Kleines Flügelretabel mit der Auferstehung Christi: hl. Barbara [linker Flügel, Innenseite]

Kleines Flügelretabel mit der Auferstehung Christi: hl. Barbara [linker Flügel, Innenseite]

Titel

Kleines Flügelretabel mit der Auferstehung Christi: hl. Barbara [linker Flügel, Innenseite]

[Exhib. Cat. Düsseldorf 2017, 120, No. 23]

Reisealtar Landgraf Wilhelms II. von Hessen und Annas von Mecklenburg: Hl. Barbara [linker Flügel]

[cda 2013]

Reisealtärchen

[Friedländer, Rosenberg 1979, 70, no. 17]

Malerei auf Lindenholz

Material / Technik

Malerei auf Lindenholz

[Exhib. Cat. Gotha, Kassel 2015, 98, No. 3]

Vorderseite:

Die Hl. Barbara hält einen Turm umfasst, in dessen Mauer sie ein drittes Fenster als Trinitätssymbol hatte schlagen lassen. Dieses Fenster mit Rundbogen ist in Kassel unterhalb der beiden rechteckigen Fenster angebracht. Darin steht ein Hostienkelch - ein erst seit dem 15. Jh. geläufiges Attribut der Heiligen. Der Kelch und

Vorderseite:

Die Hl. Barbara hält einen Turm umfasst, in dessen Mauer sie ein drittes Fenster als Trinitätssymbol hatte schlagen lassen. Dieses Fenster mit Rundbogen ist in Kassel unterhalb der beiden rechteckigen Fenster angebracht. Darin steht ein Hostienkelch - ein erst seit dem 15. Jh. geläufiges Attribut der Heiligen. Der Kelch und die mit einem Kreuz signierte Hostie vergegenwärtigen, dass die Heilige um Fürbitte für den Empfang der Sterbesakramente angerufen wurde. Zugleich repräsentieren sie die Anwesenheit Christi bei der letzten Kommunion. [...] Die Hl. Barbara trägt ein prachtvolles, an südniederländische Festtrachten erinnerndes Goldbrokatkleid mit weiten Ärmeln und einem leicht ausgestellten, durch wenige große Faltenzüge gegliederten Rock und eine Haube, wie sie Cranach in den Niederlanden gesehen und nach Wittenberg mitgebracht haben könnte.

[Cat. Cassel 1997, 55-56]

Rückseite:

Wappen von Hessen, in Courtoisie zugewandter, quadrierter Schild mit aufgeleg- tem Herzschild. In 1: auf Gold roter, goldgekrönter Löwe mit schwarzen Tatzen; in 2: geteilt von Schwarz und Gold, oben ein weißer, sechsstrahliger Stern; in 3: geteilt von Schwarz und Gold, oben zwei weiße, sechsstrahlige Sterne; in 4: in Rot zwei schreitende, goldene Löwen. Herzschild; in Schwarz schreitender, gekrönter, gestreifter Löwe, auf silberfarbene Metallfolie gemalt.

[Cat. Cassel 1997, 54]

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere

[Exhib. Cat. Gotha 2015, No. 3] [Grimm 1998, 68][Cat. Kassel 1997, 53] [Friedländer, Rosenberg 1979, 70, no. 17]

Datierungen
um 1508 - 1509
um 1509 - 1510

Datierungen

um 1508 - 1509

[Cat. Kassel 1997, 53]

um 1508 - 1510

[Exhib. Cat. Gotha 2015, No. 3]

um 1509 - 1510

[Exhib. Cat. Frankfurt, London 2007/2008, No. 23]

um 1509

[Grimm 1998, 68]

Maße
Lichtes Maß: 39 x 9,8/9,7 (unten/oben) x 0,7 cm

Maße

  • Lichtes Maß: 39 x 9,8/9,7 (unten/oben) x 0,7 cm

  • [Cat. Kassel 1997, 53]

  • Maße mit Rahmen: 45,4 x 16,2 cm

  • [cda 2013]

