Martin Luther als Halbfigur nach rechts

Martin Luther als Halbfigur nach rechts

Titel

Martin Luther als Halbfigur nach rechts

[KKL 2022]

Malerei auf Buchenholz (Fagus sp.)

Material / Technik

Malerei auf Buchenholz (Fagus sp.)

[Klein, Bericht, 22.06.2020]

Innerhalb der Bildnisgruppe III, für welche die Hochzeit Luthers und Katharina von Boras am 13. Juni 1525 den Anlass bildete, zählt das vorliegende Porträt zusammen mit den Rundbildnissen (III.M1–III.M6) zu den frühesten datierten Exemplaren, unterscheidet sich von den Tondi aber durch das erheblich größere Format.

Das auf 1525 datierte

Innerhalb der Bildnisgruppe III, für welche die Hochzeit Luthers und Katharina von Boras am 13. Juni 1525 den Anlass bildete, zählt das vorliegende Porträt zusammen mit den Rundbildnissen (III.M1–III.M6) zu den frühesten datierten Exemplaren, unterscheidet sich von den Tondi aber durch das erheblich größere Format.

Das auf 1525 datierte Porträt bildet den Auftakt zu einer Reihe von Bildnissen gleichen Formats, die wie die früheren „Junker Jörg“-Bildnisse auf grünem Grund ausgeführt sind.[2] Weitere Exemplare befinden sich in Stockholm SE_NMS_5016 (III.M8a) sowie in Privatbesitz (PRIVATE_NONE-P015 (III.M9a), PRIVATE_NONE-P407 (III.M10)) und sind auf 1526 datiert.[3] Zwei davon (III.M8a und III.M9a) sind als Doppelbildnisse mit einem von Bora-Pendant erhalten.[4] Daher ist zu vermuten, dass auch zum vorliegenden Bildnis ursprünglich ein Gegenstück existierte.[5] Im Unterschied zu den kleinen Ehediptychen (III.M11–III.M19) erlaubte das deutlich größere Format eine wesentlich differenziertere Ausarbeitung der Physiognomie Luthers.

Das Bristoler Bildnis wurde auf einem hochrechteckigen, astfreien Buchenholzbrett mit vertikaler Faserrichtung gemalt. Nach der dendrochronologischen Untersuchung stammt der jüngste Jahrring der Tafel aus dem Jahr 1523.[6] Bei einer Nutzung des gesamten Stammquerschnitts und einer Mindestlagerzeit des Holzes von zwei Jahren könnte das Gemälde ab 1525 entstanden sein.[7]

Mit einer Differenz von zwei Jahren zwischen dem jüngsten nachgewiesenen Jahrring und der Datierung der Tafel entspricht das Bristoler Bildnis An den Rändern der Tafel ist rückseitig umlaufend ein Falz erhalten, der auf die ursprüngliche Einpassung in einen Nutrahmen hindeutet. Damit zeigen sich Parallelen zu den beiden früher entstandenen „Junker Jörg“-Bildnissen II.M1 und II.M2, die ebenfalls umlaufend gefalzt sind. Beim 1526 datierten Stockholmer Exemplar ist die Tafel nicht gefalzt, vielmehr ist die Rückseite an den Rändern leicht abgefasst und zeigt damit eine Tafelbearbeitung, die sich bei den auf ab 1528 datierten im Format ähnlichen Ehebildnissen durchsetzte.[8]

Die Gesichtskonturen der vier Exemplare des vorliegenden Bildnistyps gleichen sich in der absoluten Größe bis auf geringste Abweichungen. Die im Vergleich mit den drei anderen Exemplaren schmaler wirkende Anlage des Kopfes ist auf den Verlust der ehemals dünn auf dem Hintergrund aufliegenden Haarlocken zurückzuführen.[9] Auffällig ist allerdings, dass nur beim Bristoler Exemplar keine Unterzeichnung nachweisbar ist.[10] Projiziert man die Umzeichnung des Kopfes auf die entsprechend skalierten, deutlich kleineren Rundbildnisse sowie die kleineren Varianten der Bildnisgruppe (III.M15–III.M19*), ergibt sich eine hohe Übereinstimmung bei den Gesichtskonturen (vgl. die Einleitung zu Bildnisgruppe III). Dies legt nahe, dass es eine Porträtstudie gab, nach der zeichnerische Vorlagen in unterschiedlichen Größen zur Vorbereitung der Gemälde gefertigt wurden.[11]

