Joachim von Anhalt

Joachim von Anhalt

Malerei auf Pergament

Material / Technik

Malerei auf Pergament
Buchmalerei über Zeichnung mit schwarzem Stift, mit Weiß und Gold (Muschelgold) gehöht, partiell Glanzlichter durch Bindemittelauftrag, Rahmung in Gold (Blattgold), lineare Gliederung in Orange und Schwarz, auf Pergament, blauer Hintergrund von späterer Hand großflächig blau übermalt

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Beim «Stammbuch des Lucas Cranach» handelt es sich um eine Sammlung von zehn in Buchminiaturmalerei ausgeführten Bildern auf Pergament. Sie zeigen den segnenden Christus mit Weltenkugel als stehende Figur und Christus am Kreuz. An diese beiden schließen sich sieben Bildnisse an, wobei am Anfang jenes des Kurfürsten Friedrich III. von

Beim «Stammbuch des Lucas Cranach» handelt es sich um eine Sammlung von zehn in Buchminiaturmalerei ausgeführten Bildern auf Pergament. Sie zeigen den segnenden Christus mit Weltenkugel als stehende Figur und Christus am Kreuz. An diese beiden schließen sich sieben Bildnisse an, wobei am Anfang jenes des Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen steht, gefolgt von dem seines Bruders Johann I. Hierarchisch an dritter Position folgen Bildnisse der Reformatoren: Martin Luther, Philipp Melanchthon, Justus Jonas (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ1746), Johannes Bugenhagen (CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ1747) und Georg Spalatin. Als letztes schloss ein leeres Bildfeld mit goldenem Rahmen die Folge ab. Gedacht waren die Bildnisse wohl dafür, in auf Pergament gedruckte Exemplare der Wittenberger Luther-Bibel von 1541 (VD16 ZV 1474) eingebunden zu werden (Schuchardt II, 1857, S. 28-29; Degering 1928, S. 5).

Bekannt ist oben genannte Reihenfolge dank einer kurzen Beschreibung in Johann Georg Meusels «Museum für Künstler und für Kunstliebhaber». 1792 hatte ein Diakon namens Johann Ferdinand Roth eine dreiseitige Beschreibung in Meusels Periodikum veröffentlicht (Roth 1792, S. 162-164). Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch noch nicht alle Bildnisse identifiziert, so beschrieb er dasjenige, welches heute als Porträt des Georg Spalatin gilt, als unbekannter Herr «in einem ziemlich kurzen, breit ärmelichten Ehrenrocke» (Roth S. 164, Nr. 9). Auch findet sich bei Roth die früheste Zuschreibung der Malereien an Lucas Cranach, wobei damit wohl der Ältere gemeint war.

Ihre Bezeichnung als Stammbuch hat die Folge aber von der ältesten bekannten Publikation zu den Buchmalereien, veröffentlicht vom Verleger Christian von Mechel 1814 in Basel. Roths Beschreibung spricht nur von zehn gehefteten Bildern. In erster Linie ließ von Mechel die Werke als Kupferstiche (das erste mit dem segnenden Christus als Holzschnitt, vgl. Schuchardt II, 1857, S. 28) reproduzieren, stellte den Drucken aber noch einen einleitenden Text sowie kurze Biografien zu den Porträtierten voran. Joseph Heller (1821) wie auch Christian Schuchardt (1857) erwähnten das Stammbuch in ihren Werkverzeichnissen zu Cranach, es ist jedoch nicht ganz klar, ob sie von Mechels Reproduktions-Mappe ausgingen oder die Originale auf Pergament gesehen hatten. 1928 gab dann die Reichsdruckerei in Berlin Reproduktionen der Malereien als Lichtdrucke heraus, zusammen mit einem einleitenden Überblickstext von Hermann Degering, damaliger Direktor der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Darin ging er auf die Provenienz der Folge ein, zeichnete aber auch in dramatischer Sprache nach, wie von Mechel wohl mit den Originalen umging, die ihm der Preußische König zur Reproduktion anvertraut hatte. So gelangte das Porträt des Georg Spalatin erst nach einem Zeitungsaufruf von Basel nach Berlin zurück. Das Blatt mit dem leeren Goldrahmen ist vermutlich spätestens seit 1814 verschollen, wobei für Degering klar war, dass von Mechel auch dieses Blatt verloren haben musste (Degering 1928, S. 4). Letztlich findet sich hier noch ein kurzer Abriss zur Zuschreibungsgeschichte der Buchmalereien (ders., S. 6-7). Hierin folgte Degering Christian Schuchardt, der 1857 erstmalig Cranach den Jüngeren als Maler der Bildnisse benannte (Schuchardt II, 1857, S. 29-32).

