Lukretia

Lukretia

Titel

Lukretia

[Exhib. Cat. Basel 1974, 666, No. 583]

Lucretia

[Herrschaft, CDA 2010]

Malerei auf Holz

Material / Technik

Malerei auf Holz

[Korrespondenz der ehem. Besitzer mit D. Koepplin im Archiv D. Koepplin, 1983 / 2009]

Das Gemälde zeigt die antike Heldin Lucretia als stehenden Akt in Halbfigur.

Das Gesicht mit leidendem Ausdruck ist leicht zur rechten Bildseite geneigt und ihre Augen blicken ins Leere. In ihrer rechten Hand hält Lucretia den langen Dolch mit der Spitze nach oben gegen sich richtet. In ihrer linken

Das Gemälde zeigt die antike Heldin Lucretia als stehenden Akt in Halbfigur.

Das Gesicht mit leidendem Ausdruck ist leicht zur rechten Bildseite geneigt und ihre Augen blicken ins Leere. In ihrer rechten Hand hält Lucretia den langen Dolch mit der Spitze nach oben gegen sich richtet. In ihrer linken Hand hält sie vor dem Körper einen durchsichtigen Schleier, der sich um beide Arme wickelt. Zusätzlich trägt sie eine Schaube (?) um ihre Hüften, welche die Scham bedeckt.

Als Schmuckstücke hat sie ein Halsband und eine feine Gliederkette, die um ihre rechte Brust liegt, angelegt. Ihre Frisur deutet auf eine Haube hin.

Der Hintergrund ist dunkel.

[Herrschaft, CDA 2010]

Der Legende nach lebte Lucretia im 6. Jh. v. Chr. und war die schöne und tugendhafte Frau des Römers Collatinus. In sie verliebte sich der Sohn des Römischen Königs - Sextus Tarquinius. Bei einem Aufenthalt in ihrem Haus drohte Sextus, sie zu töten und ihre Ehre zu beflecken, wenn sie sich ihm nicht hingab. Nach der Vergewaltigung ließ Lucretia ihren Mann und ihren Vater Rache schwören und erdolchte sich. Das Geschehene führte zum Volksaufstand, in dem die Königsfamilie gestürzt und das Römische Reich zur Republik wurde.

Als Inbegriff weiblicher Tugendhaftigkeit, Keuschheit, Treue und Ehre erfreute sich die Darstellung der Lucretia besonders im 16. Jh. großer Beliebtheit.

[Literatur zum Thema: Bierende 2002, Follak 2002, Livius 1909]

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere

[Exhib. Cat. Düsseldorf 2017, no. 174] [Herrschaft, Heydenreich 2014] [Koepplin, Exhib. Cat. Basel 1974, 666, No. 583]

Datierungen
1534
um 1531

Datierungen

1534

[datiert]

um 1531

[Koepplin, Exhib. Cat. Basel 1974, 666, No. 583]

um 1537

[Zervos 1950, Fig. p. 63]

Maße
Maße Bildträger: 50,5 x 36,2 cm

Maße

  • Maße Bildträger: 50,5 x 36,2 cm

  • [Exhib. Cat. Düsseldorf 2017, no. 174]

Signatur / Datierung

Bezeichnet unten links: Schlangensignet mit aufrecht stehenden Flügeln und datiert "1534" mit roter Farbe

Signatur / Datierung

  • Bezeichnet unten links: Schlangensignet mit aufrecht stehenden Flügeln und datiert "1534" mit roter Farbe

Eigentümer
Museo de Bellas Artes Bilbao
Besitzer
Museo de Bellas Artes Bilbao
Standort
Bilbao
CDA ID
ES_MBAB_12-79
FR (1978) Nr.
FR-none
Permalink
https://lucascranach.org/de/ES_MBAB_12-79/

Provenienz

  • ehemals in einer Madrider Sammlung
    [Exhib. Cat. Basel 1974, 666, No. 583]