Die Provenienz des Bildnisses lässt sich nicht weiter als bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Es entstammt der Sammlung des 1897 verstorbenen Henry Pelham-Clinton, dem sechsten Duke of Newcastle, wurde von dessen Erben veräußert[12] und von A. H. Buttery erworben, der das Gemälde noch im selben Jahr F. P. M. Schiller verkaufte. Aus dem Erbe Schillers kam das Gemälde 1946 an das städtische Museum Bristol.

Daniel Görres, Wibke Ottweiler


[1] Vgl. Klein 22.06.2020.

[2] Nachweisbar bei III.M.7, III.M.8 und III.M9. Von III.M10 liegt nur eine Schwarzweißaufnahme vor, anhand derer die Farbigkeit des Hintergrundes nicht zweifelsfrei bestimmt werden kann.

[3] Laut Dokumentation des Museums wurde bei einer Restaurierung 1939 die originale Jahreszahl freigelegt. Die ehemalige Übermalung zeigte die Jahreszahl „1526“.

[4] Nicht zu dieser Gruppe gehören die Tafeln aus Bundesbesitz im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, bei denen es sich um spätere Kopien handelt (siehe Anhang des KKL).

[5] Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch einzelne Bildnisse Luthers dieser Gruppe die Cranach-Werkstatt verlassen haben, so ist gerade bei den Werken, die im Jahr der Hochzeit oder dem Folgejahr auftreten, ein Pendant zu erwarten.

[6] Vgl. Klein 22.06.2020. Der jüngste nachweisbare Jahrring stammt aus dem Jahr 1523.

[7] Damit entspricht das Ergebnis den Befunden an weiteren Buchentafeln aus der Cranach-Werkstatt, wonach die bis 1525 entstandenen Gemälde eine Trocknungs- und Lagerdauer von 2–3 Jahren aufweisen. Der Durchschnitt aller dendrochronologisch ausgewerteten datierten Tafeln beträgt 4,5 Jahre. Vgl. dazu die Querauswertung der dendrochronologischen Befunde in Ottweiler, Wibke: Kunsttechnologische Beobachtungen an den frühen Luther-Gemälden aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. (in Vorbereitung).

[8] Aufgrund fehlenden Bildmaterials der Rückseiten der beiden Exemplare in Privatbesitz ist die Bildträgerbearbeitung dieser Werke nicht beurteilbar. Einzig die großformatigeren, aus mehreren Brettern bestehenden Bildnisse wurden auch nach 1528 gefalzt (nachgewiesen bei IV.M20a, IV.M20b, IV.M24a und IV.M24b).

[9] Solche „Verputzungen“ sind häufig auftretende Folgen von Reinigungsmaßnahmen oder Firnisabnahmen, insbesondere bei sehr dünnen, braunen Farbschichten und Lasuren.

[10] Beim Stockholmer Exemplar dagegen sind die ausführlich und sorgfältig auf den Malgrund übertragenen Gesichtskonturen im Infrarot, aber auch mit bloßem Auge deutlich sichtbar. Sollte das Bristoler Exemplar ebenfalls unterzeichnet sein, so muss dafür ein anderes, mittels Infrarotreflektografie nicht darstellbares Farbmittel verwendet worden sein.

[11] Auffällig ist, dass die großformatigen Exemplare eine geringere Übereinstimmung der Gesichtskonturen mit der kleinformatigen Untergruppe der mit z-förmiger „2“ datierten Werke zeigen.