Das Bildnis von Fürst Joachim von Anhalt-Dessau sticht aus den Werken Cranachs auf Pergament heraus. Wie die anderen auch, ist es feinmalerisch ausgeführt und weist einen hohen Detailreichtum auf. Allerdings erscheint der Hintergrund außergewöhnlich gut erhalten; der Schein trügt, die blaue Fläche wurde von späterer Hand großflächig übermalt. Weiter wurden auf die Buchmalerei aber noch Glanzlichter mit Bindemittel gesetzt. Zudem fällt eine lineare orangefarbene Gliederung in der Rahmung aus Blattgold auf, die andere Bildnisse nicht haben, während eine illusionistische Rahmung fehlt. Letztlich wurde das Bildnis des Joachim bis an den Goldrahmen beschnitten. So wird heute ein weiterer formaler Vergleich mit Werken auf Pergament aus der Cranach-Werkstatt erschwert, denn ob auch dieses mit einem Renaissancerahmen versehen war, kann nicht mehr festgestellt werden. Der Beschnitt, in Kombination mit der großflächigen Übermalung des blauen Hintergrundes, überzeugte Degering davon, dass Christan von Mechel das Original verändert haben muss (Degering 1928, S. 2-3). Zudem ist der Porträtierte in von Mechels Reproduktion als Kurfürst Friedrich III. benannt; Degering erkannte jedoch Fürst Joachim in dem Bildnis und kam zum Schluss, dass dieses Exemplar in eine andere Pergament-Bibel aus der Preußischen Staatsbibliothek eingebunden war oder werden sollte (ders., S. 3). Weil seit Degering keine Forschung zu Cranachs sogenannten Stammbuchblättern auf Pergament stattgefunden hat, müssen seine Thesen überprüft und der historische Kontext wie auch die Restaurierungsgeschichte dieses Blattes noch weiter intensiv befragt werden.

[Rahel Müller im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]

Zuschreibung
Lucas Cranach der Jüngere

Zuschreibung

Lucas Cranach der Jüngere

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026] [Bock, Cat. Berlin 1921, 21, no. 399]

Datierung
um 1542

Datierung

um 1542

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Maße
Maße Bildträger: 263 x 167 mm

Maße

  • Maße Bildträger: 263 x 167 mm

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Signatur / Datierung

Unterzeichnet, links unten, vermutlich Pinsel, Malmittel nicht idetifizierbar: Geflügelte Schlange mit Jahreszahl [1]542 (oder 3)

Signatur / Datierung

  • Unterzeichnet, links unten, vermutlich Pinsel, Malmittel nicht idetifizierbar: Geflügelte Schlange mit Jahreszahl [1]542 (oder 3)

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Beschriftungen

Verso mittig, Stempelabdruck in Schwarz: Kupferstichsammlung der königlichen Museen [Lugt 1606]; unten mittig, Graphitstift: "Z 1401 …

Beschriftungen

spätere Beschriftungen, Stempel, Siegel:

  • Verso mittig, Stempelabdruck in Schwarz: Kupferstichsammlung der königlichen Museen [Lugt 1606]; unten mittig, Graphitstift: "Z 1401 [durchgestrichen] 399"; unten rechts, Feder in Rotbraun über einer Graphitstiftnotiz: "Lucas Crana[ch] || 180"; unten rechts, Graphitstift: "No. 136"

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Eigentümer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Besitzer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Standort
Berlin
CDA ID
DE_SMBKSK_KdZ399
FR (1978) Nr.
FR-none
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ399/

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Cat. Berlin 1931 B 499 1054
Herausgeber/inReichsdruckerei Berlin
TitelDie Reichsdrucke. Eine Sammlung von Kupferstichen, Radierungen, Holzschnitten, Gemälden, Aquarellen und Pastellen in Nachbildungen der Reichsdruckerei zu Berlin. Erster Nachtrag zum Hauptkatalog
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1931
Degering 1928
Autor/inHermann Degering
TitelZehn Bilder und Bildnisse von L. Cranach d. J. Nach Originalen im Besitz der Preussischen Staatsbibliothek und des Kupferstichkabinettes Berlin
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1928
Cat. Berlin 1921 21 399
Autor/inElfried Bock
TitelDie Zeichnungen alter Meister im Kupferstichkabinett. Die deutschen Meister. Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Zeichnungen, Staatliche Museen zu Berlin
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1921
Link https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bock1921ga
Mecheln 1814
Herausgeber/inChristian von Mecheln
TitelLucas Cranachs Stammbuch, enthaltend die von ihm in Miniatur gemalte Abbildung des den Segen erteilenden Heilandes und die Bildnisse der vorzüglichsten Fürsten und Gelehrten aus Reformationsgeschichte
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1814
Link https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb11708099
  • Joachim von Anhalt, um 1542

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Kunsttechnologische Untersuchung

2026Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

Bildträger

auf Pergament

Prozess, Medium

Das in der Technik der Buchminiaturmalerei geschaffene Bildnis wurde auf der aufgerauten Hautseite eines Pergamentblattes ausgeführt. In der Infrarotreflektographie (IRR) ist eine erste Anlage mit schwarzem Stift vor allem im Bereich des Gesichts und der Füße zu erkennen.

