlin und Bamberg[32] nachweisbar, wobei vor allem das Berliner Exemplar durch seinen unbeschnittenen Zustand einen Eindruck vom ursprünglichen Erscheinungsbild vermittelt. Die Annäherung an einen terminus ante quem der Auflage B bedarf eines Abgleichs mit der Auflage C, die, wie im folgenden Abschnitt darzulegen ist, anhand von nun hinzugefügten Chronosticha auf die Zeit um 1546/1548 datiert werden muss. Der Textsatz dieser Ergänzungen beginnt wenige Millimeter unterhalb des letzten Verses des Tetrastichons. Das Berliner Blatt der Auflage B dagegen weist unter dem Tetrastichon noch 13,5 mm unbedruckte Fläche bis zur Blattkante auf, womit ausgeschlossen werden kann, dass die Chronosticha auch hier vorgesehen waren und etwa lediglich durch Beschnitt verlorengegangen sind. Hieraus folgt, dass Auflage B nach Auflage A und vor Auflage C von 1546/1548 entstanden sein muss.[33] Ulrich Kopp verortet die Typenkombinationen der Auflage B bei Georg Rhau in Wittenberg und sieht sie ab 1533 belegt, wodurch die Möglichkeit einer engeren Eingrenzung entstünde.[34] Die Papiere der beiden lokalisierten Abzüge tragen kein Wasserzeichen und weisen ein leicht voneinander abweichendes Abbild in der Geometrie ihres Schöpfsiebs auf, so dass von unterschiedlichen Schöpfsieben ausgegangen werden kann.

Auflage C

Superscriptio: „IMAGO MARTINI LVTHERI EO HABITV EX= ||PRESSA, QVO REVERSVS EST EX PATHMO VVITTE= || BERGAM ANNO DOMINI 1522.“

Subscriptio: „Quæſitus toties, toties tibi Roma petitus, || En ego per Chriſtum uiuo Lutherus adhuc. || Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, Ieſus, || Hunc mihi dum teneam, perfida Roma uale.

ANNVS CONFESSIONIS VVOR= || MACIÆ 1521. || CaeſarIs ante peDes, proCeres ſtetIt ante potentes || ACCola qVà RhenI VangIo LIttVs aDit.

ANNVS PATHMI || 1521. || A Rheno properans CapItVr, benè ConſCIa PathMI || TeCta, PApæ fVgIens retla ſtrVCta, petIt.

ANNVS REDITVS EX || PATHMO 1522. || CarLſtaDII ob fVrIas aD SaXona teCta reCVrrIt, || FaVCIbVs ex ſæVIs rVrſVs oVesqVe rapIt.“

Neben erneuten orthographischen Anpassungen der Superscriptio und des Tetrastichons gegenüber Auflage B werden drei Chronosticha hinzugefügt. Diese beziehen sich auf Luthers Stellungnahme auf dem Reichstag von Worms 1521, sein Exil auf der Wartburg 1521 sowie seine Rückkehr im Jahr 1522. Jedem der Ereignisse ist ein Vers zugeordnet, dessen Großbuchstaben als römische Zahlen gelesen in der Summe die Jahreszahl des jeweiligen Ereignisses ergeben.

Der Wortlaut der Chronosticha finden sich auf einem von Johann Stoltz stammenden Flugblatt mit dem Titel Disticha De Vita Et Praecipvis Rebus Gestis Viri Dei Et Prophetae germaniae, Domini Doctoris Martini Lutheri, annorum numeros, quaedam etiam diem continentia.[35] Dieses bietet, neben einem gedruckten Luther-Bildnis, dessen Typus nicht vor 1539/1540 in der Cranach-Werkstatt entwickelt wurde, einen Text, der die wichtigsten Lebensstationen Luthers besingt und mit Luthers Tod endet.[36] Die Verse erschienen 1548 als Teil einer einer gereimten Lutherbiografie im Anhang zu Melanchthons Historia de Vita et Actis Lutheri.[37]

Die Annahme liegt nahe, dass die in Auflage C gewählten Verse dem Holzschnitt mit den Gedichten von Stoltz entnommen worden sind. Eine nachträgliche Ergänzung und Erweiterung der Verse in Auflage C durch Stoltz wäre umgekehrt nur schwierig zu erklären. Stoltz als Quelle der Verse der Auflage C und Melanchthons vorausgesetzt, ergibt sich eine Entstehung nach Luthers Tod, also zwischen Mitte Februar 1546 und der Auflage E, die auf 1579 datiert ist.

Bisher konnten sieben Exemplare[38] dieser Auflage nachgewiesen werden, die im Druckstock zunehmende Abnutzungserscheinungen gegenüber den Auflagen A und B zeigt. So weisen die Exemplare dieser Auflage einen etwa 12 mm breiten Ausbruch an der linken Schulterlinie Luthers auf. Die sechs aus dieser Gruppe autopsierten Exemplare[39] lassen sich neben dem Abnutzungszustand auch über die strukturellen Merkmale der Papiere zusammen führen. So weisen vier[40] der sechs Blätter, bei denen eine Identifizierung möglich war, identische Kettlinien-Intervalle sowie Ripplinien-Dichten auf. Fünf Blätter tragen ein Wasserzeichen, davon vier die jeweils identische „hohe Bügelkrone“[41] und eines einen „schreitenden Bären“[42].