Das Bild gehörte über Generationen der Familie "Marquis of Rafal" und kam vermutlich von Wien nach Spanien, als der Marquis (Anhänger des Erzdukes von Österreich im Spanischen Erbfolgekrieg im 18. Jh.) zum Frieden von Wien aus dem Exil in Wien nach Spanien zurückkehrte.
Die Gräfin de Via-Manuel (1850 - 1929), welche auch Marquise de Rafal war, sandte das Gemälde von ihrem Palast in Orihuela in ihr Haus in Madrid.
Während des Spanischen Bürgerkrieges (1936 - 39) wurde das Bild von den Republikanern "Junta de Recuperación del Tesoro Artistico" verwahrt und an das Prado Museum gesandt. Während des Bürgerkrieges wurden Gemälde des Prado Museums aus Madrid ausgelagert. So kam auch dieses Gemälde in die Nähe der französischen Grenze, erst nach Figueres und dann nach Perelada. (Einst zeugte ein Aufkleber auf der Gemälderückseite von dieser Reise. Dieser wurde jedoch inzwischen entfernt.)
Im Prado Museum wurde es wahrscheinlich von Christian Zervos (Freund von Picasso und Direktor des Museums) entdeckt und fotografiert.
Nach dem Krieg kam das Bild zurück zum Besitzer, dem "Count of La Granja".
[Korrespondenz der ehem. Besitzer mit D. Koepplin im Archiv D. Koepplin, 2005 und Korrespondenz der ehem. Besitzer mit J. Herrschaft, 2012]

Eine 2009 geplante Versteigerung bei Christie's London
[Aukt. Kat. Christie's im Archiv D. Koepplin] kam nicht zu Stande [Korrespondenz der ehem. Besitzer mit J. Herrschaft, 2011]

  • seit 2012 im Museo de Bellas Artes de Bilbao
    [Korrespondenz der ehem. Besitzer mit J. Herrschaft, 2012]

Ausstellungen

Düsseldorf 2017, Nr. 174

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Exhib. Cat. Düsseldorf 2017 281 No. 174
Herausgeber/inGunnar Heydenreich, Daniel Görres, Beat Wismer
TitelLucas Cranach der Ältere. Meister - Marke - Moderne. [anlässlich der Ausstellung "Cranach. Meister - Marke - Moderne", Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 08. April 2017 - 30. Juli 2017]
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung2017
Herrschaft, Heydenreich 2014 85-109 1, 11-17
Autor/inGunnar Heydenreich, Jana Herrschaft
TitelUna Lucrecia de Lucas Cranach el Viejo en el Museo de Bellas Artes de Bilbao / A Lucretia by Lucas Cranach the Elder at the Bilbao Fine Arts Museum
ZeitschriftBilbao Fine Arts Museum Bulletin
Jahrgang8
Jahr der Veröffentlichung2014
Link https://lucascranach.org/application/files/7016/2097/3068/Herrschaft_Heydenreich_2014_A_Lucretia_by_Cranach_the_Elder.pdf
Seiten85-109
Bierende 2002
Autor/inEdgar Bierende
TitelLucas Cranach d.Ä. und der deutsche Humanismus. Tafelmalerei im Kontext von Rhetorik, Chroniken und Fürstenspiegeln
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung2002
Follak 2002
Autor/inJan Follak
TitelLucretia zwischen positiver und negativer Anthropologie: Coluccio Salutatis Declamatio Lucretie und die Menschenbilder im exemplum der Lucretia von der Antike bis in die Neuzeit
Ort der VeröffentlichungKonstanz
Jahr der Veröffentlichung2002
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:352-opus-9144
Exhib. Cat. Basel 1974/1976 664, 666 under No. 583 Fig. 323
Autor/inDieter Koepplin, Tilman Falk
TitelLukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik
Band1, 2
Ort der VeröffentlichungBasel, Stuttgart
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-104522

Forschungsgeschichte / Diskussion

D. Koepplin beschreibt das Bild als geschmeidiger als das später anzusetzende Basler Bild (FR235).

[Koepplin, Exhib. Cat. 1974, 666, Nr. 583]

Zudem weist er auf die Ähnlichkeit mit einer Lucretia im Niedersächsischen Landesmuseum hin (FR240C), hält dieses Bild jedoch für qualitativ höherwertiger.