Die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) weist für die Randeinfassung (M1) die Elemente Gold (Au), Eisen (Fe) und Titan (Ti), interpretiert als Eisenoxid, möglicherweise Bestandteil einer Bolus-Schicht unter der Goldauflage sowie Calcium (Ca) nach, dieses entweder gleichfalls aus der Grundierung für die Goldauflage, dann als Kreide zu interpretieren oder als Calciumeinlagerung im Pergamentträger von der Pergamentherstellung. Kupfer (Cu) wird dem Blaupigment zugeordnet und könnte auf Azurit hinweisen. Das Element Quecksilber (Hg) kann auf Zinnober hinweisen. Die Messung des blauen Hintergrundes (M2) ergab Kupfer (Cu), Calcium (Ca) und Eisen (Fe). Kupfer kann auf das Blaupigment Azurit hinweisen, Calcium erneut auf den Herstellungsprozess des Pergaments und Eisen auf eine großflächige Überarbeitung des blauen Hintergrundes mit Berliner Blau (siehe unten). Im Inkarnat (M3) weist Calcium (Ca) auf Calciumeinlagerungen von der Pergamentherstellung, Blei (Pb) auf Bleiweiß, Quecksilber (Hg) auf Zinnober und Eisen (Fe) möglicherwiese auf Eisenoxid hin. Im geschlitzten Gewand (M4) wurde schließlich Blei (Pb) für Mennige und eventuell Bleiweiß, Calcium (Ca) wohl aus dem Pergament und Eisen (Fe) wohl für Eisenoxid nachgewiesen.

Die massive Übermalung des blauen Azurit-Hintergrundes sollte wohl starken Abrieb, wie er bei den weiteren sog. Stammbuchblättern, am stärksten bei dem Bildnis von Justus Jonas (KdZ 1746) zu finden ist, ausgleichen. Da die Überarbeitung schon im Bestandskatalog der deutschen Zeichnungen im Kupferstichkabinett von Bock (1921) kritisch erwähnt wird, muss die Maßnahme bereits deutlich zuvor stattgefunden haben. In der UV-Falschfarbenaufnahme (UVFC-365nm) treten die wenigen Partien entlang der Silhouette, die man wohl wegen der auf den Hintergrund gezeichneten Details ausgespart hat in giftgrün hervor: der Bart, die Grannen vom Pelzbesatz der Kleidung (an der rechten Körperkontur) sowie die Goldwirkereien im Bereich beider Kniee. Der übrige Hintergrund wurde sichtlich unter Nutzung einer die Figur schützenden Schablone großzügig übermalt, wobei offenbar auch ein Cranach-Signet und die Datierung unten links nicht geschont wurden. Die Infrarotreflektographie (IRR) lässt hier schattenhaft eine Flügelschlange und darunter die Ziffern [1] 5 4 [2?] erkennen.

[Georg Josef Dietz unter Einbeziehung der Infrarotreflektographie und Analyseauswertung von Gunnar Heydenreich und Sarah Critchley sowie der gemeinsamen Untersuchung mit Mailena Mallach, Luise Maul und Dominika Ropers (geb. Wojciechowska), März 2026]

25.07.2025Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Instrumentelle Materialanalyse

Mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (Thermo Scientific - Niton XL3t GOLDD+) konnten folgende Elemente nachgewiesen und in Verbindung mit den optischen Merkmalen Signale für folgende Füllstoffe, Zeichenmedien und Farbmaterialien ermittelt werden.

M1 Gold (Randeinfassung):

Ca, Fe, Ti, Au, Cu, (Hg)

Ca: Kreide / Gips (?); Fe/Ti: Eisenoxid (?); Au: Gold; Cu: Kupferhaltiges Blaupigment (Azurit); Hg: Zinnober

M2 Blau (Hintergrund):

Cu, Ca, Fe

Cu: Kupferhaltiges Blaupigment (Azurit); Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?)

M3 Inkarnat:

Ca, Pb, Hg, Fe,

Ca: Kreide / Gips (?); Pb: Bleiweiß; Hg: Zinnober; Fe: Eisenoxid (?)

M4 Rot (Gewand):

Pb, Ca, Fe,

Pb: Mennige / Bleiweiß (?); Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?)

[Gunnar Heydenreich, Sarah Critchley, unveröffentlichter Untersuchungsbericht, 25.07.2025]

  • untersucht von Gunnar Heydenreich
  • untersucht von Sarah Critchley

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Joachim von Anhalt', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ399/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
Eintrag ohne Autor
'Joachim von Anhalt', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ399/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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