Entwurf für ein Altarretabel mit der Darstellung der Beweinung Christi auf der Mitteltafel und beweglichen Flügeln

Entwurf für ein Altarretabel mit der Darstellung der Beweinung Christi auf der Mitteltafel und beweglichen Flügeln

Zeichnung auf Vergé-Papier

Material / Technik

Zeichnung auf Vergé-Papier
aus sechs Teilen; Mitteltafel (mittleres Papierstück): Feder in Braun, braungrau und grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Spuren einer Zeichnung mit schwarzem Stift, Zierleiste der Einrahmung mit Feder in Braun, braungrau laviert, gelblich aquarelliert, an allen vier Ecken konstruierende Einstichlöcher
Leere Seitentafeln und untere Gesprengezone (mittleres Papierteil): Feder in Braun, braungrau laviert, gelblich aquarelliert, konstruierende Einstichlöcher
Gesprenge (oberes Papierstück): Feder in Braun, grau laviert, über Zeichnung mit schwarzem Stift
Predella (unteres Papierstück): Feder in Grauschwarz, grau laviert, gelblich aquarelliert, über Spuren einer Zeichnung mit schwarzem Stift, konstruierende Einstichlöcher
Seitenflügel links a, recto (Marcus): Feder in Braun, grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Zeichnung mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Braun und Grauschwarz, grau laviert, gelblich aquarelliert;
Verso (Titus): Feder in Braun, grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Zeichnung mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Grauschwarz, gelblich aquarelliert, konstruierende Einstichlöcher
Seitenflügel links b, recto (Petrus): Feder in Braun, grau laviert, Feder in Schwarz, über Zeichnung mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Grauschwarz, grau laviert, gelblich aquarelliert, konstruierende Einstichlöcher;
Verso (Andreas): Feder in Braun, grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Zeichnungen mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Grauschwarz, grau laviert, gelblich aquarelliert, Weißkorrektur mit Deckweiß im oberen Rahmenschenkel
Seitenflügel rechts a, recto (Barnabas): Feder in Braun, grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Zeichnung mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Braun und Grauschwarz, grau laviert, gelblich aquarelliert;
Verso (Timotheus): Feder in Braun, grau laviert, Pinsel in Schwarz, über Zeichnung mit schwarzem Stift, Rahmung mit Feder in Grauschwarz, gelblich aquarelliert, konstruierende Einstichlöcher
Seitenflügel rechts b fehlt

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Lucas Cranach fertigte mit dieser mehrteiligen Zeichnung ein Modell für ein Altarretabel mit beweglichen Flügeln für den Auftraggeber Kardinal Albrecht von Brandenburg an. Dieser hatte als Teil der Umgestaltung der zukünftigen Stiftskirche in Halle ein umfangreiches Bildprogramm aus Einzeltafeln und Flügelaltären bei Cranach d. Ä. bestellt. Das Retabel folgt dem

Lucas Cranach fertigte mit dieser mehrteiligen Zeichnung ein Modell für ein Altarretabel mit beweglichen Flügeln für den Auftraggeber Kardinal Albrecht von Brandenburg an. Dieser hatte als Teil der Umgestaltung der zukünftigen Stiftskirche in Halle ein umfangreiches Bildprogramm aus Einzeltafeln und Flügelaltären bei Cranach d. Ä. bestellt. Das Retabel folgt dem Schema eines Flügelaltars des Mittelalters: In der Mitte befindet sich die Darstellung einer Szene aus der Passion, seitlich Heilige, die im geschlossenen Zustand zu sehen waren; die Mitteltafel sowie die Innenseiten der Flügel wurden dagegen nur zu den hohen Festtagen geöffnet und gezeigt. In den Zeichnungen wurden die Namen der Heiligen zu den jeweiligen Figuren hinzugefügt. Die gemalte Fassung der Mitteltafel mit der Beweinung ist in München erhalten (Alte Pinakothek, Inv. 5362), die Seitenflügel wie auch die Predella müssen als verloren gelten.