[Korrespondenz der Besitzer mit D. Koepplin im Archiv D. Koepplin, 2009]

Das Bild gehört zu einer ganzen Reihe von Aktdarstellungen der Lucretia in Halb- bzw. Dreiviertelfigur, die zwischen 1526 und 1538 entstanden sind, z.B.: FR 236, 397. Jedoch handelt es sich bei dem Darstellungstypus dieses Bildes um kein Serienprodukt. Vielmehr bildet es eine Art Übergang zwischen den beiden, von Koepplin genannten Vergleichsbildern.

[Herrschaft, cda 2011]

  • Lukretia, 1534

Abbildungen

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Kunsttechnologische Untersuchung

2014Technologische Untersuchung

Bildträger

Der Träger besteht augenscheinlich aus Buchenholz und setzt sich aus drei Brettern mit waagerecht verlaufender Faserrichtung zusammen. Mit den Maßen 50,4 x 36,4 x 1,3 cm entspricht die Tafel in etwa dem Standardformat "C". Die Tafelrückseite hat umlaufend einen 0,9 cm breiten Falz, welcher an der unteren Kante nicht erhalten ist. Es ist also davon auszugehen, dass die Tafel ursprünglich in der Höhe circa einen Zentimeter größer war.

Grundierung und Imprimitur

Die dünn aufgetragene Grundierung ist weiß.

Unterzeichnung

Eine Unterzeichnung ist nicht eindeutig nachweisbar. Einzig die Vorritzung des Dolches ist erkennbar, dessen Konturen der Klinge auf dem fertiggestellten Inkarnat mit einer Nadel in die Malschicht geritzt wurden. Obwohl mittels Infrarot-Reflektografie keine Unterzeichnung entdeckt werden konnte, bedeutet dies nicht, dass die Malerei ohne eine zeichnerische Kompositionsanlage ausgeführt wurde. Denkbar ist, dass sich die Unterzeichnung auf wenige Linien mit einem trockenen Zeichenmedium, wie Kohle, Kreide oder Rötel beschränkte, die mit der Infrarot-Reflektografie nicht oder nur bedingt sichtbar zu machen sind.

Farbschichten und Metallauflagen

Die Malerei erscheint souverän und effektvoll ausgeführt. Die fein nuancierte Modellierung der Körperformen erfolgte sicher mit streichendem und stupfendem Auftrag von heller Fleischfarbe sowie braunen Lasuren und kühlen grauen Schattentönen. Mit der subtilen flächigen Modellierung und dem eintönig schwarzem Hintergrund kontrastieren Konturlinien und Detailzeichnung. Den Falten der dunkelroten Schaube schenkt Cranach kaum Aufmerksamkeit. Die Gliederkette um Lucretias Hals erscheint bei näherer Betrachtung eher flach und schematisch gemalt, doch spielt Cranach hier mit technischen Raffinessen: So lenken vom gleichförmigen Aufbau der Kette wechselnde Lichtreflexe und eine raffinierte Anpassung an die Körperform ab, welche zugleich räumliche Tiefe suggerieren. Augen, Nase und Mund sind im Cranach-Formenkanon mit wenigen Mitteln routiniert umgesetzt. Die Augenlider sind nur schwach modelliert und partiell dunkel und hell konturiert. Die Unterlider sind fast nicht modelliert, deren Schattenlinie von feinsten präzise platzierten Wimpern ersetzt wird. Elegante Kontouren und feinzeichnerische Details wie Schleier, Haare, Wimpern und Schmucksteine lenken den Blick des Betrachters auf sich.