Auflage D

Subscriptio: „IMAGO MARTINI LVTHERI EO HABIT V EX= || PRESSA, QVO REVERSVS EST EX PATHMO || VVITENBERGAM. ANNO DOMINI, 1522.“

Subscriptio: „Quæſitus toties, toties tibi Roma petitus, || En ego per Chriſtum uiuo Lutherus adhuc. || Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, Ieſus, || Hunc mihi dum teneam, perfida Roma uale.

ANNVS CONFESSIONIS, VVOR= || MACIÆ 1521. || CaeſarIs ante peDes, proCeres ſtetIt ante potentes, || ACCoLa qVà RenI VangIo LIttVs aDIt.

ANNVS PATHMI. || 1521. || A Reno properans, CapItVr, bene ConſCIa PathMI || TeCta, Papæ fVgIens retIa ſtrVCta, petIt.

ANNVS REDITVS EX PATH= || MO. 1522. || CarLſtaDII ob fVrIas aD SaXona teCta reCVrrIt, || FaVCIbVs eX ſæVIS rVrſVs oVeſqVe rapIt.“

Da sich die Subscriptio von der vorgenannten Auflage nur durch marginale orthographische Abweichungen unterscheidet, kann ihre Entstehung nicht weiter eingegrenzt werden, womit auch für D eine Entstehung zwischen 1546 und 1579 anzunehmen ist. Hinsichtlich der chronologischen Abfolge wäre sie mit Auflage C austauschbar, würden die vier bekannten Exemplare[43] nicht einen höheren Abnutzungsgrad des Druckstocks aufweisen. Der Ausbruch der Schulterlinie wurde bei zwei Exemplaren nachträglich zu einem späteren Zeitpunkt mit Feder oder Stift ergänzt und dies so qualitätvoll, dass der Ausbruch sich erst nach mikroskopischer Autopsie an den Originalen zu erkennen gab.[44] Die Exemplare aus Weimar und New York[45] tragen ein identisches Wasserzeichen.[46]

Ein weiterer Abzug aus dem Metropolitan Museum in New York[47] weist ein Wasserzeichen auf, das sich in seiner Zeichnung ähnlich, jedoch nicht deckungsgleich, in zwei[48] der lediglich fünf erhaltenen Abzügen des ersten Zustands von Cranachs Kupferstich Martin Luther mit dem Doktorhut (I.4D1.1) wiederfindet, welcher 1521 in kleiner Auflage veröffentlicht wurde, bevor er noch im selben Jahr eine Überarbeitung zum zweiten Zustand erfuhr.

Auflage E

Subscriptio: „IMAGO D. MARTINI LVTHERI, EO HABITV || EXPRESSA, QVO REVERSVS EST EX PATHMO VVI- || TEBERGAM, ANNO M. D. XXII.“

Superscriptio: „Quæſitus toties, toties tibi Roma petitus, ||En ego per Chriſtum viuo Lutherus adhuc.

Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, IESVS, || Hunc mihi dum teneam, perfida Roma vale.

ANNVS CONFESSIONIS || VVormatiæ 1521. || CæſarIs ante peDes, proCeres ſtetIt ante potentes, || ACCoLa qVà RhenI VangIo LIttVs aDIt.

ANNVS PATHMI, || 1521. || A Rheno properans CapitVr, benè ConſCIa PathMI || TeCta, Papæ fVgIens retIa ſtrVCta, petIt.

ANNVS REDITVS EX || Pathmo, 1522 || CarLstaDII ob fVrIas aD SaXona teCta reCVr[rIt][49] || FaVCIbVs eX ſæVIs rVrſVsoVeſqVe rapIt.

VVITEBERGÆ Iohannes Schwertel excudebat, Anno 1579.“

Nach Ausweis der Subscriptio wurde Auflage E von dem aus Coburg stammenden Drucker Johannes Schwertel im Jahr 1579 gefertigt, der zwischen 1563 und 1581 in Wittenberg nachweisbar ist.[50] Schwertel nutzt elegantere Typen und ersetzt die arabischen Ziffern der Zahl 1522 in der Superscriptio durch römische.[51] Darüber hinaus überführt er die Subscriptio in einen kompakteren Textsatz, indem er das zuvor im Block gesetzte Tetrastichon auf zwei Spalten verteilt und den gesamten Textblock näher an der unteren Umfassungslinie positioniert. Mit Blättern in der Staatlichen Graphischen Sammlung München[52] und dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig[53] haben sich zwei[54] Exemplare dieser Auflage erhalten, wobei nur das Braunschweiger einen vollständigen Zustand aufweist.[55] Beide zeigen jedoch deutliche zusätzliche Ausbrüche des Druckstocks gegenüber der vorherigen Auflage, die sich vor allem im Verlust von Teilen der umlaufenden Umfassungslinie an der oberen, unteren und linken Seite manifestieren.[56]

Auflage F

Subscriptio: „IMAGO D MARTINI LVTHERI, EO HABITV || EXPRESSA, QVO REVERSVS EST EX PATHMO VVI- || TEBERGAM, ANNO M. D. XXII.“

Superscriptio: „Quæſitus toties, toties tibi Roma petitus, || En ego per Chriſtum viuo Lutherus adhuc.

