Martin Luther im Brustbildnis nach rechts

Martin Luther im Brustbildnis nach rechts

Titel

Martin Luther im Brustbildnis nach rechts

[KKL 2022]

Malerei auf Pergament (augenscheinlich), auf Eichenholz

Das vorliegende Bildnis nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Bildnisgruppe IV ein, da es auf Pergament[1] ausgeführt ist, das heute auf eine Eichenholztafel aufgeklebt ist.[2] Damit steht es in Beziehung zum Bildnis „Luther als Augustinermönch” (I.6M1), welches ebenfalls auf ungrundiertes Pergament auf Holz gemalt wurde.[3] Erhaltene Porträtstudien auf Papier oder Pergament[4]

Das vorliegende Bildnis nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Bildnisgruppe IV ein, da es auf Pergament[1] ausgeführt ist, das heute auf eine Eichenholztafel aufgeklebt ist.[2] Damit steht es in Beziehung zum Bildnis „Luther als Augustinermönch” (I.6M1), welches ebenfalls auf ungrundiertes Pergament auf Holz gemalt wurde.[3] Erhaltene Porträtstudien auf Papier oder Pergament[4] belegen, dass in der Cranach-Werkstatt Bildnis-Vorlagen als Grundlage für die spätere Ausführung als Tafelgemälde existierten, die auch zur Herstellung von Pausen verwendet worden sein könnten, um mehrere Bildnisse in Serie anzufertigen.[5] Nachdem Pergament aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften schon früh als kaschierende Zwischenschicht geschätzt wurde, fand es als Malgrund insbesondere in der Porträtmalerei des 16. Jahrhunderts vielfache Verwendung.[6]

Auf dem ungrundierten Pergament sind die Gesichtskonturen mit schmalen grauschwarzen Linien umrissen, die im Infrarotreflektogramm nachweisbar sind. Der sparsame, kopierende Charakter der gleichmäßig dünnen Linien, die im Bereich des Kinns eine Überschneidung aufweisen,[7] spricht gegen eine Porträtstudie, die vor dem Modell aufgenommen und nachfolgend zum Bildnisgemälde ausgearbeitet wurde. Auch dafür, dass die zeichnerische Anlage auf dem Pergament als Pause für andere Bildnisse dieses Typs verwendet worden sein könnte, gibt es keine triftigen Hinweise.[8] Neben Luthers linkem Nasenflügel ist die ursprünglich breiter angelegte Kontur des unteren Nasenrückens zu erkennen, die in der ausgeführten Malerei nicht berücksichtigt wurde. Auffällig ist, dass die unterzeichneten Binnenkonturen des Gesichtes nahezu vollständig mit den auf grundierten Buchenholztafeln ausgeführten Exemplaren dieser Bildnisgruppe übereinstimmen,[9] die Außenkonturen von Schaube und Barett aber schmaler ausfallen als bei der Mehrzahl der Tafelgemälde. Einzig das auf 1528 datierte Exemplar aus Hannover (IV.M4) zeigt auch eine hohe Übereinstimmung im Verlauf der Schulterpartie. Dieses ist mit 23,5 cm Breite vergleichsweise schmaler als die anderen durchschnittlich 26 cm breiten Tafeln, was die Annahme stützt, dass die Form der Schulterpartie jeweils dem Format des Bildträgers angepasst worden sein dürfte.[10]

Unklar bleibt, ob das Bildnis ursprünglich als Tafelgemälde gefertigt oder erst später auf einen starren Träger aufgezogen wurde.[11] Da das Eichenholzbrett, auf dem das Bildnis heute appliziert ist, um 1600 datiert, wurde das bemalte Pergament frühestens im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts mit der heutigen Tafel verbunden.[12]

Das wohl kurz nach 1535 in eine Bibel eingeklebte Tüchlein V.M1 belegt, dass gemalte, dem Buchformat angepasste Luther-Bildnisse der Cranach-Werkstatt auch in anderen Zusammenhängen Verwendung fanden. Möglicherweise wurde für das vorliegende Bildnis ebenfalls ein kleineres Format gewählt, um es in ein Buch einkleben oder einbinden zu können. In Wasser- und Deckfarbenmalerei ausgeführte Arbeiten auf Pergament, die für Bücher Verwendung fanden, sind für die Cranach-Werkstatt belegt.[13]

Ungeachtet des ursprünglichen Verwendungszusammenhangs erscheint die malerische Ausführung hervorragend. Die Augen wurden besonders plastisch modelliert und Details wie einzelne Härchen, Falten und Reflexlichter in souveräner Manier umgesetzt. Auch die Schaube Luthers ist mit dem sich vom Gewand absetzenden Kragen samt zweiteiligem Mantelverschluss und plastisch ausgearbeiteten Falten deutlich ausmodelliert. Die mit gelber Farbe über Luthers linke Schulter gesetzte Werkstatt-Signatur ist in Form und Pinselführung besonders gekonnt umgesetzt.[14] Das nicht mit einer Jahreszahl datierte Bildnis dürfte in der Zeit um 1528 bis 1530 entstanden sein.

Nach langem Verbleib in unbekannten Privatsammlungen erschien das Werk, einem Nachfolger Lucas Cranachs d. J. zugeschrieben, in schlechtem Zustand und mit dunklen Übermalungen des Hintergrunds 2010 auf dem Kunstmarkt[15] und gelangte in deutschen Privatbesitz. Erst die Restaurierung im Vorfeld einer erneuten Verauktionierung im Folgejahr[16] brachte die Qualität und Beschaffenheit des Werks zu Tage. Nachdem es als Dauerleihgabe im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo ausgestellt war, ging es 2018 in russischen Privatbesitz über.