Das Bild basiert auf wenigen Farben, es dominieren Rosa, Schwarz, Rot, Braun Gelb, und Grau. Die Farbe Grün bleibt einzig zwei Edelsteinen im Halsband vorbehalten. Den Schmuck zeichnet Cranach auf rotbraunem Grund mit braunen Konturlinien und gelben Lichtreflexen, ohne Ausmischung der Farben. Mit gleicher rot-ocker Farbe werden nicht nur Schmuck sondern auch Dolchgriff und Haare, das heißt verschiedene Materialien umgesetzt. Ökonomie und technische Raffinesse gewährleisten eine harmonische Zusammenfügung der einzelnen Bildbereiche. Besondere Erfahrenheit zeichnet der Ausführung von Details aus: So sind zum Beispiel die roten Steine im Halsband schwarz unterlegt, prismenförmig mit deckendem Rotpigment scharfzeichnend herausgearbeitet und anschließend diese Anlage mit rotem Farblack überzogen.

Die besondere Qualität der Malerei lässt keinen Zweifel, dass der Meister an diesem Bild selbst Hand angelegt hat.

[Herrschaft, Heydenreich 2014, 101-105]

2012Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • UV-Fluoreszenzfotografie
  • uv_light
  • fotografiert von Museo de Bellas Artes Bilbao

2011Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Infrarot-Reflektografie
  • irr

Unterzeichnung

BESCHREIBUNG

Zeichengerät/Material:

- flüssiges, dunkles Zeichenmedium und Pinsel (kaum erkennbar)

Typ/Duktus:

- freie schematische Unterzeichnung (soweit sie sichtbar ist)

- dünne Linien

Funktion:

- verbindlich für die Malerei; die Linien grenzen die Konturen der Figur ab (Stellenweise erkennbar im Bereich der Händen) und stellen Gesichtszüge dar (lediglich erkennbar an der Unterlippe); keine plastische Wiedergabe

Abweichungen:

- kaum Präzisierungen der Form während des Malprozesses

INTERPRETATION

Zuschreibung:

- nicht möglich

Anmerkungen:

- eventuell nach einer Vorzeichnung oder Vorlage

- die Umrisse des Dolches scheinen eingeritzt zu sein

[Smith, Sandner, Heydenreich cda 2014]

  • fotografiert von Gunnar Heydenreich

2011Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Röntgengrobstrukturanalyse
  • x_radiograph
  • erstellt von Museo de Bellas Artes Bilbao

Restaurierungsgeschichte

Datum2012

Eine erneute Konservierung des hölzernen Trägers führte 2012 Albert Glatigny vom Institut Royal du Patrimoine Artistique, Brussels, durch. Die unzähligen Fraßgänge an der Oberfläche der Tafelrückseite wurden hierbei mit Mikroballons aufgefüllt und die Holzleisten entlang der Brettfugen durch Balsaholz ersetzt. An der rechten unteren Ecke wurde ein zwischenzeitlich verlorener Eckbereich mittels einer Balsa-Anstückung ersetzt.

[Herrschaft, Heydenreich 2014, 107]

  • restauriert von Albert Glatigny

Datum1996 - 1997

1996-97 wurde das Bild ein weiteres Mal restauriert von einer Tochter des damaligen Eigentümers und Schülerin von Javier Carrión. Hierbei erfolgte ausschließlich eine Retusche der Figur, in deren Zuge wohl auch ein neuer Firnis aus Paraloid B72 aufgebracht wurde.

[Herrschaft, Heydenreich 2014, 107]

Datum1983

Bei seiner Untersuchung 2009 erwähnte Koepplin eine "Brettdoublierung" der Rückseite, welche wohl aufgrund der Verwölbung des Trägers und der offenen Brettfuge vorgenommen wurde. Diese, 1983 von Javier Carrión durchgeführte Maßnahme, wurde inzwischen rückgängig gemacht. In diesem Zuge ist wohl auch die offene Fuge geschlossen und retuschiert worden. Zur Verleimung der Brettdoublierung und Schließung offener Fraßgänge von Schadinsektenbefall wurde der Leim vermutlich mit Kreide angedickt. Im Holz finden sich Reste einer weißen Masse, die nicht vom Herstellungsprozess der Tafel stammt.

[Herrschaft, Heydenreich 2014, 107]

  • restauriert von Javier Carrión

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Lukretia', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/ES_MBAB_12-79/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
Eintrag ohne Autor
'Lukretia', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/ES_MBAB_12-79/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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