Signatur / Datierung
Keine
Eigentümer
Museumslandschaft Hessen Kassel
Besitzer
Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel
Standort
Kassel
CDA ID
DE_MHK_GK11b
FR (1978) Nr.
FR017
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_MHK_GK11b/

Provenienz

  • wie lange der Altar im Besitz der hessischen Landgrafen verblieb, ist fraglich
  • 1903 im Besitz von Wilhelm Schmidt, München
  • 1904 von Ludwig Mond (1839-1909) gekauft
  • 1905 Ludwig Mond schenkt den Altar der Gemäldegalerie

[Cat. Kassel 1997, 53]
[Exhib. Cat. Gotha, Kassel 2015, 98, No. 3]

Ausstellungen

Marburg/Lahn 1928, Nr. 150
Berlin 1937, Nr. 12
Basel 1974, Nr. 294
Kronach 1994, Nr. 134
Eisenach 1998, Nr. 17.4
Tokyo 1998
Frankfurt/London 2007/2008, Nr. 23
Coburg 2010, Nr. 1.2.13
Gotha/Kassel 2015, Nr. 3
Düsseldorf 2017, Nr. 23

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Cat. Coburg 2018 56, fn. 7 under no. 7
Autor/inKlaus Weschenfelder
TitelCranach in Coburg. Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., Lucas Cranach d.J., der Werkstatt und des Umkreises in den Kunstsammlungen der Veste Coburg
Ort der VeröffentlichungRegensburg
Jahr der Veröffentlichung2018
Exhib. Cat. Düsseldorf 2017 120 No. 23
HerausgeberGunnar Heydenreich, Daniel Görres, Beat Wismer
TitelLucas Cranach der Ältere. Meister - Marke - Moderne. [anlässlich der Ausstellung "Cranach. Meister - Marke - Moderne", Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 08. April 2017 - 30. Juli 2017]
Ort der VeröffentlichungMünchen
Jahr der Veröffentlichung2017
Exhib. Cat. Gotha, Kassel 2015 98, 99 3 Pl. p. 99; Fig. 1
HerausgeberJulia Carrasco, Justus Lange, Benjamin D. Spira, Timo Trümper, Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha
TitelBild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation, [Gotha, Herzogliches Museum; Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Schloss Wilhelmshöhe]
Ort der VeröffentlichungHeidelberg
Jahr der Veröffentlichung2015
Lange 2015 31-33 Figs. 4, 5
Autor/inJustus Lange
TitelLucas Cranach und die Landgrafschaft Hessen
Veröffentlichungin Julia Carrasco, Justus Lange, Benjamin D. Spira, Timo Trümper, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha and Museumslandschaft Hessen Kassel, eds., Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation, [Exhib. Cat. Gotha, Kassel]
Ort der VeröffentlichungHeidelberg
Jahr der Veröffentlichung2015
Seiten29-42
Exhib. Cat. Coburg 2010 181-182 No. 1.2.13 Fig. 1.2.13
HerausgeberLWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Klaus Weschenfelder, Beate Böckum, Ruth Hansmann, Matthias Müller
TitelApelles am Fürstenhof, Facetten der Hofkunst um 1500 im Alten Reich
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung2010
Exhib. Cat. Frankfurt 2007 164-165 23 p. 165
HerausgeberBodo Brinkmann
TitelCranach der Ältere, [Frankfurt, Städel Museum, 23 Nov 2007 - 17 Feb 2008]
Ort der VeröffentlichungOstfildern
Jahr der Veröffentlichung2007
Heydenreich 2007 A 63, 77, 119, 120, 122, 124, 140, 187, 219, 291, 394 98, 108, 109
Autor/inGunnar Heydenreich
TitelLucas Cranach the Elder
Ort der VeröffentlichungAmsterdam
Jahr der Veröffentlichung2007