Mit Feder vermutlich über einer in Kohle ausgeführten Vorbereitung und mit Lavierungen ausgestaltet, handelt es sich vermutlich um Präsentationszeichnungen, die dem Auftraggeber vorgestellt werden konnten. Bemerkenswert sind Einstichstellen an den Ecken der Zeichnungen. Sie wurden zur Konstruktion der Bildfelder verwendet und finden sich auch an den Modellen zu anderen Hallenser Altären aus diesem Grossauftrag (vgl. CDA IDs: Weimar, DE_KSW_KK97; Paris, F_MdLP_18863; Leipzig, DE_MdbKL_NI13 und DE_MdbKL_NI14). Cranach hatte die Bildfelder im Massstab 1:10 anfertigen lassen, sodass sie, einzeln ausgestaltet, wiederum untereinander austauschbar waren (Kat. Erlangen 2018, S. XV). Auf diese Weise konnten auf Basis der Visierungen noch Umstellungen der Tafeln vorgeplant werden.

Da das Berliner Modell die Schlussfassung der Planung für ein Altarretabel abbildet, verdient der Umstand, dass die Arbeit sich aus mehreren Papierstücken zusammensetzt, besondere Aufmerksamkeit. So ist auf dem oben angestückten Streifen ausschließlich das Gesprenge entworfen, während auf dem unten angesetzten Stück die Predella gezeichnet wurde. Dadurch werden parallele Arbeitsprozesse vorstellbar. Zudem stellt sich die Frage, ob die Schnitzarbeit des Gesprenges gar ausserhalb der Cranach-Werkstatt entworfen wurde und im Verlaufe der Planung angefügt wurde. Vor dem Hintergrund, dass der Hallenser Großauftrag von Albrecht von Brandenburg innerhalb kurzer Zeit und neben dem weiterlaufenden regulären Werkstattbetrieb ausgeführt werden musste, ist es wahrscheinlich, dass verschiedene Hände an unterschiedlichen Teilen des Modells beteiligt waren. Da die Predella wie auch die Rahmungen der Flügel Anteile von Feder in Grauschwarz aufweisen und nicht ganz so souverän wie die Bildtafelentwürfe ausgeführt sind, werden diese Teile des Modells auf die Werkstatt zurückzuführen sein, während die Zeichnungen für das eigentliche Bildprogramm von Cranach d. Ä. stammen dürften. Diese Unterscheidung in der Zuschreibung korrespondiert auch mit den Werkstattrepliken zum Hallenser Auftrag, die sich in der Erlanger Universitätsbibliothek erhalten haben (vgl. Kat. Erlangen 2018, Kat.-Nrn. 20-28, CDA IDs: DE_UBERL_B1274 und Z_DE_UBERL_B1279-B1282). Auch hier wurde mit Feder in Grauschwarz gezeichnet. Andere Blätter, die Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben werden, sind oft mit Feder in Braun ausgeführt worden (vgl. bspw. Berlin, CDA ID: DE_SMBKSK_KdZ5016 und Dresden, CDA ID: DE_SKD_C2159).