[12] Vgl. Aukt-Kat. London 1939, Los 12.

Quellen / Publikationen:

Aukt.-Kat. London 1939, Los 12; Bristol 1957, S. 99; Levey / White 1961, S. 487; Koepplin / Falk 1974, S. 296; Wright 1976, S. 44; Ausst.-Kat. London 1977, Nr. 113; Ausst.-Kat. Frankfurt am Main 2007, Nr. 40; Ausst.-Kat. Tokyo 2016, Nr. 82.

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere

[City Museum & Art Gallery, Bristol, revised 2017] [cda 2022]

Datierung
1525

Datierung

1525

[datiert, KKL 2022]

Maße
Maße Bildträger: 40,5 x 27,4 x 1,0 cm (Tafelkanten auf 4,5 mm gefalzt)

Maße

  • Maße Bildträger: 40,5 x 27,4 x 1,0 cm (Tafelkanten auf 4,5 mm gefalzt)

  • [KKL 2022]

Signatur / Datierung
Schlangensignet mit aufgerichteten Flügeln und Jahreszahl „1525“ am rechten Bildrand in schwarzer Farbe

Signatur / Datierung

  • Schlangensignet mit aufgerichteten Flügeln und Jahreszahl „1525“ am rechten Bildrand in schwarzer Farbe

  • [KKL 2022]

Inschriften und Beschriftungen
Rückseite: oben mittig Papieretikett mit handschriftlicher Aufschrift "Martin Luther by Lucas Cranach" ergänzt um den Zusatz mit Bleistift "left piano"; …

Inschriften und Beschriftungen

Stempel, Siegel, Beschriftungen:

  • Rückseite: oben mittig Papieretikett mit handschriftlicher Aufschrift "Martin Luther by Lucas Cranach" ergänzt um den Zusatz mit Bleistift "left piano"; darunter Papieretikett mit Stempel "Midland Counties Art Museum. Nottingham Castle. Lent by [handschriftlich] "Duke of Newcastle" date [handschriftlich] 1819; darunter Papieretikett "Museum and Art Gallery Nottingham Castle" mit handschriftlicher Ergänzung " [?] Homebott"; oben rechts und mittig links handschriftlich in roter Farbe "Ki650"; unten rechts Rest eines roten Siegels (unkenntlich)
Eigentümer
City Museum & Art Gallery, Bristol
Besitzer
City Museum & Art Gallery, Bristol
Standort
Bristol
CDA ID
UK_BMAG_K1650
FR (1978) Nr.
FR-none
KKL-Nr.
III.M7, Teil der Bildnisgruppe III
Permalink
https://lucascranach.org/de/UK_BMAG_K1650/

Provenienz

  • vererbt vom Duke of Newcastle an den Earl of Lincoln
  • 1939 erworben von F. P. M. Schiller von H. A. Buttery, der es am 1. April des selben Jahres bei Christie's (Los 12) erstand
    [Ausst.-Kat. Frankfurt 2007, S. 192]

Ausstellungen

London 2008

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Exhib. Cat. Frankfurt 2007 192, 193 40 Pl. p. 193
Herausgeber/inBodo Brinkmann
TitelCranach der Ältere, [Frankfurt, Städel Museum, 23 Nov 2007 - 17 Feb 2008]
Ort der VeröffentlichungOstfildern
Jahr der Veröffentlichung2007
Hinz 1993 71 f.
Autor/inBerthold Hinz
TitelLucas Cranach d. Ä.
Ort der VeröffentlichungReinbek near Hamburg
Jahr der Veröffentlichung1993
Exhib. Cat. Basel 1974/1976 296 179, 180 (u.)
Autor/inDieter Koepplin, Tilman Falk
TitelLukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik
Band1, 2
Ort der VeröffentlichungBasel, Stuttgart
Jahr der Veröffentlichung1974
Link http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-diglit-104522
Levey, White 1961 487
Autor/inMichael Levey, Chistopher White
TitelThe German Exhibition at Manchester.
ZeitschriftBurlington Magazine
Jahrgang103, No. 705 (December 1961)
Jahr der Veröffentlichung1961