Link https://lucascranach.org/application/files/6116/2097/3099/Heydenreich_2007_Lucas_Cranach_the_Elder.pdf
Exhib. Cat. Eisenach 1998 158 No. 17.4 Fig. 17.4
HerausgeberWartburg-Stiftung, Eisenach, Fachhochschule , Ingo Sandner
TitelUnsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund. Cranach und seine Zeitgenossen. Ausstellungskatalog und Tagungsband Katalogteil 1; 2: Werkstatt und Schüler Cranachs; 3: Süddeutsche Meister; 4: Albrecht Dürer und sein Kreis; 5: Rheinische Meister
Ort der VeröffentlichungRegensburg
Jahr der Veröffentlichung1998
Seiten229-240
Grimm 1998 68
Autor/inClaus Grimm
TitelDie Anteile von Meister und Werkstatt. Zum Fall Lucas Cranach d.Ä.
Veröffentlichungin Ingo Sandner, Wartburg-Stiftung Eisenach and Fachhochschule Köln, eds., Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund. Cranach und seine Zeitgenossen, Exhib. Cat. Eisenach
Ort der VeröffentlichungRegensburg
Jahr der Veröffentlichung1998
Seiten67-82
Heydenreich 1998 A 188
Autor/inGunnar Heydenreich
TitelHerstellung, Grundierung und Rahmung der Holzbildträger in den Werkstätten Lucas Cranachs d.Ä.
Veröffentlichungin Ingo Sandner, Wartburg-Stiftung Eisenach and Fachhochschule Köln, eds., Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund. Cranach und seine Zeitgenossen, Exhib. Cat. Eisenach
Ort der VeröffentlichungRegensburg
Jahr der Veröffentlichung1998
Seiten181-200
Cat. Kassel 1997 53-58
Autor/inAnja Schneckenburger-Broschek
HerausgeberStaatliche Museen Kassel
TitelAltdeutsche Malerei. Die Tafelbilder und Altäre des 14. bis 16. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie Alte Meister und im Hessischen Landesmuseum Kassel. Bestandskatalog staatliche Museen Kassel
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung1997
Cat. Kassel 1996 87 p. 96
HerausgeberBernhard Schnackenburg
TitelGesamtkatalog Gemäldegalerie Alte Meister. Staatliche Museen Kassel
Ort der VeröffentlichungMainz
Jahr der Veröffentlichung1996
Erichsen 1994 A 151, 156
Autor/inJohannes Erichsen
TitelAltäre Lucas Cranachs und seiner Werkstatt vor der Reformation
Veröffentlichungin Claus Grimm, Johannes Erichsen, Evamaria Brockhof, eds., Lucas Cranach. Ein Maler-Unternehmen aus Franken, Exhibit. Cat. Kronach 1994
ReiheVeröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur
Band26/94
Ort der VeröffentlichungAugsburg, Regensburg
Jahr der Veröffentlichung1994
Seiten150-165
Exhib. Cat. Kronach 1994 315, 317 134 Fig. 134
HerausgeberClaus Grimm, Johannes Erichsen, Evamaria Brockhoff
TitelLucas Cranach. Ein Maler-Unternehmer aus Franken [Festung Rosenberg, Kronach 17.05 - 21.08.1994; Museum der Bildenden Künste, Leipzig 07.09 - 06.11.1994]
ReiheVeröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur
Band26
Ort der VeröffentlichungAugsburg, Coburg
Jahr der Veröffentlichung1994
Cat. Kassel 1982 15, 61, 62 p. 82
Autor/inAnja Schneckenburger-Broschek
TitelDie Altdeutsche Malerei. Staatliche Kunstsammlungen Kassel
Ort der VeröffentlichungKassel
Jahr der Veröffentlichung1982
Friedländer, Rosenberg 1979 017
Autor/inMax J. Friedländer, Jakob Rosenberg
HerausgeberG. Schwartz
TitelDie Gemälde von Lucas Cranach
Ort der VeröffentlichungBasel, Boston, Stuttgart