Alle Teile des Modells wurden sichtlich aus demselben Papierbestand gefertigt. Im Mittelblatt befindet sich ein Ochsenkopf-Wasserzeichen, das identisch in Fragmenten in zwei der drei kleineren Seitenflügel (a und b) enthalten ist. Alle sechs Papierstücke weisen darüber hinaus eine vergleichbare Papierqualität mit nahezu übereinstimmenden Rippliniendichten und Kettlinienintervallen auf. Ein identisches Wasserzeichen kommt in einem Schriftstück vor, das 1509 in Coburg verfasst wurde (Referenznummer: DE1635-PO-66144). Unter Berücksichtigung der Nutzungsdauer eines Schöpfsiebs, einer zeitlichen Differenz zwischen Papierherstellung und tatsächlicher Verwendung sowie möglichen Lagerzeiten ergibt sich ein papierhistorisch wahrscheinlicher Zeitraum für die Datierung zwischen 1505 und 1513 (vgl. zur Berechnung Bannasch 1990, S. 72 und 77). Eine spätere Verwendung ist dennoch anzunehmen, denn die Datierung der Entwürfe für den Hallenser Großauftrag sind historisch begründet: am 1. August 1518 wurde Albrecht zum Kardinal ernannt und entschied wohl kurz danach, die Kirche des Dominikanerklosters zum Heiligen Kreuz zu einem neuen Stift umzuwandeln. Offiziell gegründet wurde dieses am 28. Juni 1520, die Weihung erfolgte am 23. August 1523. Da die ursprüngliche Klosterkirche das umfangreiche Bildprogramm nicht hätte beherbergen können, ist ein Zusammenhang mit der Planung für das neue Stift sehr wahrscheinlich. Ein Inventar von 1525, in dem auch das im Berliner Modell vorgestellte Altarretabel aufgelistet ist (Redlich 1900, Beilage 17, S. 54*), legt dieses Jahr als terminus ante quem fest. Eingedenk dessen, dass das Modell zur Entwicklung des finalen Retabels diente, ist die Arbeit daran um 1520, spätestens aber 1525 zu datieren, als die Tafeln schließlich ausgeführt, montiert und aufgestellt waren (Tacke 1992, S. 16-18 und 73). Dass der anhand datierter Wasserzeichenbelege rekonstruierte Verwendungszeitraum von Papieren mitunter überschritten wurde, kann mit längeren Lagerzeiten erklärt werden (Tschudin 2002, S. 32 und 44). Offenbar folgte der Papierverbrauch in Künstlerwerkstätten nicht demselben Schema, wie in Schreibstuben und Druckereien, deren datierte und lokalisierbare Erzeugnisse die primäre Quellenbasis für die Wasserzeichenforschung bilden.

[Georg Josef Dietz, Tabea Harney, Gunnar Heydenreich, Mailena Mallach und Rahel Müller, im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]

Zuschreibungen
Lucas Cranach der Ältere
Werkstatt Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibungen

Lucas Cranach der Ältere

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]; [Dietz, Messling 2017, 70]; [Hofbauer 2010, 178, no. 56]; [Exhib. Cat. Berlin 1973, 40, no. 38]; [Rosenberg 1960, 21, no. 31]; [Girshausen 1936, no. 35]; [Bock, Cat. Berlin 1921, 19, no. 387]

Werkstatt Lucas Cranach der Ältere

["Predella", Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Datierung
um 1520
nach 1515 - vor 1520

Datierung

um 1520

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]; [Exhib. Cat. Berlin 2009 A, 220, no. IV.25]; [Heydenreich 2007 A, 38]; [Exhib. Cat. Berlin 1973, 38, no. 36]

um 1518 - 1520

[Rosenberg 1960, 21, no. 31]

nach 1515 - vor 1520

[Girshausen 1936, 34]

1520 - 1525

[Dietz, Messling 2017, 70]

Maße
Blatt: 398 x 247 mm (Gesamtmaß der an den Rändern überlappend miteinander verklebten drei Blätter des oberen, mittleren und unteren Teils); 88 x 247 mm (unteres Blatt); 201 x 247 mm (mittleres Blatt); 108 x 246 mm (oberes Blatt); 155 x 57 mm (Seitenflügel a); 158 x 57 mm (Seitenflügel b); 157 x 5,7 cm (Seitenflügel c)

Maße

  • Blatt: 398 x 247 mm (Gesamtmaß der an den Rändern überlappend miteinander verklebten drei Blätter des oberen, mittleren und unteren Teils); 88 x 247 mm (unteres Blatt); 201 x 247 mm (mittleres Blatt); 108 x 246 mm (oberes Blatt); 155 x 57 mm (Seitenflügel a); 158 x 57 mm (Seitenflügel b); 157 x 5,7 cm (Seitenflügel c)

