Martin Luther als Brustbildnis nach rechts

Martin Luther als Brustbildnis nach rechts

Titel

Martin Luther als Brustbildnis nach rechts

[KKL 2022]

Porträt Martin Luthers

[Bendel 1944, S. 18]

Malerei auf Buchenholz (Fagus sp.)

Material / Technik

Malerei auf Buchenholz (Fagus sp.)

[Klein 06.08.2020c]
[Bendel 1944, 18]

„Vor blaugrünem Grund hebt sich der markige Kopf Martin Luthers ab. Er trägt ein schwarzes Gewand und ein schwarzes Barett, welches das fast graphisch behandelte und doch in den zarten Fleischtönen so malerisch wirkende Gesicht des großen Reformators besonders lebendig hervortreten lässt.“[1] Mit diesen Worten beschrieb Max Bendel im Jahr

„Vor blaugrünem Grund hebt sich der markige Kopf Martin Luthers ab. Er trägt ein schwarzes Gewand und ein schwarzes Barett, welches das fast graphisch behandelte und doch in den zarten Fleischtönen so malerisch wirkende Gesicht des großen Reformators besonders lebendig hervortreten lässt.“[1] Mit diesen Worten beschrieb Max Bendel im Jahr 1944 das vorliegende Bildnis, bevor es bei einem Bombenangriff am 1. April 1944 stark zerstört wurde.[2] Heute ist sein damaliges Erscheinungsbild nur in Form einer Schwarzweiß-Fotografie überliefert.[3]

Das Bildnis wurde auf einer Buchenholztafel ausgeführt, die aus zwei horizontal ausgerichteten Brettern gefügt ist.[4] Die Brettfuge wurde beidseitig kaschiert.[5] Nach der dendrochronologischen Untersuchung datiert der jüngste nachgewiesene Jahrring in das Jahr 1531.[6] Bei einer Nutzung des gesamten Stammquerschnitts sowie einer Mindestlagerungszeit des Holzes von zwei Jahren könnte das Bildnis ab 1533 entstanden sein. Die in Gelb aufgebrachte Jahreszahl „1528“ entspricht demnach nicht dem Herstellungsjahr der Tafel, sondern datiert diese in das Anfangsjahr der Bildnisgruppe zurück. Damit handelt es sich bei dem vorliegenden Werk um eines jener Exemplare, welche noch einige Jahre nach Einstellung einer Bildnisserie innerhalb der Cranach-Werkstatt „nachproduziert“ wurden, indem nicht nur der Bildnistyp, sondern auch die Jahreszahl kopiert wurde. Bemerkenswert erscheint die Ausführung von Schlangensignet und Jahreszahl in Gelb[7] sowie die Umsetzung des zweiteiligen Kragenverschlusses an Luthers Schaube.[8] Ein solches werkstatt-internes Kopieren von Einzelexemplaren über mehrere Jahre hinweg scheint keine Ausnahme gewesen zu sein.[9]

Laut Bendel weist das Bildnis eine prominente Provenienz auf. Aus dem Besitz des Herzogs von Weimar[10] stammend, gelangte es als Geschenk an Johann Gottfried Herder. Dessen Witwe überließ es Johann Georg Müller. Zusammen mit Müllers Bibliothek gelangte das Bildnis schließlich in den Besitz der Stadt Schaffhausen.[11] Die Rückseite der Tafel trägt mittig ein ovales Wachssiegel mit Wappenfeld, das nicht zuletzt wegen seiner schweren Lesbarkeit bis heute nicht aufgelöst werden konnte. Es zeigt ein mit den Buchstaben „G“ und „P“ überschriebenes Schild mit Kreuz auf Berg oder Kirchturmspitze.

Die hochrangige Provenienz sowie eine „ausgezeichnete Ausführung“[12] veranlassten Bendel zu der Vermutung, es könne sich hier nicht um eine der typischen Werkstattarbeiten handeln. Diese Einschätzung muss freilich angesichts des heutigen Zustands der Tafel offen bleiben.

Daniel Görres, Wibke Ottweiler


[1] Bendel 1944, S. 18.

[2] Ebd., S. 5.

[3] Vgl. Schaffhausen 1938, S. 81.

[4] Alle in der Cranach-Werkstatt bis 1530 entstandenen Luther-Bildnisse dieses Formats sind dagegen auf einem einzigen, vertikal ausgerichteten Brett ausgeführt.