Jahr der Veröffentlichung1979
Exhib. Cat. Basel 1974/1976 409, 452-453, 552, 555, 683 No. 294 Pl. 25
Autor/inDieter Koepplin, Tilman Falk
TitelLukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik
Band1, 2
Ort der VeröffentlichungBasel, Stuttgart
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-104522
Koepplin 1974 A 25, 26 I
Autor/inDieter Koepplin
TitelZwei Fürstenbildnisse Cranachs von 1509
ZeitschriftPantheon
Jahrgang32
Jahr der Veröffentlichung1974
Seiten25-34
Schade 1974 85
Autor/inWerner Schade
TitelDie Malerfamilie Cranach
Ort der VeröffentlichungDresden
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schade1974
Cat. Kassel 1969 11
Autor/inE. Herzog
TitelDie Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel
Ort der VeröffentlichungHanau
Jahr der Veröffentlichung1969
Koepplin 1966 83
Autor/inDieter Koepplin
TitelLucas Cranachs Heirat und das Geburtsjahr des Sohnes Hans
ZeitschriftZeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft
Jahrgang20
Jahr der Veröffentlichung1966
Seiten79-84
Cat. Kassel 1958 47 11
Autor/inHeinrich Vogel
TitelKatalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel
Ort der VeröffentlichungKassel
Jahr der Veröffentlichung1958
Exhib. Cat. Berlin 1937 16 012 Pl. 19
HerausgeberStaatliche Museen, Berlin
TitelLucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J. Gemälde, Zeichnungen, Graphik
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1937
Exhib. Cat. Marburg 1932 130-131 150
HerausgeberHermann Deckert, Robert Freyhan, Kurt Steinbart
TitelReligiöse Kunst aus Hessen und Nassau. Kritischer Gesamtkatalog der Ausstellung Marburg 1928
Ort der VeröffentlichungMarburg
Jahr der Veröffentlichung1932
Friedländer, Rosenberg 1932 017
Autor/inMax J. Friedländer, Jakob Rosenberg
TitelDie Gemälde von Lucas Cranach
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1932
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/friedlaender1932
Cat. Kassel 1929 18, 99 11
Autor/inK. Luhmer
TitelKatalog der staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1929
Glaser 1923 75-76
Autor/inCurt Glaser
TitelLukas Cranach
Ort der VeröffentlichungLeipzig
Jahr der Veröffentlichung1923
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/glaser1923
Cat. Kassel 1913
Autor/inG. Gronau
TitelKatalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Cassel. Amtliche Ausgabe
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1913
Swarzenski 1907 50
Autor/inGeorg Swarzenski
TitelCranachs Altarbild von 1509 im Städelschen Kunstinstitut zu Frankfurt/M
ZeitschriftMünchner Jahrbuch der bildenden Kunst
Jahrgang2
Jahr der Veröffentlichung1907
Seiten49-65
Eisenmann 1904 306
Autor/inOskar Eisenmann
TitelÜber einige Bildnisse Philipps und die Beziehungen seiner Eltern zu Lucas Cranach
ZeitschriftHessenland. Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur
Jahrgang18
Jahr der Veröffentlichung1904
Seiten305-306
Schmidt 1904 454-456
Autor/inWilhelm Schmidt
TitelAltärchen von L. Cranach d. Ae.
ZeitschriftZeitschrift für bildende Kunst. Kunstchronik
JahrgangN.F. 15=39.1904
Jahr der Veröffentlichung1904
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1904/0235
Seiten454-455

