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Lucas Cranach der Ältere

Lucas Cranach der Ältere verkörpert die Ideale eines Mannes im Zeitalter der Renaissance, der neben seiner Tätigkeit als Maler, Grafiker und Buchdrucker auch als Politiker und Unternehmer tätig war. Über seine ersten Lebensjahre ist wenig bekannt. Geboren wurde er in Kronach als eines von vier Kindern des Malers Hans Maler und dessen Ehefrau, einer geborenen Hübner. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert, doch wurde er wahrscheinlich im Jahr 1472 geboren. Den Hinweis darauf liefert ein datiertes Porträt von 1550 in den Uffizien (Florenz), nach dessen Inschrift Lucas Cranach im Alter von 77 Jahren abgebildet ist. Diese Angabe deckt sich mit den Notizen von Matthias Gunderam (1556), einem Cousin von Cranach und dessen erstem Biograph.
Genau wie das exakte Geburtsdatum liegt Lucas Cranachs künstlerische Ausbildung größtenteils im Dunkeln. Es ist bekannt, dass er bei seinem Vater in die Lehre ging und dort das Handwerk der "ars graphica" und wahrscheinlich auch die Kunst der Malerei erlernte. Unzureichende Informationen über seine Wanderjahre als Geselle führten zu vielen Spekulationen, doch bis heute fehlen konkrete Anhaltspunkte zu seinem künstlerischen Wirken vor 1502. Zu dieser Zeit hielt er sich in Wien auf und begann sich nach seinem Heimatort Lucas Cranach zu nennen sowie die Signatur "LC" zu verwenden. Sein Aufenthalt in diesem Zentrum des deutschen Frühhumanismus prägte Cranach nachhaltig, insbesondere seine Verbindung zu Johannes Cuspinian.

Im Jahr 1505 berief der sächsische Kurfürst Friedrich III., der Weise, Cranach zum Hofmaler nach Wittenberg. Dieses Amt behielt er auch unter dessen Nachfolgern fast ununterbrochen bis zu seinem Tode. Der damit einhergehende Aufgabenbereich umfasste nicht nur die Produktion von Gemälden, Kupferstichen und Holzschnitten, sondern auch den Entwurf und die Ausführung von Dekorationsarbeiten, die Beaufsichtigung von Handwerkern, die Ausschmückung von Hochzeiten, Turnieren und anderen Hoffesten. Kurzum, Cranach war für fast das gesamte ästhetische Ambiente bei Hofe zuständig. Um diese umfangreichen und vielfältigen Aufgaben bewerkstelligen zu können, richtete er sich eine große Werkstatt ein, die sich zunächst im Wittenberger Schloss und später in der Stadt befand.

Im Jahr 1508 verlieh ihm der Kurfürst einen Wappenbrief: Die geflügelte Schlange mit Rubinring im Maul wurde künftige Signatur des Künstlers. Frühzeitig begann Cranach sein künstlerisches Schaffen mit den Aufgaben bei Hofe zu identifizieren und verwendete das Symbol als Gütesiegel für Bilder, die von seiner Hand oder aus seiner Werkstatt stammten. Im selben Jahr reiste er in diplomatischen Angelegenheiten für den Kurfürsten in die Niederlande, wo er den Hof von Margarete von Österreich in Mechelen besuchte. Dort traf Cranach den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian I., bei der Huldigungsfeier für den achtjährigen Erzherzog Karl, den späteren Karl V. Einige Jahre darauf beauftragte Maximilian I. Cranach und Albrecht Dürer mit der Illustration seines Gebetbuches.

Cranach wurde bald ein bedeutender und erfolgreicher Mann in Wittenberg, was nicht nur auf sein künstlerisches Schaffen zurückzuführen ist, sondern auch auf sein Talent als Geschäftsmann. Er erwarb die Lizenz zum Weinverkauf (1512), war Grundbesitzer sowie mehrfach gewähltes Mitglied des Stadtrates in Wittenberg, besaß zwischen 1522 und 1526 eine Druckerei (zusammen mit Christian Döring) und eine Apotheke (ab 1520). 1523 beherbergte er König Christian II. von Dänemark als Gast in seinem Haus und im folgenden Jahr begleitete er den Kurfürsten zum Reichstag nach Nürnberg, wo er seinen Freund Dürer wiedertraf.