Vna mihi ſpes est, quo non fraudabor, IESVS, || Hunc mihi dum teneam, perfida Roma vale.

ANNVS CONFESSIONIS || VVORMATIAE 1521. || Cæſaris ante pedes, proceres ſtetit ante potentes || Accola quà Rheni Vangio littus adit.

ANNVS PATHMI || 1521. || A Rheno properans capitur, benè conſcia Path- [mi][57]|| Tecta, Papæ fugiens retia ſtructa, petit.

ANNVS REDITVS EX || PATHMO 1522. || Carlstadij ob furias ad Saxona tecta recurrit, || Faucibus ex ſæuis rurſus queſque rapit.“

Ein[58] Exemplar des Herzog Anton Ulrich-Museums Braunschweig[59] kann einer Auflage F zugerechnet werden. Hierbei scheint es sich um eine Überarbeitung durch Johann Schwertel selbst zu handeln. Auch wenn die Druckeradresse der Auflage E bei diesem Braunschweiger Blatt nicht nachweisbar ist,[60] legt dies die Verwendung des identischen Typensatzes nahe. Schwertel behebt satztechnische Mängel wie das hängende „I“ des Wortes „Imago“ in der Subscriptio von Auflage E und tilgt die Chronosticha der abschließenden drei Verse, was das Druckbild deutlich beruhigt. Da Schwertel bis 1583 in Wittenberg als Drucker nachweisbar ist, dürfte diese letzte bekannte Auflage des „Junker Jörg“-Holzschnitts Cranachs zwischen 1579 und 1583 entstanden sein.

Es zeigt sich, dass nur die Entstehung der Auflagen A (vor 1. April 1522) und B (nach 1533), die mit insgesamt vier Blättern belegbar sind, in die Lebenszeit Luthers fallen, während der überwiegende Teil der heute bekannten Abzüge des Holzschnitts erst nach Luthers Tod entstanden ist. Die Spur des Holzschnitts verliert sich mit der letzten bekannten Auflage der Jahre 1579 bis 1583. Die erste Auflage wurde in Form eines 1522 datierten Holzschnitts von Hans Sebald Beham adaptiert (II.D3) und schlug sich zudem in einem als Unikat erhaltenen Nachschnitt im British Museum London nieder (II.D2).

Die Untersuchung der Abzüge von Cranachs Holzschnitt zeigt, dass im Laufe der Zeit auch als originale Abzüge geltende Blätter Eingang in Sammlungen fanden, die sich bei näherer Betrachtung als spätere Reproduktionen erweisen. Dies betrifft vor allem Exemplare der Auflagen C und D. Der Auflage C entsprechende Lichtdrucke wurden in den Sammlungen in Coburg,[61] Münster,[62] Eisenach,[63] und Melbourne,[64] Reproduktionen in Zinkographie und Lichtdruck durch den Weimarer Künstler Sixtus Armin Thon (1817–1901) in Weimar[65] und Philadelphia[66] identifiziert. Ein weiterer durch den Weimarer Drucker W. Müller ausgeführter photomechanischer Reproduktionsdruck ist im British Museum London[67] überliefert.

Daniel Görres, Amalie Hänsch, Thomas Klinke


[1] Sämtliche untersuchten Exemplare des Holzschnitts zeigen – stellenweise stärker oder schwächer ausgeprägt – mittig auf den Stegen eine feine hellere Linie, die als Spur einer Reißnadel interpretiert werden kann. Entlang der eingedrückten Linien hat sich in den Abzügen jeweils weniger Druckfarbe übertragen.

[2] Gegen Kaufmann 2020, S. 38, der eine Schwabacher Type vermutet.

[3] Eine Bezeichnung ohne (latinisierten) Vornamen Luthers findet sich auch in der sogenannten „Göttlichen Mühle“ [VD16 S 5309–5312] oder in Murners „Leuiathan“ [VD16 M 7111] bei Johann Schott (1521) sowie „Uon dem grossen Lutherischen Narren“ [VD16 M 7088] bei Johann Grüninger, Straßburg.

[4] Die Antiqua entspricht weder der von Cranach / Döring (vgl. VD16 L 4998, VD16 S 1559), noch der von Melchior Lotter bis 1525 (vgl. VD16 L 4189) und auch nicht der von Hans Lufft (vgl. VD16 B 9293) verwendeten Schrifttype.