Beschreibung/ Interpretation/ Kommentare

Landgraf Wilhelm II. von Hessen (1468-1509), am Hof Graf Eberhards von Württemberg erzogen und später Gefolgsmann und treuer Bundesgenosse Kaiser Maximilians, war zeitweilig einer der mächtigsten Fürsten im Reich: Nach dem Tod seines Vetters, Wilhelm Ill. (1500), vereinigte er Oberhessen einschließlich der Grafschaft Katzenelnbogen mit Niederhessen, den Grafschaften Ziegenhain, Nidda, Umstadt mit Otzberg und Homburg v.d.H. in seiner Hand. lnnenpolitisch bemühte er sich als letzter unter den hessischen Landgrafen um eine Klosterreform. Aus seiner 1500 mit Anna von Mecklenburg geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder hervor: Elisabeth, spätere Gemahlin Kurfürst Johanns von Sachsen, und Philipp (I., d. Großmütige). 1506 erkrankte der Landgraf an Syphilis, der er am 11. Juli 1509 in seinem Schloss in Kassel erlag. Während seiner letzten drei Jahre hatte er in ständigem Briefwechsel mit Kurfürst Friedrich d. Weisen von Sachsen gestanden. Wahrscheinlich kam über diesen der Kontakt zu Lucas Cranach zustande. Da Wilhelm ll. seit Ausbruch seiner Krankheit mit dem Tod rechnen musste, könnte er den Altar noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben haben. Nach Bernhard Schnackenburg entstand er jedoch vermutlich erst nach dem Tod des Landgrafen und ist daher als Epitaph- altar anzusehen. Auftraggeber wäre in diesem Fall Anna von Mecklenburg gewesen, die durch den Altar ihre Verbindung mit dem Hause Hessen bekräftigte. Der Altar stellt den frühesten nachweisbaren Auftrag an den sächsischen Hofmaler dar, der von einem anderen Fürstenhaus erging.

Nach den Evangelien des Markus (16, 1-6) und Lucas (24, 1-6) machten sich Maria Magdalena, Maria Kleophas und Maria Salome am frühen Sonntagmorgen, drei Tage nach der Kreuzigung, mit Spezereien und Salben auf den Weg zum Grab Christi. Als sie dort ankamen, war das Grab jedoch leer, und sie erfuhren, daß Christus auferstanden sei.

[Cat. Kassel 1997, 54]

Seinem Stil nach steht das Kasseler Triptychon dem sog. Torgauer Fürstenaltar, (auch Altar der Heiligen Sippe oder Annenaltar) Frankfurt a.M., Städelsches Kunstinstitut; dat. 1509) nahe, der Friedländer/Rosenberg (1932) zufolge 1505 in Auftrag gegeben wurde. Beide Altäre kennzeichnet ein übersichtlicher, einfacher Aufbau, der sich zwar an der Mittelachse orientiert, offenkundige Symmetrien aber vermeidet. Wie die Figur Christi gegenüber den Hll. Barbara und Katharina leicht nach hinten in den Raum hinein versetzt ist, so die Gruppe mit Maria und Anna gegenüber Maria Kleophas und Maria Salome auf den Seitenflügeln. Auch die räumliche Rhythmisierung der Mitteltafel mit ihrer Öffnung in Richtung des Hintergrundes - auf die Landschaft in Kassel, bzw. auf die Rückwand des Gemachs in Frankfurt - lässt sich vergleichen. Der links im Vordergrund schlafende Wächter, der den Kopf in die Hand stützt, kommt in seiner Haltung dem ebenfalls links der Mittelgruppe schlafenden Joseph nahe. Außerdem ähnelt die Landschaft des Auferstehungsaltars mit ihren wehenden Wolkenfetzen, kahl in den Himmel hineingreifenden Ästen dem Landschaftsausblick auf dem rechten Flügel des Annenaltars.

