Links: Lucas Cranach d. Ä., Hl. Georg, um 1505, Feder, Pinsel, graue Tinte, weiß gehöht auf grau laviertem Papier (Ausschnitt), Szépmuvészeti Múzeum Budapest; Rechts: Lucas Cranach d. Ä., Venus und Amor, 1509, Farbholzschnitt auf Papier (Ausschnitt), Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett
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Im Rahmen des von 2023 bis 2026 durch die DFG und die Ernst von Siemens Kunststiftung geförderten Forschungsprojektes konnten über 300 Zeichnungen und 600 druckgraphische Werke der Cranach-Familie in ihren verschiedenen Druckzuständen und Ausgaben mit mehr als 2.700 Abzügen erstmals mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes, der die Felder Kunstgeschichte, Kunsttechnologie, Konservierungswissenschaft und Informatik vereint, systematisch erschlossen und im cda frei zugänglich gemacht werden. Mit diesem Vorhaben wurden die methodischen, strukturbildenden und inhaltlichen Voraussetzungen geschaffen, um in den nächsten Jahren eine Vervollständigung zu ermöglichen. Digitalisierung und Erschließung Kunsttechnologische Untersuchung Entwicklung der Infrastruktur Die bisherige monolithische Architektur des cda wurde erfolgreich in eine moderne, microservice-orientierte Struktur überführt. Anstelle eines direkten Datenbankimports erzeugt das System nun aus XML-Daten strukturierte, sowohl maschinen- als auch menschenlesbare JSON-Dateien. Diese werden in ElasticSearch indexiert und über eine facettierte Suche bereitgestellt. Die bereitgestellten Daten werden über eine REST-API allen anderen Services zugänglich gemacht. Die Suchoberfläche wurde als eigenständige React-Anwendung realisiert, die mit der API kommuniziert. Die Nutzer:innen können die Daten nach verschiedenen Kriterien filtern, wobei die Trefferanzahl pro Filter angezeigt wird. Die Artefaktseiten werden statisch generiert, was insbesondere für selten veränderte Inhalte eine deutlich bessere Performance sowie eine optimierte Suchmaschinenauffindbarkeit gewährleistet. Das Frontend wurde um neue Komponenten wie Geographical Mapping, Web-VR Ansicht und eine Timeline erweitert. Abbildungen der Druckgraphiken können über die Download-Funktion heruntergeladen werden. So wurde das im Antrag formulierte Ziel einer leistungsfähigen, modular aufgebauten und zukunftsorientierten Benutzeroberfläche erreicht und darüber hinaus erweitert. Durch die kooperative Forschung unter Anwendung geistes- und naturwissenschaftlicher Methoden und die Bereitstellung der Forschungsdaten in einer leistungsfähigen Infrastruktur ermöglicht es das cda, ein erweitertes Verständnis der Werke, ihrer Entstehung und ihrer Bedeutung zu gewinnen. Die kunsttechnologische Untersuchung von Zeichnungen, Gemälden und druckgraphischen Werken und die systematische Auswertung der Befunde lässt im kontinuierlichen Diskurs mit der kunsthistorischen Forschung in Zukunft weitere Erkenntnisse hinsichtlich der Arbeitsprozesse innerhalb der Cranach-Werkstatt, der Zuschreibung und Datierung, der Funktion und ursprünglichen Zusammenhänge wie auch der medialen Publikationsprozesse und des künstlerischen Austauschs erwarten.
Methodische Anmerkungen
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Untersuchung des Marienretabels (1529) in der Marktkirche in Halle.
In Kooperation mit den Partnermuseen untersuchte das Team des Cranach Digital Archive bereits 1139 Gemälde in 152 Sammlungen und Kirchen unter Einsatz bildgebender Verfahren wie der Infrarot-Reflektografie, die es ermöglicht, den Kompositionsentwurf unter der Malschicht sichtbar zu machen. In dieser Weise wurden zahlreiche neue Erkenntnisse zum Arbeitsprozess und zur Arbeitsteilung in der Cranach-Werkstatt gewonnen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in dem Forschungsarchiv in großem Detailreichtum frei zugänglich. Diverse Publikationen zum Download fassen Erkenntnisse zusammen (siehe unten).
Transkription von Archivalien
Zahlreiche Archivalien zu Lucas Cranach d. Ä. aus dem Bestand des Ernestinischen Gesamtarchivs wurden in Kooperation mit dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar für das Cranach Digital Archive erstmals digitalisiert und durch Monika und Dieter Lücke neu transkribiert. Bisher veröffentlicht sind Belege aus Rechnungsbüchern (40 Datensätze mit etwa 100 Seiten bearbeiteter Archivalien) über Material- und Auftragsabrechnungen, darunter zum Schlossbau in Torgau, verschiedene Briefe und Türkensteuersteuerregister für die Stadt Wittenberg.
Aus dem Archiv der Stadt Kronach ist die Gerichtsverhandlung gegen die Familie Cranach erstmalig vollständig bearbeitet veröffentlicht.
In Bearbeitung sind jetzt etwa 1.000 Belege aus dem Stadtarchiv Wittenberg (bis zum Jahr 1550) sowie aus dem Archiv der Stadtkirche St. Marien. Ergänzend werden weitere Dokumente aus dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar sowie aus den Beständen der Staatsarchive Dresden, Schwerin und Magdeburg erschlossen.