[5] Schriftliche Auskunft von Ulrich Kopp vom 14.08.2019; vgl. z. B. Papst Hadrian VI. (1523): „BREVE QVODDAM PAPAE || ADRIANI SEXTI AD-||VERSVS LV-||THERVM.|| ... ||, Wittenberg: Johann Rhau-Grunenberg“ [VD16 K 311]; vgl. allgemein zur Kritik Luthers an der oftmals mangelhaften Arbeit Rhau-Grunenbergs WABr 2, S. 379–381, Nr. 427, und Kaufmann 2019, S. 79–83.

[6] In der älteren Literatur wird der Dresdner Abzug überwiegend als der erste angenommen; vgl. Hirth 1883, S. 8; Vogel 1918, S. 60; so auch Schwarz 2012, S. 184–216, und Kaufmann 2020, S. 36ff.

[7] Vgl. Borcherdt u. a. 1922, S. 208; siehe ebd., S. 322–327.

[8] Mascha 1914, Nr. 98; die dort gezeigte Abbildung ist auf das Bildfeld reduziert, was etwaige Textbeigaben ungewiss lässt.

[9] Telefonische Auskunft vom 4.6.2018.

[10] Metropolitan Museum, New York, Inv.-Nr. 41.1.163.

[11] Vgl. Kaufmann 2020, vor allem S. 36–47 und 69–70, Anm. 86.

[12] Die leichten Abweichungen in der Beschreibung des Wortlauts könnten dem Umstand geschuldet sein, dass Lederer diesen brieflich mit einem zeitlichen Abstand von über zwei Wochen nach dem geschilderten Ereignis wiedergibt. Zudem weist schon Gortler auf Ungenauigkeiten in den Schilderungen Lederers hin (Transkription von Prof. Dr. Ulrich Bubenheimer).

[13] Vgl. für den gesamten Brief Gess 1905, Nr. 331, S. 304–306, hier S. 305, Z. 21–24.

[14] Sein Name geht erst aus der im Anschluss von Herzog Georg eingeleiteten Untersuchung der Umstände hervor, vgl. Gess 1905, Nr. 340, S. 322, Z. 27.

[15] Gess 1905, Nr. 334, S. 308, Z. 35.

[16] Ebd., S. 308, Z. 37 – S. 309, Z. 2.

[17] Die bei dieser Faltung außenliegenden Kanten weisen noch heute eine intensivere Verschmutzung auf als die innenliegenden.

[18] Wasserzeichen „Katharinenrad mit einkonturigem Mittelkreis, sechs Speichen und sechs außen aufgesetzten Messern, darüber Pflanze mit fünf Zweigen, daran je ein Dreiblatt“, Maß: 78 x 32 mm, vgl. [Briquet] Nr. 13375, Belegort Nemours (FR), 1494. Weitere in der der Gestalt typähnliche Wasserzeichen sind von 1478 bis 1539 belegt, vgl. [WZIS, 2021].

[19] Kaufmann 2020, S. 69–70, Anm. 86, begründet seine Zweifel an der Identität des Dresdner Exemplars mit dem bei Gortler erwähnten Blatt mit der Vermutung, dass der Oschatzer Vogt angesichts der strengen lutherfeindlichen Politik seines Landesherrn, bei einem mit „Lutherus“ überschriebenen Blatt den Namen des Reformators in seinem Brief nicht unerwähnt gelassen hätte. Gortlers Bericht selbst widerlegt diese Vermutung, denn aus ihm geht hervor, dass der Vogt das Blatt selbst nie gesehen hat, sondern gegenüber Herzog Georg von Sachsen nur die Ergebnisse der Befragung des Schreibers wiedergibt. Dass der beschuldigte Schreiber in seiner Aussage eine möglichst unverfängliche Formulierung wählt, ist dagegen naheliegend. In der späteren Untersuchung durch Beauftragte Herzog Georgs äußerte er sogar, dass er den Inhalt des Blattes vergessen habe (Gess 1905, S. 322, Z. 33), was zweifellos eine Schutzbehauptung darstellt.

[20] Das Gedicht wird auch mitgeteilt in Rörers Predigthandschrift Ms. Bos. q. 17d fol. 1 der Universitätsbibliothek zu Jena (= WATr 5, S. 417) und in WATr 6, S. 301f. Demnach habe Luther das Gedicht 1537 nach seiner Krankheit in Schmalkalden verfasst; in den früheren Fassungen von Aurifaber wird diese Geschichte allerdings noch nicht erzählt; vgl. Aurifaber 1570, S. 451 (zu Schmalkalden ebd. S. 493v). Die in WA und dem Ms. der UB Jena mitgeteilte Variante unterscheidet sich im letzten Wort (cave = vale) von der Schreibung auf dem Holzschnitt.

[21] Universitätsbibliothek Hamburg, Ms. Sup. ep. 4°49, fol. 256v; auch abgedruckt, aber in leichter Änderung in Schelhorn 1725, S. 290–311 und 497–512, ebd. 511–512.

[22] Schriftliche Auskunft von Walther Ludwig vom 09.08.2019.