Die ausgewogene Bildordnung des Auferstehungsaltars verrät Berührungen mit der italienischen Renaissance, die Cranach indirekt durch die niederländische Malerei (Quentin Massys) vermittelt wurde. Darüber hinaus nahm er sich für die Figur des Auferstandenen einen Kupferstich Jacopo de Barbaris zum Vorbild. Das Motiv des geschlossenen Felsengrabes kommt dagegen in der niederländischen Malerei vor, z. B. bereits bei Gerard David. Der Auferstehungsaltar gilt als Werk Lucas Cranach des Älteren. Allerdings resummierten Friedländer/Rosenberg (1932): "Das steife Gefält im Mantel Christi, die schwachen Hände u. a. lassen Zweifel an der Eigenhändigkeit aufkommen". Doch schrieben sie den Altar seiner frühen Entstehung wegen weder der Werkstatt zu, noch erwogen sie deren Mitarbeit. Nach urkundlichen Belegen beschäftigte Cranach Lehrjungen aber schon ab 1507. Die Mitwirkung eines Gehilfen am Kasseler Hausaltar ist daher keineswegs von vorneherein auszuschließen. Einerseits zeigt das Mittelbild in der Infrarot-Reflektographie eine Unterzeichnung, die sich durch ihren lebhaften, teils strichelnden, teils kurvigen Duktus durchaus als eigenhändig zu erkennen gibt und z. B. der Unterzeichnung der Verspottung Christi (Kunstsammlungen zu Weimar, um 1515/20) sehr nahekommt. Glaser hob am Auferstandenen den Nachklang leonardesker Formgebung hervor. Die zum Segensgestus erhobene Hand ist treffsicher umrissen, die Modellierung des Oberkörpers von besonderer Feinheit. Auch zeichnet sich die Landschaft in ihrem oberen Teil durch malerischen Nuancenreichtum und eine subtile Wiedergabe von Licht und Bewegung aus. Andererseits bestätigen Vergleiche mit dem sog. Torgauer Fürstenaltar aber auch die von Friedländer/Rosenberg beobachteten Schwächen. Den Händen der Hl. Barbara, des vorn links lagernden Wächters oder der linken Hand Christi fehlt es an Artikulation. Sie bleiben steif und flach mit Fingern, die sich lediglich parallel biegen, anstatt zu greifen. Demgegenüber ist gerade beim sog. Torgauer Fürstenaltar auf Handhaltungen und Form der Finger durchweg große Sorgfalt verwandt. Dem Faltenwurf vom Kleid der Hl. Barbara mangelt es im Vergleich zur Schaube des Hl. Alphäus auf dem linken Seitenflügel des Annenaltars sowohl an räumlicher Entfaltung wie an schwungvoll übergreifenden Linien. Bei solchen Details ist daher die Mitarbeit eines Gehilfen denkbar. Dies um so mehr, wenn das Triptychon um das Jahr 1509 fertiggestellt wurde. Gerade 1509 summierten sich die Arbeiten in der Cranach-Werkstatt. Außer dem umfangreichen Fürstenaltar entstanden Venus und Amor (Leningrad, Staatliche Eremitage), die Bildnisse von Dr. Christoph Scheurl (Privatbesitz) und Georg Spalatin (1933, Berlin, Smlg. Baronin v. Lipperheide). Dazu bringt das Jahr 1509 mit einer Fülle von großen Holzschnitten, darunter drei Darstellungen figurenreicher Turniere, vierzehn Blättern zur Passion Christi, und Holzschnittlllustrationen zum Wittenberger Heiligtumsbuch einen arbeitsreichen Höhepunkt in Cranachs graphischem Schaffen. Dennoch überwiegt beim Kasseler Auferstehungsaltar die eigenhändige Ausführung in ihrer charakteristischen Qualität.

[Cat. Kassel 1997, 56-58]

"Die Figur Christi belegt in ihrer Gestaltung die Auseinandersetzung mit Werken von Jacopo de' Barbari, der von 1503 bis 1505 Cranachs Vorgänger im Amt als Hofmaler in Wittenberg war, insbesondere der um 1503/1504 entstandene Kupferstich mit dem auferstandenen Christus ist hier zu nennen. [1] Im Unterschied zu de' Barbari wirkt die Figur etwas gedrungener und die Triumphfahne wird näher an den Körper geführt. Wie die Infrarotreflektografie belegt, orientierte sich Cranach in Aussehen und Position des Stabes zunächst mehr an de' Barbari. Später entschied er sich, den gläsernen stab mit Ringwulsten zu versehen und dichter an Christus heranzuführen. Eine Zwischenstufe mag in der Zeichnung in Erlangen überliefert sein, die im Kontext des Wittenberger Heiltumsbuches für Friedrich den Weisen von Sachsen entstanden. [2]