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Signatur / Datierung

Mittelteil, rechts unten, Feder in Braun (Mischtinte): Geflügelte Schlange, mit stehendem Flügel

Signatur / Datierung

  • Mittelteil, rechts unten, Feder in Braun (Mischtinte): Geflügelte Schlange, mit stehendem Flügel

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Inschriften

verschieden, Eisengallustinte: "C" (Feder in Graubraun), "titus" (Feder in Braun) oben links; "S marc" (Feder in Braun) oben links; …

Inschriften

Inschriften:

  • verschieden, Eisengallustinte: "C" (Feder in Graubraun), "titus" (Feder in Braun) oben links; "S marc" (Feder in Braun) oben links; "Barnabas" (Feder in Braun) oben rechts; "Timotheus" (Feder in Braun) oben rechts

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Beschriftungen

Auf der Predella, Feder in Braun (Eisengallustinte), bezeichnet von fremder Hand: "Lucas Cranah"
Verso M., Stempel in Braun: Kupferstichkabinett, …

Beschriftungen

spätere Beschriftungen, Stempel, Siegel:

  • Auf der Predella, Feder in Braun (Eisengallustinte), bezeichnet von fremder Hand: "Lucas Cranah"

  • Verso M., Stempel in Braun: Kupferstichkabinett, Berlin [Lugt 1609]

  • [Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Eigentümer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Besitzer
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Standort
Berlin
CDA ID
DE_SMBKSK_KdZ387
Permalink
https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ387/

Provenienz

Sammlung von Rumohr
[Cat. Berlin 1921, 19, no. 387]

Ausstellungen

Berlin 1937, Nr. 138
Berlin 1973, Nr. 36
Berlin/Basel 1994, Nr. 17.3
Halle 2006, Nr. 77
Berlin 2009, Nr. IV.25