[23] Gegen Preuß 1933, S. 65; Preuß schreibt das Gedicht Reichart selbst zu, der laut eines Briefs an Johannes Magenbuch vom 3.9.1522 (Schelhorn 1725, S. 304–307 [= Ms. Supp. Ep. 4° 49, fol. 274r]) einige Disticha verfasste, als Luther in Worms weilte. Während Reichart bei diesen Disticha seine Autorschaft mehrfach betont, ist das für das „Lutherus de se ipso“ nicht zu finden.

[24] Das Gedicht steht zwischen Briefen und Dokumenten von 1521 (vgl. fol. 250r und 251v), präziser nach einem ironischen Epicedion auf Eck (wohl anlässlich der Leipziger Disputation, frühestens verfasst im August/September 1520, wie die Nennung der päpstlichen Bulle in den letzten zwei Zeilen vermuten lässt) und vor einem mit 3. Mai 1523 datierten Brief an Luther (fol. 247r und 257r–257v = WABr 3, S. 33, Z. 12–36). Auch wenn kritisch angemerkt werden muss, dass die zusammengestellten Briefe keiner explizit chronologischen Ordnung folgen, ist die inhaltliche Übereinstimmung zu den angrenzenden Vierzeilern dennoch überzeugend (vgl. Ludwig 1999, S. 29).

[25] In seiner Edition übernahm Schelhorn 1725, S. 512, lediglich den ersten Vierzeiler.

[26] Vgl. seinen Brief an Christoph Hegendorf vom 28. Januar 1521, vgl. Schelhorn 1725, S. 50.

[27] Assion / Telle 1972, S. 363ff.

[28] Im September 1522 richtet Reichart an Magenbuch die Bitte, Luther und Melanchthon von ihm zu grüßen, die er aus ihren Schriften, aber nicht von Angesicht kenne, vgl. Schelhorn 1725, S. 307.

[29] Vgl. Ludwig 1999, S. 132–137.

[30] Vgl. [WZIS, 2021].

[31] Durch die Jahresangabe 1522 kann wohl ausgeschlossen werden, dass sich der Text auf die kurzzeitige Unterbrechung seines Exils im Dezember 1521 bezieht.

[32] Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Signatur Slg. Luther/AII 3-3; Staatsbibliothek Bamberg, IL 44.

[33] Die Typen treten etwa bei den Rhau’schen Druckschriften VD16 L 2021 oder VD16 S 7428 auf und wurden noch von seinen Erben bis 1558 verwendet, vgl. etwa VD16 S 3804 und VD16 ZV 12421 (vgl. schriftliche Mitteilung von Ulrich Kopp vom 14.08.2019).

[34] Vgl. schriftliche Mitteilung von Ulrich Kopp vom 14.08.2019.

[35] Ausführlich zum Flugblatt Rhein 2019, S. 183–184.

[36] Vgl. als koloriertes Exemplar des Flugblattes http://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sammlungsliste/werksansicht/?no_cache=1&tx_dlf%5Bid%5D=3144&tx_dlf%5Bpage%5D=1 (Zuletzt aufgerufen: 02.09.2021).

[37] Vgl. VD16 M 3417; ebd., fol. E2r–E4r. Freilich fehlt hier das Chronostichon „Annus reditus ex Pathmo“, was den Schluss nahelegt, dass Melanchthon nur eine Auswahl bietet. Zudem wird beim Einblattdruck sowie bei Melanchthon als Titel des ersten Gedichts und „ANNVS COM[!]FESSIONIS IN || Comitijs Vuormatiensib.“ angegeben.

[38] Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Slg. Luther/AII3 (unten beschnitten, „EO“ ergänzt zu „IN“); Bibliothèque Royale de Belgique, Cabinet des Estampes, Brüssel, Inv.-Nr. S. II 20715 (unten beschnitten); The British Museum, London, Inv.-Nr. O.3.190 (unten beschnitten); The British Museum, London, Inv.-Nr. 1895.0122.279 (oben beschnitten); Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv.-Nr. Mp14637a; Albertina, Wien, Inv.-Nr. DG 1929/242; Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, Inv.-Nr. Portr. II/3313. Ein weiteres Exemplar in Privatbesitz mit einem Wasserzeichen „kleine Krone“ beschreibt Sallet 1876, S. 78–79. Hierbei könnte es sich jedoch auch um ein Exemplar eines Lichtdrucks des 19. Jahrhunderts handeln, der im Anhang des KKL behandelt wird, vgl. II.D-Sup02.

[39] Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Inv.-Nr. Slg. Luther/AII3; The British Museum, London, Inv.-Nr. O.3.190; The British Museum, London, Inv.-Nr. 1895.0122.279; Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv.-Nr. Mp14637a; Albertina, Wien, Inv.-Nr. DG 1929/242, und Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, Inv.-Nr. Portr. II/3313.

[40] The British Museum, London, Inv.-Nr. O.3.190; The British Museum, London, Inv.-Nr. 1895.0122.279; Albertina, Wien, Inv.-Nr. DG 1929/242, und Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, Inv.-Nr. Portr. II/3313.