Als Künstler ist Cranach bekannt für seine Porträts von höfischen, bürgerlichen und kirchlichen Auftraggebern einschließlich der Führer der protestantischen Reformation. Er prägte das Bildnis von Martin Luther, mit dem ihn auch eine enge Freundschaft verband. Cranach war Trauzeuge bei Luthers Heirat mit Katharina von Bora und später Taufpate ihres Sohnes. In seiner Werkstatt druckte Cranach reformatorische Schriften und Luthers Übersetzung des Neuen Testaments. Später inspirierte ihn Philipp Melanchthon dazu, die lutherischen religiösen Ideen mit neuen Bildthemen zum Ausdruck zu bringen. Cranachs künstlerische Tätigkeit hatte wesentlichen Einfluss auf die deutsche Reformation. Neben den zahlreichen Bildern mit protestantischem Inhalt fertigte Cranach auch Bilderzyklen in katholischer Tradition. Hierfür waren unter anderem die albertinische Linie der sächsischen Fürsten und Kardinal Albrecht von Brandenburg wichtige Patrone.

Ab der Mitte der 1520er-Jahre wuchsen Größe und Produktion der Wittenberger Werkstatt. Cranach entwickelte schnellere Maltechniken und standardisierte Arbeitsabläufe, die ihm eine bessere Aufgabenverteilung ermöglichten. Dementsprechend existieren viele seiner Werke in mehreren Versionen. In den 1530er-Jahren erfolgte eine weitere Spezialisierung auf Bilder mit mythologischem Inhalt, welche neben religiösen Bildthemen fester Bestandteil seines gesamten künstlerischen Schaffens blieben. Während dieser Zeit waren seine beiden Söhne Hans (ca. 1513 - 1537) und Lucas Cranach der Jüngere (1515 - 1586) in den Werkstattbetrieb involviert. Um 1537, dem Todesjahr seines Sohnes Hans, änderte Cranach die Werkstattsignatur: Die Schlange wurde nicht mehr mit aufrecht stehenden sondern mit liegenden Flügeln dargestellt.

1547 nahm Cranachs Tätigkeit als Hofmaler ein vorläufiges Ende, als Kurfürst Johann Friedrich I., der Großmütige, nach der verlorenen Schlacht bei Mühlberg von Kaiser Karl V. abgesetzt und gefangengenommen wurde. 1550 folgte Cranach seinem Herrn ins Exil nach Augsburg und Innsbruck. Dort traf er den italienischen Maler Tizian, jedoch hatte diese Begegnung keinen Einfluss mehr auf Cranachs künstlerisches Werk. 1552 erhielt Johann Friedrich seinen Herzogtitel für die Thüringer Landesteile zurück, neue Residenz und Aufenthaltsort Cranachs wurde Weimar. Dort starb Lucas Cranach der Ältere am 16. Oktober 1553. Sein Grabstein, der heute im Chor der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul aufgestellt ist, bezeichnet ihn als zutreffend als „pictor celerrimus“, den schnellsten Maler.

Der Werkstattbetrieb überlebte ihn und seine außergewöhnliche Kreativität. Dies kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, dass sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere und andere Werkstattmitarbeiter auch Jahrzehnte nach seinem Tode noch Versionen seiner Arbeiten schufen. Selbst heute ist der Erfolg des Malerunternehmens nicht nur an über 1500 erhaltenen Werken ersichtlich, sondern auch an der Schwierigkeit, die Werke höchster Qualität eindeutig zuzuschreiben.