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Dietz, Messling 2017 68, 70
Autor/inGeorg Josef Dietz, Guido Messling
TitelCranach der Ältere als Zeichner
Veröffentlichungin Gunnar Heydenreich, Daniel Görres, Beat Wismer, eds., Lucas Cranach der Ältere. Meister - Marke - Moderne. [Exhib. Cat. Düsseldorf 2017]
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung2017
Seiten66-71
Hofbauer 2010 178-181
Autor/inMichael Hofbauer
TitelCranach - die Zeichnungen
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung2010
Exhib. Cat. Berlin 2009 A 220, 221
Herausgeber/inStiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
TitelCranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern. Kirche, Hof und Stadtkultur
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung2009
Heydenreich 2007 A 38
Autor/inGunnar Heydenreich
TitelLucas Cranach the Elder
Ort der VeröffentlichungAmsterdam
Jahr der Veröffentlichung2007
Link https://lucascranach.org/application/files/6116/2097/3099/Heydenreich_2007_Lucas_Cranach_the_Elder.pdf
Exhib. Cat. Halle 2006
Herausgeber/inThomas Schauerte
TitelDer Kardinal Albrecht von Brandenburg. Renaissancefürst und Mäzen. Bd. 1: Katalog zur Ausstellung in Halle, Moritzburg
Band1
Ort der VeröffentlichungRegensburg
Jahr der Veröffentlichung2006
Exhib. Cat. Basel 1997
Herausgeber/inKupferstichkabinett, Basel, Gerhard Brunner, Kunstmuseum Basel
TitelDürer, Holbein, Grünewald. Meisterzeichnungen der deutschen Renaissance aus Berlin und Basel [Basel, Kunstmuseum, 14.05- 24.08.1997; Berlin, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, 05.06-23.08.1998]
Ort der VeröffentlichungBasel
Jahr der Veröffentlichung1997
Tacke 1992 257
Autor/inAndreas Tacke
TitelDer katholische Cranach. Zu zwei Großaufträgen von Lucas Cranach d. Ä., Simon Franck und der Cranach-Werkstatt (1520 - 1540)
ReiheBerliner Schriften zur Kunst
Band2
Ort der VeröffentlichungMainz
Jahr der Veröffentlichung1992
Exhib. Cat. Berlin 1973 38, 39
Autor/inWilhelm H. Köhler, Frank Steigerwald
TitelLucas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1973
Jahn, Bernhard 1972 60-69
Autor/inJohannes Jahn
Herausgeber/inMarianne Bernhard
TitelLucas Cranach der Ältere: 1472 - 1553. Das gesamte graphische Werk. Mit Exempeln aus dem graphischen Werk Lucas Cranach des Jüngeren und der Cranachwerkstatt
Ort der VeröffentlichungMunich
Jahr der Veröffentlichung1972
Rosenberg 1960 21
Autor/inJakob Rosenberg
TitelDie Zeichnungen Lucas Cranachs d.Ä.
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1960
Link https://doi.org/10.11588/diglit.42777
Exhib. Cat. Berlin 1937
Herausgeber/inStaatliche Museen, Berlin
TitelLucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J. Gemälde, Zeichnungen, Graphik
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1937
Girshausen 1936 34, 35, 68
Autor/inTheo Ludwig Girshausen
TitelDie Handzeichnungen Lukas Cranachs des Älteren
Ort der VeröffentlichungFrankfurt/Main
Jahr der Veröffentlichung1936
Link https://doi.org/10.11588/diglit.23708
Cat. Berlin 1921 19
Autor/inElfried Bock
TitelDie Zeichnungen alter Meister im Kupferstichkabinett. Die deutschen Meister. Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Zeichnungen, Staatliche Museen zu Berlin
Ort der VeröffentlichungBerlin
Jahr der Veröffentlichung1921
Link https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bock1921ga
Schuchardt 1851 C 26
Autor/inChristian Schuchardt
TitelLucas Cranach des Aeltern Leben und Werke. Zweiter Theil
Ort der VeröffentlichungLeipzig
Jahr der Veröffentlichung1851
Link http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schuchardt1851bd2
  • Entwurf für ein Altarretabel mit der Darstellung der Beweinung Christi auf der Mitteltafel und beweglichen Flügeln, um 1520

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Kunsttechnologische Untersuchung

2026Technologische Untersuchung

  • Wasserzeichen

Wasserzeichen: vorhanden

Wasserzeichen, Figur: M. l, M., Ochsenkopf mit einkonturiger Stange und Blume, darunter Dreieck mit Kreuzsprossen, Schrägen und Punkten; M. l. (in Seitenflügel a, links), Fragment, Ochsenkopf mit einkonturiger Stange und Blume; M.r. (in Seitenflügel b, links), Fragment, Ochsenkopf mit einkonturiger Stange und Blume

Wasserzeichen, Maß: 173 x 52 mm (mittleres Blatt)

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

https://www.wasserzeichen-online.de/?ref=DE1635-PO-66144

2026Technologische Untersuchung / Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Papieruntersuchung / Strukturanalyse

Bildträger

Papierstruktur: vergé

Kettlinien, Orientierung zur Darstellung: -waagerecht (alle Blätter),

Kettlinien, relative Intervalle: [.]-31-30-[.] mm (unteres Blatt); [.]-30-31-30-31-31-32-[.] mm (mittleres Blatt); [.]-32-31-[.] mm (oberes Blatt); nicht identifizierbar (Seitenflügel a und c); [.]-31-31-30-31-[.] mm (Seitenflügel b)

Ripplinien, relative Dichte: 11/10 mm (unteres, mittleres und oberes Blatt); nicht identifizierbar (Seitenflügel a und c); 10/10 mm (Seitenflügel b)

Faserverteilung: homogen

Anomalien im Papiervlies: Schäben, Knötchen, Wolkig (oben und unten Rand)