[41] Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Inv.-Nr. Slg. Luther/AII3; The British Museum, London, Inv.-Nr. O.3.190; The British Museum, London, Inv.-Nr. 1895.0122.279; Albertina, Wien, Inv.-Nr. DG 1929/242.

[42] Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, Inv.-Nr. Portr. II/3313.

[43] Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Inv.-Nr. 66-1898; Metropolitan Museum, New York, Inv.-Nr. 27.54.27; National Gallery of Art, Washington, Inv.-Nr. R-20101129-0047; Klassik Stiftung Weimar, Inv.-Nr. DK 181/83.

[44] National Gallery of Art, Washington, Inv.-Nr. R-20101129-0047; Klassik Stiftung Weimar, Inv.-Nr. DK 181/83.

[45] Klassik Stiftung Weimar, Inv.-Nr. DK 181/83; Metropolitan Museum, New York, Inv.-Nr. 27/54/27.

[46] Krone mit Stab darüber zwei Kugeln und Stern.

[47] Metropolitan Museum, New York, Inv.-Nr. ​​41/1/163.

[48] Staatsgalerie, Stuttgart, Inv.-Nr. A 2979; Cabinet des estampes et dessins, Strasbourg, Inv.-Nr. 77.005.0.79.

[49] Über die Zeile gesetzt.

[50] Vgl. Reske 2015b, S. 1007–1008.

[51] Statt „ANNO DOMINI 1522“ (Auflage D) nun „ANNO M. D. XXII“.

[52] Staatliche Graphische Sammlung, München, Inv.-Nr. 1912/997 D.

[53] Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig, Inv.-Nr. LCranachdÄ-V3-1696.

[54] Ein weiteres Blatt im Kupferstichkabinett Berlin (Inv.-Nr. 759-2) ist entlang der Umfassungslinie beschnitten, weist also keinen Text mehr auf. Da es aber sowohl Ausbrüche an der Schulterlinie als auch an der Umfassungslinie aufweist, ist es der Auflage E oder F zuzuordnen.

[55] Beim Münchner Beispiel sind die letzten drei Ziffern der Jahreszahl aufgrund einer Fehlstelle verloren. Ungewöhnlich ist ein beim Münchner Blatt über dem „a“ des Druckervornamens Johannes sichtbares kreisrundes Element, bei dem es sich wohl um einen Partikel Druckerfarbe handelt. Nicht nur würde ein gedruckter Kreis an dieser Stelle wenig Sinn ergeben, auch die Ränder wirken in hoher Vergrößerung unregelmäßig, was ebenfalls gegen den Abdruck einer Bleiletter sprechen würde.

[56] Diese scheinen beim Braunschweiger Exemplar nachträglich ergänzt worden zu sein.

[57] In unterer Zeile eingerückt.

[58] Ein weiteres 2018 bei Karl & Faber (Lot 278) angebotenes Exemplar gehört aufgrund von vorhandenen Ausbrüchen an der Umfassungslinie wohl ebenfalls zu dieser Auflage. Da das Blatt für eine Untersuchung nicht zur Verfügung stand und außerdem umfassende restauratorische Eingriffe aufweist, unter anderem die Ergänzung einer teilretuschierten, großflächigen Fehlstelle am linken unteren Blattrand, ist eine abschließende Beurteilung nicht möglich.

[59] Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, Inv.-Nr. LCranachdÄ-AB3.74.

[60] Das Braunschweiger Blatt mit der Signatur LCranachdÄ-V3-1696 ist unten beschnitten, sodass eine Druckeradresse auch hier verloren gegangen sein könnte. Nimmt man aber den geringen Abstand zwischen den Unterlängen der letzten Zeile des mittleren Chronostichons und den Oberlängen des Wortes „WITEBERGÆ“ bei der Druckeradresse zum Maßstab, müsste eine solche auch hier sichtbar sein.

[61] Kunstsammlungen der Veste Coburg, Inv.-Nr. H0064.

[62] Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Münster, Inv.-Nr. C-601123 PAD.

[63] Kunstsammlung, Wartburg-Stiftung, Inv.-Nr. G1359.

[64] National Gallery of Victoria, Melbourne, Inv.-Nr. 425-5.

[65] Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar, Sign. Reg-2010/873 sowie Sign. Reg-2010/874.

[66] Philadelphia Museum of Art, Inv.-Nr. 1985-52-19261.

[67] The British Museum, London, Inv.-Nr. 1876,0510.491.

[68] Kaufmann 2020, S. 41.

[69] Vgl. die mittig gesetzte Superscriptio „VIVIT LVTHERVS“ des Luther-Bildnisses in VD 16 E 1511, letzte Seite recto.