Forschungsgeschichte / Diskussion

Dieses präzise geschilderte Bildnis Luthers wurde 1525 gemalt, dem Jahr von Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora. Es gehört zu einer Reihe von Bildnissen der Jahre 1525 und 1526, die teilweise von einem Pendantbildnis Katharinas begleitet werden. Dies lässt vermuten, dass auch die vorliegende Tafel ein Gegenstück besaß. Luthers Ausdruck ist beherrscht und ruhig, was ihm Würde und der Legitimität seiner Ehe und seiner Position als Anführer der Reformation Nachdruck verleiht.

[City Museum & Art Gallery, Bristol, revised 2017]

  • Martin Luther als Halbfigur nach rechts, 1525

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Kunsttechnologische Untersuchung

2018 - 2021Technologische Untersuchung

  • Lichtmikroskopische Oberflächenuntersuchung
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Bildträger

Buche [1]. Ein hochrechteckiges, astfreies Brett [2] mit vertikalem Faserverlauf. Überwiegend stehende bis leicht schräge Jahrringe. Der jüngste nachweisbare Jahrring des Brettes stammt aus dem Jahr 1523. [3] Nach Klein nutzte man bei Buchenholz normalerweise den gesamten Querschnitt und entfernte nur die Rinde. Auf dieser Basis könnte das Gemälde bei einer Mindestlagerzeit von zwei Jahren ab 1525 entstanden sein.

Die (mittig) maximal 10 mm starke Tafel ist umlaufend auf 3 - 4,5 mm Kantenstärke gefalzt. [4] Die Rückseite weist im unteren Bereich Spuren von der Auftrennung des Holzes mit einem Spaltbeil auf und ist mit einem breiten Schropphobel in vertikalen bis leicht schräg verlaufenden Zügen vergleichsweise grob geglättet. Die vorderseitig konvexe Wölbung der Tafel ist mit dieser rückseitigen Glättung begradigt worden, das Brett muss also bereits gewölbt gewesen sein als die Rückseite bearbeitet wurde. [5] Die dunkle Rückseitenlasur könnte entstehungszeitlich sein. Auf der Tafelrückseite markieren sich zahlreiche Benutzungsspuren. Mehrere kleine Löcher und Kerben an den Tafelkanten dürften von der Befestigung in einem früheren Rahmen stammen. Die rückseitigen Papierbeklebungen, die 3 – 4 cm breit umlaufend bis zum Falz aufgebracht sind, sind nicht entstehungszeitlich und wurden mindestens zweimal erneuert. [6]

[1] Peter Klein, Bericht über die dendrochronologische Untersuchung der Gemäldetafel "Martin Luther" (Bristol), 22.06.2020, Analysis-report-Dendro, Objektakte, City Museum & Art Gallery, Bristol, Inv.Nr. K1650.

[2] Brettmaße: 40,4 - 40,5 x 27, 2 - 27,4 x 0,35 (Kantenstärke) - 1,0 cm (mittig).

[3] Wie Anm. 1.

[4] Die Fase weist eine Breite von 6 - 7,5 mm auf.

[5] Siehe Abb. UK_BMAG_K1650_FR-none_2019_bottom-edge.

[6] Die mittlere Lage ist am besten erhalten, sie ist mit englischen Lettern bedruckt.

Grundierung und Imprimitur

Weiße relativ dicke Grundierung, sorgfältig geglättet. Umlaufender, unregelmäßiger Grundiergrat etwa 5 mm innerhalb der Tafelränder. Die Grundierung ist in den Randbereichen teilweise verpresst und blasig. Vermutlich wurde die Tafel in einem Arbeitsrahmen vorgeleimt und grundiert, wobei Leim und Grundierung zwischen Tafel und Leisten des Arbeitsrahmens eingedrungen sein dürften. Bei der Entfernung des Arbeitsrahmens verblieben einzelne Holzspäne auf der Grundierungsmasse am Tafelrand. (Detail-010). Die Bemalung erfolgte erst danach, die Farbe liegt auf diesen Holzspänen.