[5] Dazu dienten Fasern aus Rindersehnen in Glutinleim. Die Verwendung von Tiersehnen als Kaschierungsmaterial u. a. für Brettfugen wurde in jüngerer Zeit häufiger nachgewiesen (vgl. Kühnen / Herm 2016; Baum et al. 2019, S. 81 – 82, für die Cranach-Werkstatt Ausst.-Kat. Düsseldorf 2017, S. 258, und [PRIVATE_NONE-P109] und [PRIVATE_NONE-P093].

[6] Wie Anm. 1.

[7] Beide sind heute verloren, jedoch weist die Schwarzweißaufnahme eine helle Farbe aus, wofür im Abgleich mit den anderen Tafeln dieser Zeit nur Gelb in Frage kommen kann.

[8] Die in Gelb ausgeführten Signaturen treten unter den Luther-Bildnissen nur bis 1528 auf und wurden danach durch Schwarz abgelöst. Es wurde also nicht nur die Angabe des Jahres, sondern auch die Spezifität der Ausführung imitiert. Gleiches gilt für den aus Dreieck und Ring bestehenden Kragenverschluss, der auf der historischen Fotografie deutlich zu erkennen ist, wenngleich die graphisch anmutende Ausführung der beiden Elemente auf der Abbildung ungewöhnlich erscheint. In dieser zweiteiligen Form ist der Verschluss an den datierten Luther-Bildnissen der Cranach-Werkstatt ausschließlich im Jahr 1528 nachweisbar, während an den Bildnissen der Jahre 1529 und 1530 stets ein einteiliger, nur aus dem dreieckigen Knopf bestehender Verschluss auftritt.

[9] Zwei weitere Beispiele für diese Praxis sind das kleinformatige Luther-Bildnis, das Luther im Typus der 1526 ausgeführten Bildnisserie zeigt, nach der dendrochronologischen Auswertung aber erst ab 1533 entstanden sein kann (III.M-Sup01, [DE_SAOH_2000-3a]), sowie die 1533 bezeichnete Braunschweiger Luther-Tafel ([DE_HAUMB_GG23]), ausgeführt auf einem Buchenholzbrett mit einem ins Jahr 1535 datierten jüngsten Jahrring (vgl. dazu Klein 1994, S. 200, sowie Ausst.-Kat. Düsseldorf 2017, S. 258).

[10] Es muss wohl Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828) gemeint sein.

[11] Vgl. Bendel 1944, S. 18.

[12] Ebd.

Quellen / Publikationen:

Schaffhausen 1938, S. 81; Bendel 1944, S. 18–19, 89.

Zuschreibungen
Werkstatt Lucas Cranach der Ältere (?)
Lucas Cranach der Ältere

Zuschreibungen

Werkstatt Lucas Cranach der Ältere (?)

[KKL 2022]

Lucas Cranach der Ältere

[Bendel 1944, S. 18]

Datierung
ab 1531

Datierung

ab 1531

[KKL 2022]

Maße
Maximalmaße Bildträger: 38,9 x 26,3 x 1,1 cm (Tafelkanten auf 0,5 cm abgefast)

Maße

  • Maximalmaße Bildträger: 38,9 x 26,3 x 1,1 cm (Tafelkanten auf 0,5 cm abgefast)

  • [KKL 2022]

Signatur / Datierung

Schlangensignet und Jahreszahl „1528“ mit gelber Farbe am linken Bildrand über Luthers Schulter

Signatur / Datierung

  • Schlangensignet und Jahreszahl „1528“ mit gelber Farbe am linken Bildrand über Luthers Schulter

  • [KKL 2022]

Inschriften und Beschriftungen

Rückseitig zwei Siegel ohne Zuordnung sowie vier eingetiefte Vertikal-Linien ("IIII") am oberen Rand
[KKL 2022]

Inschriften und Beschriftungen

Stempel, Siegel, Beschriftungen:

  • Rückseitig zwei Siegel ohne Zuordnung sowie vier eingetiefte Vertikal-Linien ("IIII") am oberen Rand

  • [KKL 2022]

Eigentümer
Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Besitzer
Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Standort
Schaffhausen
CDA ID
CH_MAS_A1950
FR (1978) Nr.
FR-none
KKL-Nr.
IV.M-Sup01, Teil des KKL-Anhangs
Permalink
https://lucascranach.org/de/CH_MAS_A1950/

Provenienz

  • aus dem Besitz des Herzogs von Weimar
  • von diesem als Geschenk an Johann Gottfried Herder
  • durch dessen Witwe an Johann Georg Müller
  • zusammen mit dessen Bibliothek in den Besitz der Stadt Schaffhausen
    [Bendel 1944, S. 18]