Screenshot der Animation
Im Rahmen der Ausstellung "Cranach. Meister - Marke - Moderne" (Museum Kunstpalast, Düsseldorf 8. April bis 30. Juli 2017) hat das Team des Cranach Digital Archive eine Animation erarbeitet, die das weitverzweigte Netz von Handels- und Reisewegen Lucas Cranach des Älteren behandelt.
Screenshot der Präsentation
Im Rahmen der Landesausstellung Sachsen-Anhalts "Lucas Cranach der Jüngere. Entdeckung eines Meisters" erarbeitete das Team des Cranach Digital Archive 2015 als Kooperationspartner der Ausstellung eine Präsentation, die Forschungsergebnisse zum Gemälde "Das Opfer des Elias" aus dem Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig (zum Gemälde) anschaulich zusammenfasst.
Die Präsentation war in animierter Form während der Ausstellung (26. Juni - 1. Nov. 2015) zu sehen und wird seit dem im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig präsentiert.
Das Team des Cranach Digital Archive publizierte seit Projektbeginn (2009) zudem zahlreiche wissenschaftliche Beiträge in Printmedien:
Görres, D., Klinke, T., Martin Luther als „Junker Jörg“. Zur Entstehung und den Auflagen eines Holzschnitts Lucas Cranachs des Älteren, In: Greiling W., Schirmer U., Werner, E.A. (eds.) Luther auf der Wartburg 1521/1522. Bibelübersetzung – Bibeldruck – Wirkungsgeschichte (Quellen und Forschungen zu Thüringen im Zeitalter der Reformation 13), Cologne 2023, 297–320.
Heydenreich, G., Hans Kemmer: Spuren künstlerischer Gestaltungsprozesse. Teil I: Lübeck, Teil II: Wittenberg. In: Dagmar Täube (ed.) Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation, exhibition catalogue St. Annen-Museum Lübeck, Munich (2021) 49-70.
Heydenreich, G., Görres, D., Wismer, B. (eds.) Lucas Cranach der Ältere: Meister – Marke – Moderne, exhibition catalogue Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Munich (2017).
Heydenreich, G., Die Veränderungen des Zwickauer Cranach-Retabels im Entstehungsprozess – Ergebnisse strahlendiagnostischer Untersuchungen. In: Pöpper, T. (ed.) Cranach in Zwickau. Das Retabel in der St. Katharinenkirche, Regensburg (2017) 111–120.
Werner E.A., Eusterschulte A., Heydenreich G. (eds.) Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder. Munich (2015).
Lücke, M., Lucas Cranach d. J. als Unternehmer. In: E. A. Werner, A. Eusterschulte, G. Heydenreich (eds.) Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder. Munich (2015) 30‒41.
Lücke, D., Die Cranach-Familie in den Grumbach'schen Händeln. In: E. A. Werner, A. Eusterschulte, G. Heydenreich (eds.) Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder. Munich (2015) 52‒61.
Görres, D., Cranach, Luther und die Ernestiner. Der Epitaphaltar der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar. In: F. Bomski, H. Th. Seemann, Th. Valk (eds.) Bild und Bekenntnis. Die Cranach-Werkstatt in Weimar (Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar), Göttingen (2015) 37‒53.
Heydenreich, G., Sandner, I., Smith-Contini, H., Der Streit um die Autorschaft. Das Weimarer Cranach-Retabel im Lichte technologischer Untersuchungen. In: F. Bomski, H. Th. Seemann, Th. Valk (eds.) Bild und Bekenntnis. Die Cranach-Werkstatt in Weimar (Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar), Göttingen (2015) 193‒204.
Heydenreich, G., The Cranach Digital Archive: challenges and perspectives for interdisciplinary research in digital transformation. In: Smolnik, R. (ed.) CIDOC 2014. Annual Conference. Access and Understanding – Networking in the Digital Era , 6th – 11th September 2014, Dresden (2014) 47.
Heydenreich, G., Das Cranach Digital Archive – eine Ressource für interdisziplinäre Forschung. In: A. Bienert, F. Weckend, J. Hemsley (eds.) Konferenzband: EVA2013 Berlin. Elektronische Medien & Kunst, Kultur, Historie . 6.-8. November 2013, Berlin (2013) 43‒48.
Heydenreich, G., The Cranach Digital Archive: Challenges and Perspectives for Collaborative Art Technological and Art Historical Research, In: Postprints of the 33rd Congress of the International Committee of the History of Art (CHIA2012) , 15th – 20th July 2012, Nuremberg (2013).
Heydenreich, G., Beobachtungen zum Werkprozess. In: Pöpper, T. (ed.) Das Schneeberger Reformationsretabel von Lucas Cranach dem Älteren . Altenburg (2013) 108‒117.
Heydenreich, G., Reisende Bilder im Wandel. In: G. Messling (ed.) Die Welt des Lucas Cranach. Ein Künstler im Zeitalter von Dürer, Tizian und Metsys , exhibition catalogue, Brussels (2010) 66‒79.
(Ausführliche Publikationslisten der Autoren im Literaturarchiv)