Optisch, auch unter Vergrößerung, zeigen sich keine Hinweise auf eine Imprimitur. In der Röntgenfluoreszenz-Analyse nachgewiesene Bleianteile könnten auf bleihaltige Bestandteile in der Grundierung, ihrer Isolierung oder in Zwischenschichten zurückzuführen sein. [1]

[1] Vgl. dazu die Ergebnisse der Röntgenfluoreszenz-Analyse, Analysis-report-XRF.

Unterzeichnung

Eine Unterzeichnung ist weder mit bloßem Auge noch im Infrarotreflektogramm eindeutig nachweisbar.

Farbschichten und Metallauflagen

Die einzelnen Farbflächen sind mit geringer Überlappung nebeneinander gesetzt, wobei die Formen mit der jeweils angrenzenden Farbe partiell korrigiert und präzisiert werden.

Zuerst erfolgte die flächige Anlage der Grundflächen, in Schaube und Haar mit einem rötlichen Braunton, der mit breitem Pinsel streifig auf die Grundierung aufgetragen ist, im Inkarnat mit einem hellen warm-rosafarbigem Grundton. Darüber folgt die Modellierung durch unterschiedliche Ausmischung des Grundtones mit Weiß (Bleiweiß?), Rot (Zinnober?) und Blau (Azurit?) sowie dem Auftrag von Schattenlasuren in Grau und Braun. [1] Außen- wie Binnenkonturen sind halbdeckend mit Braun akzentuiert. Darauf folgt die Gestaltung von Augen und Mund sowie die abschließende Modellierung des Inkarnats. Die mittelbraunen Iriden sind auf dem Inkarnat-Grundton mit kurzen schwarzen, von der Außenkontur nach innen einlaufenden Strichen plastisch ausgearbeitet. Das Augenweiß ist mit wenig Rot und Schwarz in einem stumpfen Hellrosa ausgeführt. Wimpern, Augenbrauen und Bartstoppeln sind braunschwarz aufgesetzt. Die Lippen sind über einer halbdeckend grau-braunen Verschattung von Lippenspalt und Mundwinkeln in hellem Rot farbig gestaltet. Während für die Unterlippe ein heller Rosaton verwendet wurde, der sich kaum vom Inkarnatston abhebt, ist die Oberlippe etwas wärmer und kräftiger ausgemischt.

Auch das schwarze Gewand ist zunächst flächig halbdeckend braun unterlegt, bevor es mit Schwarz und Weiß nass in nass modelliert wurde. Nach der Ausführung des grünen Hintergrundes, der die Grundform des Mantels präzisiert und partiell korrigiert (linke Schulter, Abb. Detail-012), wurden die Konturen partiell mit Schwarz nachgezogen. Das leuchtend helle Grün besteht aus zwei unterschiedlichen grünen Kupferpigmenten, die mit Weiß (Bleiweiß?) ausgemischt sind. [2] Der einschichtige Auftrag erfolgte kreuz und quer, folgt in den Grenzbereichen aber der Formgebung der jeweils angrenzenden Farbflächen. Der markante Pinselduktus bindet die durchscheinende weiße Grundierung mit ein, wodurch ein lebendiger Charakter entsteht. [3] Anschließend erfolgte die Angabe von einzelnen Haarsträhnen in Dunkelbraun, Mittelbraun und Ocker.