Quellen / Publikationen:

Passavant VI.18.193; Hollstein German VI.107.132a; Schuchardt 1851b, S. 310.179 und 1871, 254 zu 179; Heller 1854, S. 222, Nr. 527; Sallet 1876; Lindau 1883, S. 191; Flechsig 1900a, S. 60, 63, 66, 108, 295; Dodgson 1911, S. 316–317, Nr. 124, 124a; Preuß 1913, S. 33; Vogel 1918, bes. S. 60–62; Ficker 1920, S. 35–37; Glaser 1921, S. 154–155; Borcherdt u. a. 1922, S. 208ff.; Schmidt 1930, Nr. 639; Ficker 1934, S. 122, Nr. 79–81; Jahn 1955, S. 60; Jahn 1972, S. 405; Koepplin / Falk 1974, S. 98, Nr. 42; Schade 1974, Taf. 112; Ausst.-Kat. Berlin 1983a, Nr. B 75.1; Ausst.-Kat. Hamburg 1983a, Nr. 116; Ausst.-Kat. Nürnberg 1983, S. 204–205; Ullmann 1983, S. 48; Warnke 1984, S. 49–51; Gülpen 2002, S. 154–159; Holste 2004, S. 176–178; Hrosch 2008, S. 264–265; Mennecke 2012; Schwartz 2012; Kaufmann 2019, S. 293; Kaufmann 2020, S. 38–47.

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere, Inventor*in

[KKL 2022]

Datierungen
vor 1. April 1522
zwischen 1522 und 1546/1548

Datierungen

vor 1. April 1522

[KKL 2022]

zwischen 1522 und 1546/1548

[KKL 2022]

zwischen 1546 und 1579

[KKL 2022]

zwischen 1546 und 1579

weitere Auflage [KKL 2022]

1579

[datiert, KKL 2022]

nach 1579

[KKL 2022]

Maße
Darstellung: 284 (+/-3) x 205 (+/-2) mm

Maße

  • Darstellung: 284 (+/-3) x 205 (+/-2) mm

  • [Thomas Klinke, KKL 2022]

Signatur / Datierung
Keine
CDA ID
LC_HVI-107_132
KKL-Nr.
II.D1, Teil der Bildnisgruppe II
Hollstein-Nr.
VI.107.132
Permalink
https://lucascranach.org/de/LC_HVI-107_132/

Forschungsliteratur

Erwähnt auf Seite
Hollstein 1959 107
Autor/inFriedrich W. H. Hollstein
TitelCranach - Drusse
Veröffentlichungin K.G. Boon and R.W. Scheller, eds., Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts : ca. 1400 - 1700
Band6
Ort der VeröffentlichungAmsterdam
Jahr der Veröffentlichung1959
ReferenzenGND 1132640032
Dodgson 1911 316
Autor/inCampbell Dodgson
TitelCatalogue of Early German and Flemish woodcuts preserved in the Department of Prints and Drawings in the British Museum, Vol. II
Band2
Ort der VeröffentlichungLondon
Jahr der Veröffentlichung1911
18
Autor/inJohann David Passavant
TitelLe peintre-graveur. Contenant: l'histoire de la gravure sur bois, sur métal et au burin jusque vers le fin du XVIe siècle, l'histoire du nielle
Band4
Ort der VeröffentlichungLeipzig
Jahr der Veröffentlichung1863
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-234958
  • Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken, vor 16. April 1522
Zustand / Auflage
Einziger Zustand, 1. Auflage
Datierung
vor 16. April 1522

Datierung

vor 16. April 1522

[KKL 2020]

Material / Technik
Druck auf Hadernpapier mit Vergé-Struktur

Material / Technik

Druck auf Hadernpapier mit Vergé-Struktur

[Thomas Klinke, KKL 2020]

Kurzbeschreibung
Einblattdruck
Maße
Blatt: 422/421 x 312 mm

Maße

  • Blatt: 422/421 x 312 mm

  • Darstellung: 284 x 205/203 mm

  • [Thomas Klinke, KKL, 2019]

  • Blatt: 422 x 312 mm

  • [Staatliche Kunstsammlung, Dresden, revised 2018]

Inschriften und Beschriftungen
- oben: "Lutherus" - unten: "Quesitus toties, toties tibi Rhoma petitus/En ego per Christum viuo Lutherus adhuc/ Vna mihi spes est, quo …

Inschriften und Beschriftungen

Inschriften, Wappen:

  • - oben:
  • "Lutherus"
  • - unten: "Quesitus toties, toties tibi Rhoma petitus/En ego per Christum viuo Lutherus adhuc/ Vna mihi spes est, quo non fraudabor, Iesus/ Hunc mihi dum teneam, perfida Rhoma vale."