Ausstellungen

  • Schaffhausen 2013/2014

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Bendel 1944 18-19, 89
Autor/inMax Bendel
TitelZerstörter Schaffhauser Kunstbesitz aus dem Museum zu Allerheiligen
Ort der VeröffentlichungZurich
Jahr der Veröffentlichung1944
  • Martin Luther als Brustbildnis nach rechts, ab 1531

Abbildungen

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Kunsttechnologische Untersuchung

2018 - 2021Technologische Untersuchung

  • Lichtmikroskopische Oberflächenuntersuchung
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Bildträger

Buche. [1] Zwei querrechteckige Bretter mit horizontalem Faserverlauf. [2] Jeweils tangentialer Brettschnitt mit leicht schrägstehenden Jahrringen. Stumpfer Brettstoß.

Die Tafel wurde rückseitig mit einem Schropphobel in vertikalen, bis zu 2 cm breiten Zügen auf 10 mm Stärke reduziert und umlaufend auf 2 - 5 mm Brettstärke angefast. [3] Die Brettfuge wurde vorder- und rückseitig mit Fasern aus Rindersehnen kaschiert. [4] In gleicher Weise stabilisiert ist ein horizontaler Riss im oberen rechten Drittel der Tafel. [5]

[1] Peter Klein, Bericht über die dendrochronologische Untersuchung der zerstörten Gemäldetafel "Martin Luther" (Schaffhausen Museum zu Allerheiligen A1950), 06.08.2020, [Analysis-report-Dendro].

[2] Vgl. dazu die Kartierung Abb. CH_MAS_A1950_FR-none_2020_Examination-report-mapping.

[3] Die Fase weist eine Breite von 2 - 4 cm auf.

[4] Dan Kirby, Report DBG10302020B Peptide mass fingerprint analysis of tendon and binding material from the panel painting "Martin Luther" by Lucas Cranach the Elder, 1529, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, InvNr. A 1950, destroyed by fire (World War II), [Analysis-report-PMF]. Die Verwendung von Tiersehnen wurde in jüngerer Zeit auch für die Cranach-Werkstatt mehrfach nachgewiesen. Vgl. dazu Exhib. Cat. Düsseldorf 2017, S. 258.

[5] Der Riss befindet sich etwa 7 cm vom oberen Rand entfernt und läuft vom rechten Rand aus etwa 13 cm tief in die Tafel ein.

Grundierung und Imprimitur

Unterzeichnung

Eine Unterzeichnung ist weder im Infrarotreflektogramm noch mit bloßem Auge zu erkennen.

Farbschichten und Metallauflagen

Aufgrund des durch Hitzeeinwirkung [1] völlig zerstörten Zustandes kann die Abfolge und Beschaffenheit des Farbauftrages nicht mehr nachvollzogen werden. Farbgebende Bestandteile der Hintergrundfarbe sind ein fein gemahlenes blaues Kupferpigment und wenig Bleiweiß. [2]

[1] Siehe dazu den Eintrag unter „Erhaltungszustand“.

[2] Vgl. dazu den Bericht über die REM-EDX-Analyse, [Analysis-report-REM-EDX].

Rahmung

Kein Rahmen erhalten.

[Untersuchungsbericht Wibke Ottweiler, KKL 2022]

Erhaltungszustand

Datum2018 - 2021

Die Tafel wurde am 01. April 1944 stark beschädigt. [1] Durch Hitze- und Brandeinwirkung ist die Malschicht besonders in der oberen Bildhälfte großflächig reduziert und farblich verändert oder ganz verloren. In Fehlstellen liegen Grundierung oder Bildträger frei, die partiell verkohlt sind. In angrenzenden Bereichen ist die Farbe blasig aufgeworfen. In der unteren Bildhälfte ist die Oberfläche ist großflächig krepiert, möglicherweise infolge eines Löschmittel-Eintrages. Die Bretter wurden nicht ganz passgenau neu verleimt. Die Maßnahme ist nicht dokumentiert.

[1] Bendel 1944, S. 18.

  • untersucht von Wibke Ottweiler

Versionen

Zitieren aus dem Cranach Digital Archive

Eintrag mit Autor
<Autorenname>, 'Martin Luther als Brustbildnis nach rechts', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/CH_MAS_A1950/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})
Eintrag ohne Autor
'Martin Luther als Brustbildnis nach rechts', <Titel des Dokuments, Feldeintrags oder der Abbildung>, [<Datum des Dokuments oder der Abbildung>], in: Cranach Digital Archive, https://lucascranach.org/de/CH_MAS_A1950/ (zuletzt aufgerufen am {{dateAccessed}})

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