Die Signatur ist in schwarzer Farbe über der rechten Schulter auf den Hintergrund gesetzt. Dabei wird der Schlangenkörper aus mehreren einzelnen Rundbögen gebildet. Offenbar besaß die hoch deckende Farbe schlechte Fließeigenschaften, so dass keine längeren geschwungenen Pinselstriche ausführbar waren. [4] Auch die Jahreszahl wirkt eher ungelenk, wofür ebenfalls die Farbbeschaffenheit ursächlich sein dürfte. Ein entscheidender Vorteil der schwarzen Farbe, die auch für Gewänder und Barett Verwendung fand, kann wohl in der extrem hohen Deckkraft gesehen werden, die auf das verwendete äußerst feine Schwarzpigment (Ruß?) zurückzuführen ist. [5]

[1] Vgl. dazu die Ergebnisse der Röntgenfluoreszenz-Analyse, UK_BMAG_K1650_FR-none_2019_analysis-report-XRF.

[2] Mikroskopisch lassen sich große Pigmentkörner mit blasser grasgrüner Farbigkeit und kleinere leuchtend blaugrüne Partikel unterscheiden. Diese finden sich auch in der Hintergrundfarbe des Bildnisses des Junker Jörg in Leipzig DE_MdbKL_946 (KKL II.M1), die jedoch zusätzlich mit Blei-Zinn-Gelb ausgemischt ist. Vgl. dazu die Ergebnisse der Röntgenfluoreszenz-Analyse, Analysis-report-XRF.

[3] Die auf der grünen Hintergrundfarbe aufliegenden gelblichen Reste eines Überzuges könnten von einer entstehungszeitlichen Lasur oder einem älteren Firnis stammen. Eine ockerfarbige Lasur ist bei der Stockholmer Version SE_NMS_5016 (KKL III.M8a) nachgewiesen und wird zudem bei dem Weimarer Junker-Jörg-Bildnis DE_KSW_G9 (KKL II.M2) vermutet.

[4] Dieses Phänomen ist an anderen in Schwarz ausgeführten Signaturen ebenfalls zu beobachten.

[5] Vgl. dazu die Ergebnisse der Röntgenfluoreszenz-Analyse, Analysis-report-XRF.

Rahmung

Neuer Rahmen.

[Untersuchungsbericht Wibke Ottweiler, KKL 2022]

Erhaltungszustand

Datum2018 - 2021

Die Tafel ist insgesamt gut erhalten. Vereinzelte Ausfluglöcher in der Rückseite verweisen auf einen geringen früheren Holzschädlingsbefall.

Auch die Malschicht weist einen relativ guten Erhaltungszustand auf und ist von einem gleichmäßigen feinen Alterssprungnetz durchzogen. Reste einer bereits entfernten, vollflächigen Übermalung des Hintergrundes sind besonders in den Randbereichen auf der Malschicht verblieben (Abb. Detail-011). [1].

Die Oberfläche der Malschicht ist mäßig verputzt, besonders Lasuren im Inkarnat (Schattenpartien, Lippenrot) sowie feine Details wie etwa die Augenbrauenhärchen und Wimpern sowie die auf den Hintergrund aufgesetzten feinen Locken sind deutlich reduziert. Zahlreiche Retuschen, vor allem im Hintergrund, aber auch im Gesicht, beeinträchtigen das Erscheinungsbild. Über den Resten eines abgenommenen, stark verbräunten Firnisses mit ausgeprägtem Craquelée liegen mehrere jüngere Firnisse.

[1] Die Übermalung, eine Ausmischung von sehr groben grünen und weißen Pigmentkörnern, scheint zu einem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt aufgetragen worden zu sein, da sich Alterscraqueleesprünge teilweise durch beide Farbschichten hindurch ausgebildet haben.

  • untersucht von Wibke Ottweiler

Restaurierungsgeschichte

Datum1939 -

Abnahme der Übermalung des Hintergrundes samt einer später hinzugefügten Jahreszahl 1526.

[Zustandsprotokoll aus dem Jahr 1976, in Objektakte, City Museum & Art Gallery, Bristol, Inv.Nr. K1650]

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