Stempel, Siegel, Beschriftungen:

  • - recto: gezeichnete Hand und Text in roter Kreide (Rötel) im Randbereich,
  • - verso: Stempel, in Rot: „Sächsisches Kupferstich Cabinet“
CDA ID
DE_SKD_A6645
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_SKD_A6645
Eigentümer
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Besitzer
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Standort
Dresden

Forschungsliteratur

Erwähnt auf Seite
Warnke 1984 49-51
Autor/inMartin Warnke
TitelCranachs Luther. Entwürfe für ein Image
ReiheKunststück
Ort der VeröffentlichungFrankfurt am Main
Jahr der Veröffentlichung1984
Link https://archive.org/details/MartinWarnkeCranachsLutherEntwrfeFFrEinImage

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Kunsttechnologische Untersuchung

2018 - 2021Technologische Untersuchung

  • Papieruntersuchung / Strukturanalyse

Bildträger

Papierstruktur: vergé

Papierstärke: 0,19 – 0,16 mm

Kettlinien, Orientierung zur Darstellung: quer

Kettlinien, relative Intervalle: [.] 28,26,26,27,25,27,26,25,26,25,26,26,25,27,25 [.] mm

Ripplinien, relative Dichte: 11/10 mm

Faserverteilung: homogen

Anomalien im Papiervlies: vereinzelte Inkrusten (Schäben), Faserlinsen und Wassertränen

Siebseite: Verso

Stegschatten: undeutlich vorhanden

Stegschatten, relative Breite:

Anomalien im Siebbild: keine

[Thomas Klinke, KKL 2020]

Prozess, Medium

Druckplatte, Qualität: sehr gute bis gute Qualität

Abzug, Qualität: gute bis mittlere Qualität

Markante Merkmale an Druckplatte und Abzug: Abzug von einem noch frühen und intakten Zustand der Platte. Die Einfassungslinie ist, bis auf geringe Verluste in der Ecke oben links, nahezu vollständig erhalten. Keine Ausbrüche in den Druckstegen, bzw. Fehlstellen in der Wiedergabe der gedruckten Linien. Stellenweise feine helle Linien auf der Mittelachse der gedruckten schwarzen Linien. Abzug-Spuren verschleppter Druckfarbe.

[Thomas Klinke, KKL 2020]

  • untersucht von Thomas Klinke

2018 - 2021Technologische Untersuchung

  • Wasserzeichen

Wasserzeichen: vorhanden

Wasserzeichen, Figur: Katharinenrad mit einkonturigem Mittelkreis, 6 Speichen und 6 außen aufgesetzten Messern, daran Pflanze mit fünf Zweigen, daran je ein Dreiblatt Wasserzeichen, Maß: 78 x 32 mm, ⌀ Rad: 23 mm

Anomalien am Wasserzeichendraht:

Wasserzeichen, Referenz/en (typologisch): Briquet Nr. 13375 WZMA, accessed 2020 vgl. auch [Briquet Nrn. 13362 – 13378]

Wasserzeichen, Referenz/en (chronologisch): Briquet Nr. 13375 WZMA, accessed 2020 vgl. auch [Briquet Nrn. 13362 – 13378]ein typgleicher Wasserzeichenbeleg, 1494, Nemours. Weitere typähnliche Wasserzeichenbelege von 1478 – 1539

[Thomas Klinke, KKL 2020]

Dank freundlicher Unterstützung

[Andrea Lothe, Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, Papierhistorische Sammlungen]

  • untersucht von Thomas Klinke

Erhaltungszustand

Datum2018 - 2021

Das Blatt ist umlaufend wohl mindestens sehr gering und sehr regelmäßig beschnitten. Der Farbton des Papiers ist natürlich leicht gelblich gealtert. Die Oberfläche weist nicht näher identifizierbare Verschmutzungen im Randbereich/Schmutzränder, insbesondere auch auf dem Verso, auf. Verso auch Spuren schwarzer Druckfarbe. Recto treten vereinzelte kleine Flecken rostrote oxidativ induzierte Foxing-Flecken auf. Das Blatt weist zahlreiche v.a. vertikale Knicke auf. Es war ursprünglich einmal im Kreuzbruch gefalzt: 1. in der vertikalen Mittelachse, 2. horizontal geviertelt (anhand der Schmutzränder ist die Abfolge der Falzungen rekonstruierbar). Das Wasserzeichen zeichnet sich verso deutlich ab. Mindestens zwei Stadien der Restaurierung sind ablesbar: Verso, Hinterlegung eines Einrisses am unteren Falz sowie am Kreuzungspunkt des oberen Falzes, Ecke oben rechts sowie vereinzelt im Bereich der Ränder. Das Blatt wurde restauratorisch geglättet. Leichte Spannungen treten umlaufend, entlang der Ränder, auf (abhebende Blattkanten verso), wohl aufgrund vorheriger umlaufender Montierung.

[Thomas Klinke, KKL 2020]

  • untersucht von Thomas Klinke

Zwei horizontale Falten, vertikal ausgerichtete Knickspuren v.a. am oberen und unteren Rand; fleckig und angeschmutzt.

Schraffuren unten vor Brust schon mit einigen Defekten, zahlreiche aussen in den Himmelsschraffuren, linke obere Ecke der Einfassungslinie bereits hier nurmehr schwach druckend, kleine Randlücke links oben (ca. 2 mm);

gute und recht scharfe Drucke.

  • erstellt von Armin Kunz

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SKD_A6645 (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
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'Martin Luther als „Junker Jörg“, Brustbild nach links, vor Wolken', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SKD_A6645 (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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