ca.1472 geboren in Kronach als Sohn eines Malers
ca.1502-03 Arbeit in Wien
1505 Berufung zum Hofmaler nach Wittenberg durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich III., den Weisen (gestorben 1525)
1508 Verleihung eines Wappenbriefes in Nürnberg: geflügelte Schlange mit Rubinring im Maul
1508 Aufenthalt am Hofe der Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, in Mechelen
1512 Erwerb zweier benachbarter Häuser am Wittenberger Markt (heute Nr.3/4)
ca.1512/13 Hochzeit mit Barbara Brengbier (gestorben 1541) und Geburt des Sohnes Hans (gestorben 1537)
1515 Geburt des Sohnes Lucas der Jüngere (gestorben 1586)
ca.1515-1520 Geburt der Töchter Ursula (Todesjahr unbekannt), Barbara (gestorben 1601) und Anna (gestorben 1577)
1518 Erwerb des "Cranachhofes", Schlossstraße Nr. 1 in Wittenberg
1519-1544/45 Ratsmitglied in Wittenberg (mit Unterbrechungen)
1520 Erhalt des Apothekerprivilegs
1523 Empfang von König Christian II. von Dänemark als Gast in seinem Haus
1523-1525/26 Betreibung einer Buchdruckerei mit Christian Döring
1524 Begleitung Friedrichs III., des Weisen, zum Reichstag nach Nürnberg
1525 Trauzeuge bei der Heirat von Martin Luther und Katharina von Bora
1525 Arbeit für den neuen Kurfürsten Johann, den Beständigen (gestorben 1532)
1532 Arbeit für den neuen Kurfürsten Johann Friedrich I., den Großmütigen
1537/38-1543/44 Bürgermeister von Wittenberg (mit Unterbrechungen)
1547-1550 zeitweiser Verlust seiner Anstellung als Hofmaler
1550-1552 Aufenthalt in Augsburg und Innsbruck als Hofmaler des im Exil lebenden Johann Friedrich I.
1552-1553 Arbeit in Weimar
1553 Lucas Cranach der Ältere stirbt am 16. Oktober in Weimar

Hans Cranach

ca. 1513 geboren in Wittenberg als erster Sohn von Lucas Cranach und dessen Ehefrau Barbara Brengbier
ca. 1527/29 Beginn der Lehrzeit in der väterlichen Werkstatt zusammen mit Bruder Lucas
1534 Bildnis eines bärtigen Mannes (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid) datiert "1534" und signiert mit den Initialen "HC"
Empfang einer Zahlung an seinen Vater auf dem Leipziger Michaelismarkt
1536/37 in Abrechnungen für Arbeiten im Torgauer Schloss erwähnt
1537 Bild Herkules bei Omphale (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid), datiert "1537" und signiert mit Schlangensignet zwischen Initialen "HC"
Studienreise nach Italien
Skizzenbuch
9. Okt. 1537 verstorben in Bologna

Lucas Cranach der Jüngere

04. Okt. 1515 geboren in Wittenberg als zweiter Sohn von Lucas Cranach und dessen Ehefrau Barbara Brengbier
ca. 1527/29 Beginn der Lehrzeit in der väterlichen Werkstatt zusammen mit Bruder Hans
1535 erstmals namentlich in Abrechnungen der väterlichen Werkstatt erwähnt
1536/37 in Abrechnungen für Arbeiten im Torgauer Schloss erwähnt
1541 Tod seiner Mutter Babara
Heirat mit Barbara Brück, Tochter des kursächsischen Kanzlers Dr. Gregor Brück, aus dieser Ehe vier Kinder
1549 - 1567 Ratsherr in Wittenberg
1550 Tod seiner Frau Barbara
1551 großformatige Herkulesbilder für das Dresdner Schloss
Heirat mit Magdalena Schurff, Tochter des Medizinprofessors Augustin Schurff und Nichte Philipp Melanchthons, aus dieser Ehe fünf Kinder
Jan. 1553 Aufenthalt an Weimar zusammen mit Familie und Gesellen aufgrund der Pest in Wittenberg
16. Okt. 1553 Tod des Vaters Lucas Cranach d. Ä. in Weimar
1554 Geburt Augustin Cranach (gest. 1595)
1555 Epitaph für Herzog Johann Friedrich von Sachsen und Sibylle von Cleve, Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul
Amt des Kämmerers in Wittenberg
1558 Epitaph für Michael Meyenburg, Nordhausen, St. Blasii
1565 Epitaph für Fürst Joachim von Anhalt, Dessau, St. Johannis und St. Marien
1565/67 Bürgermeister von Wittenberg
1567 Grumbachsche Händel, Einsetzung Cranachs für seine verwitwete Schwester Barbara zur teilweisen Rückgabe der eingezogenen Besitztümer ihres Mannes
1568 Immatrikulation an der Universität Wittenberg
25. Jan. 1586 verstorben in Wittenberg
27. Jan. 1586 Beerdigung in der Stadtkirche
1608 Tod Cranachs zweiter Frau Magdalena, Epitaph für Cranach und seine beiden Ehefrauen in der Stadtkirche