Siebseite: Oben: Siebseite; Mitte: Filzseite; Unten: Siebseite

Stegschatten: vorhanden

Anomalien im Siebbild: nicht vorhanden

[Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2026]

Prozess, Medium

Der mehrteilige Flügelaltarentwurf lässt sich materialtechnologisch grob in drei Gruppen trennen:

Die Mitteltafel (mittleres Papierstück) zeichnet sich durch eine im Vergleich mit den Seiten etwas warmtonigere Wirkung aus. Dies liegt wohl an der Lavierung des Himmels, die eventuell etwas Eisengallustinte enthält und daher nicht ganz so kühl erscheint, wie die Lavierungen der Seitenflügel. Insgesamt wurde für die lineare Zeichnung mit Feder in Braun offenbar Eisengallustinte verwendet, deren Eisenvitriol-Gehalt sich in der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA, M3) durch die Elemente Eisen (Fe) und Kupfer (Cu) auszeichnet und in der Infrarotreflektographie (IRR) verschwindet. Besonders anschaulich ist dies bei den Rahmungslinien und beim Dornenkranz vorne links, während die Flügelschlange, vorne rechts, offenbar zudem mit Pinsel in Grau (Rußtusche) ausgeführt wurde und daher sichtbar bleibt. Gut erkennbar ist in der IRR auch eine vorbereitende Zeichnung mit schwarzem Stift (wohl Zeichenkohle), die die Leiter noch an die linke Kreuzesseite lehnt. Ebenso zeigt die dichte Beweinungsgruppe Spuren einer Stiftvorbereitung. Die Lavierungen erweisen sich in der IRR als stark kohlenstoffhaltig (Hinweis auf Rußtusche). Eine RFA-Analyse, die Vitriol aufdecken könnte, wurde hier nicht vorgenommen. Offensichtlich ist eine Endredaktion der Zeichnung mit Pinsel in Schwarz für die tiefsten Schatten, etwa im Gewand des knieenden Johannes ganz links oder zur Anbringung der Rindenstruktur am Kreuzstamm rechts. Bemerkenswert ist die zart gelbliche Aquarellierung der Einrahmungen und des Gesprenges. Zahlreiche Einstichlöcher, etwa in allen vier Rahmungsecken sind einer konstruierenden Vorbereitung zuzuordnen.

Die Klappflügel verhalten sich bis auf die lineare Rahmung, die jener der Predella auf dem unteren Papierstück entspricht (siehe unten) ganz gleichartig. Die teils sehr dunkelbraune Federzeichnung (für Zeichnung und Schrift) wird im IRR transparent und ergibt sich so als Eisengallustinte zu erkennen. Es erscheinen vorbereitende Zeichnungen mit schwarzem Stift (wohl Kohle) und die stark kohlenstoffhaltigen Lavierungen bleiben deutlich stehen. Auf den Flügeln mit Innenraumdarstellung wird eine konstruierende Vorbereitung, eingeritzte Zirkelschläge, sowie Einstichlöcher in den Rahmungsecken deutlich. Auch auf den Flügeln findet sich eine Endredaktion mit Pinsel in tiefem Schwarz – sehr auffällig in der Architektur, aber auch den Gewandtiefen.

Die gelegentlich erörterte Frage, ob möglicherweise die flächige Lavierung vor der linearen Zeichnung vorgenommen wurde, beantwortet hier ein Blick auf den Flügel mit Darstellung des Apostels Petrus. Die lineare Zeichnung mit Eisengallustinte wurde durch den Auftrag der Lavierung sichtlich verwischt, so dass die Linienzeichnung vor der Lavierung geschaffen sein muss.