Diese Beobachtungen zeigen, wie eng Cranachs Klappaltar für Kassel mit seinem Wirken für Friedrich den Weisen von Sachsen in Wittenberg zusammenhängt, so dass zu fragen ist, ob es sich bei dem Werk nicht um ein Geschenk des Kurfürsten an den mit ihm befreundeten, schwer erkrankten Landgrafen Wilhelm II. handeln könnte, das Trost und Auferstehungsgewissheit spenden sollte. [3] Denkbar wäre zwar auch ein Geschenk des Wittenberger Hofes an Wilhelms Witwe Anna von Mecklenburg. Bedenkt man jedoch die Auseinandersetzungen unmittelbar nach dem Tod Wilhelms um die Frage der Vormundschaft über den erst 5-jährigen Philipp zwischen Friedrich dem Weisen von Sachsen und Landgräfin Anna, so scheint dies nicht sehr wahrscheinlich. Ebenso wenig möchte man an einen Auftrag des hessischen Hofes denken, da Wilhelm seit Ausbruch der Krankheit in weitgehender Isolation lebte. [4] Zudem ist das hessische Wappen spiegelverkehrt dargestellt. Dies könnte zwar auch der symmetrischen Anordnung geschuldet sein, jedoch ist das mecklenburgische Wappen seitenrichtig dargestellt. Die Schwierigkeit der korrekten Wiedergabe zeigt sich auch bei dem Wappen Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen aus der Zeit um 1546, das im Kontext des Schmalkaldischen Krieges entstand und wohl von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen von Sachsen beauftragt worden war (Kat. Nr. 109).

[1] Kupferstich, 182 x 91 mm, Albertina Museum Wien, Inv. Nr. DG1952/434, Ausst. Kat. Coburg 2010, Nr. 1.2.12

[2] Lucas Cranach d. Ä., Monstranz mit Christus mit der Kreuzesfahne, nach 1505, schwärzlich braune Tinte, stellenweise laviert, 303 x 143 mm, Erlangen, Grafische Sammlung der Universität, Inv. Nr. B.1319. Ausst. Kat. Coburg 2010, Nr. 1.2.12

[3] Wie vertraut beide miteinander waren, zeigt etwa ein mit pikantem Humor geschriebener Brief Friedrichs an Wilhelm im Jahre 1508. Ludolphy 2006, 37

[4] Glagau 1899, 7-9

[Lange, Exhib. Cat. Gotha, Kassel 2015, 98, 99, No. 3]

  • Kleines Flügelretabel mit der Auferstehung Christi: hl. Barbara [linker Flügel, Innenseite], um 1508 - 1509

Abbildungen

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Kunsttechnologische Untersuchung

1997Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Infrarot-Reflektografie

Bildträger

Vermutlich ein Brett, senkrechte Holzmaserung

Unterzeichnung

Auf den Seitenflügeln wurde keine Unterzeichnung sichtbar.

Farbschichten und Metallauflagen

Vorderseite: Die Strahlenkränze Christi und der Heiligen sind in Blattgold matt ausgeführt, wobei die Konturen der Strahlen mit schwarzer Farbe herausgearbeitet wurden. Auch beim Kelch der Hl. Barbara und bei den Kleidern der Heiligen wurde Blattgold matt verwendet. Hierauf wurde bei den Kleidern die Musterung gemalt.

Rahmung

- Rahmung original, vermutlich im 19. Jh. neu gefasst

- 1971 bis auf die inneren Profile nach Befund schwarz überstrichen

[Cat. Kassel 1997, 53-54]

[Letter F. Lahusen to D. Koepplin 19 July 1973]

  • untersucht von Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel

Erhaltungszustand

Datum1997

Die Schatten der roten Gewandpartien auf Mittel- und Seitentafeln sind durch Ausbleichen der Farbschicht und Bindemittelkrepierungen heller geworden als sie im Originalzustand waren. Haare Christi leicht berieben. Sonst Erhaltungszustand der Mitteltafel wie der Seitentafeln sehr gut.

Rückseite: Beide Rückseiten sind bis auf geringfügige Retuschen bzw. Übermalungen sehr gut erhalten.

[Cat. Cassel 1997, 53-54]

Restaurierungsgeschichte

Datum1971

Rahmen: Original, stark überarbeitet im 19. Jahrhunderts; die Scharniere ist original

1971Restaurierung des Rahmens (vgl. Brief F. Lahusen an D. Koepplin vom 19. Juli 1973)

die Scharniere wurde an die ursprunglichen Stellen gebracht

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

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