Für das Gesprenge auf dem Mittelblatt sowie dem oben angesetzten Papierstück liegt für die lineare Federzeichnung in Braun je eine RFA-Messung vor (M4 Mittelblatt, M6 oberes Papierstück), die durch die Elemente Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Zink (Zn) und ihr Verschwinden im IRR auf Eisengallustinte hinweisen. Die graue Lavierung im Gesprenge auf dem oberen Blatt, die in ihrem kühlen Farbton den Lavierungen der Klapptafeln entspricht, enthält leicht abweichend Eisen (Fe) und Kupfer (Cu), kein Zink (M5). Möglicherweise ein Hinweis auf Vitriol in der Rußtusche oder einen unreinen Pinsel?

Abweichend verhält sich das untere Papierstück mit der Predella sowie die linearen Rahmungen der auf dem mittleren Papierstück befestigten der Klappflügel. Hier wurde nach Auswertung der Infrarotaufnahmen (IRR) eine stark kohlenstoffhaltige Zeichenflüssigkeit für die Federzeichnung verwendet, die komplett sichtbar bleibt. Für die Predella ist mittels RFA (M1) durch die Elemente Eisen (Fe), Kupfer (Cu) und Zink (Zn) zudem ein Vitriol-Gehalt nachgewiesen, so dass es sich entweder um eine Eisengallustinte mit Kohlenstoff- bzw. Ruß-Zusatz oder um eine Rußtusche handelt mit Eisenvitriol-Zugabe, handelt. Die Lavierungen erscheinen in Rußtusche. Der Schriftzug „Lucas Cranach" verschwindet im IRR und wurde mit reiner Eisengallus-Schreibtinte hinzugefügt.

Die Papiere (RFA, M2(unteres Blatt), M7(oberes Blatt), mittleres Blatt nicht gemessen) enthalten Calcium (Ca) und Eisen (Fe) und möglicherweise auch etwas Kupfer (Cu)?

[Georg Josef Dietz unter Einbeziehung der Infrarotreflektographie und Analyseauswertung von Gunnar Heydenreich und Sarah Critchley sowie der gemeinsamen Untersuchung mit Mailena Mallach, Luise Maul und Dominika Ropers (geb. Wojciechowska), März 2026]

25.07.2025Naturwissenschaftliche Materialanalyse

  • Instrumentelle Materialanalyse

Mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (Thermo Scientific - Niton XL3t GOLDD+) konnten folgende Elemente nachgewiesen und in Verbindung mit den optischen Merkmalen Signale für folgende Füllstoffe, Zeichenmedien und Farbmaterialien ermittelt werden:

M1 Schwarz (Zeichenmedium):

Ca, Fe, (Cu), (Zn)

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?); Fe/Cu/Zn: Eisengallustinte

M2 Papier:

Ca, Fe, (Cu)?

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid

M3 Schwarz/Braun (Zeichenmedium):

Ca, Fe, (Cu)?

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?); Fe/Cu: Eisengallustinte (?)

M4 Schwarz (Zeichenmedium):

Ca, Fe, (Cu), (Zn)

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?); Fe/Cu/ Zn: Eisengallustinte

M5 Schwarz (Lavierung):

Ca, Fe, (Cu)?

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?); Fe/Cu: Eisengallustinte (?)

M6 Schwarz/ Braun (Zeichenmedium):

Ca, Fe, (Cu), (Zn)

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid (?); Fe/Cu/Zn: Eisengallustinte

M 7 Papier:

Ca, Fe, (Cu)?

Ca: Kreide / Gips (?); Fe: Eisenoxid

[Gunnar Heydenreich, Sarah Critchley, unveröffentlichter Untersuchungsbericht, 25.07.2025]

  • untersucht von Gunnar Heydenreich
  • untersucht von Sarah Critchley

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

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<Autorenname>, 'Entwurf für ein Altarretabel mit der Darstellung der Beweinung Christi auf der Mitteltafel und beweglichen Flügeln', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ387/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
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'Entwurf für ein Altarretabel mit der Darstellung der Beweinung Christi auf der Mitteltafel und beweglichen Flügeln', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/DE_SMBKSK_KdZ387/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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