Daniel Görres, Wibke Ottweiler


[1] Das Schadensbild aus etlichen winzigen Malschichtausbrüchen und die darin sichtbare glasige, durchscheinend wirkende Oberfläche des Trägermaterials lassen annehmen, dass es sich dabei um Pergament handelt.

[2] Diese datiert der dendrochronologischen Untersuchung nach um das Jahr 1600, vgl. Klein, wie Anm. 1.

[3] Vgl. dazu den Katalogeintrag zu DE_GNMN_Gm1570 (KKL I.6M1).

[4] Vgl. Heydenreich 2007b, S. 261, für Beispiele aus der Cranach-Werkstatt etwa Rosenberg 1960, Nr. 71–92, bzw. Hofbauer 2010, Nr. 117–125, 210–221, 223–224, 226–228, darunter u. a. die Studie für das Bildnis des Hans Luthers, für die sich auch die Ausarbeitung in der Tafelmalerei erhalten hat DE_WSE_M0070.

[5] Vgl. Heydenreich 2007b, S. 259, 301–302.

[6] Vgl. Heimberg 1998, S. 49–52; Ainsworth 1999, S. 251–260; Rief 2001/2002, S. 27–35; Metzger 2010; Strolz 2010, S. 34. Zur Verwendung von Pergament in der Cranach-Werkstatt Heydenreich 2007a, S. 255–259.

[7] Eine solche Doppelkontur ist ein Indiz für das Nachzeichnen von Linien einer Vorlage.

[8] Werner Schade mutmaßte dies 2010 in einem unveröffentlichten Gutachten und hielt das Bildnis für eine eigenständige Arbeit Lucas Cranachs d. Ä.

[9] Einzig der Nasenrücken ist im unteren Bereich flacher ausgeführt.

[10] Die hohe Übereinstimmung dieser Bildbereiche bei der überwiegenden Zahl der Tafelgemälde erscheint bei einer seriellen Fertigungspraxis der Exemplare durchaus auch ohne direktes Übertragen erreichbar.

[11] Das Schadensbild lässt vermuten, dass sich das bemalte Pergament längere Zeit nicht im Verbund mit einem starren Träger befand oder die Haftung zu diesem verlor. Weiterhin sprechen Nagellöcher in unregelmäßigen Abständen an den Kanten des Pergamentblattes dafür, dass der Bogen, möglicherweise aufgrund seiner fehlenden Haftung zum Träger, temporär auf einer Unterlage fixiert worden ist. Strolz 2010, S. 36, beobachtete ähnliche Nagelspuren am auf einem Pergamentblatt ausgeführten Bildnis eines jungen Mädchens von Hans Schäufelin.

[12] Nach der dendrochronologischen Analyse von Klein (wie Anm. 1) stammt der jüngste Kernholzjahrring des Brettes aus dem Jahr 1595. Unter Berücksichtigung des anzunehmenden zusätzlichen Splintholzanteils von im Median 17 Jahrringen und unter Voraussetzung einer mindestens zweijährigen Lagerung des Holzes, kann die Tafel ab 1604 entstanden sein. Plausibler erscheint eine Einordnung nach 1614. Die bei einer 2010 erfolgten Restaurierung dokumentierten großflächigen Malschichtverluste könnten die Übertragung auf einen neuen Träger veranlasst haben. Ob das Pergament zuvor bereits auf einer anderen Tafel aufgezogen war, lässt sich anhand des Schadensbildes nicht nachweisen. Das Pergamentblatt weist zudem an den Seitenkanten mehrere kleine Löcher in unregelmäßigen Abständen auf. Deren plastisch aufstehenden Ränder sprechen dafür, dass die Löcher von der Rückseite des Pergaments her eingestochen worden sind.

[13] Etwa die Illustrationen der Pergamentbibel Johann Friedrichs I. von Sachsen DE_ThULBJ_Ms-El-f-102a oder Johanns II. von Anhalt DE_SBB_fol-9-Ir sowie die Bildnisse im sogenannten Stammbuch Cranachs DE_SMBKSK_KdZ398; vgl. Heydenreich 2007b, S. 255.

[14] Eine bei allen übrigen Werken dieser Gruppe darüber gesetzte Jahreszahl lässt sich dagegen heute nicht mehr ausmachen. Direkt an die Signatur angrenzend ist die Malschicht großflächig verloren und die Fehlstellen retuschiert. Ein Foto des vormaligen Zustands dokumentiert das Ausmaß der Schäden, vgl. dazu Cranach Digital Archive: https://lucascranach.org/de/gemaelde/PRIVATE_NONE-P409. Es ist daher nicht mehr feststellbar, ob ursprünglich eine entsprechende Datierung vorhanden war.

[15] Vgl. Aukt.-Kat. Amsterdam 2010, Los 12.

[16] Vgl. Aukt.-Kat. London 2011, Los 35.

Quellen / Publikationen:

Aukt.-Kat. Amsterdam 2010, Los 12; Aukt.-Kat. London 2011, Los 35; Ausst.-Kat. Lemgo 2017, S. 41, Abb. 33.

Zuschreibung
Lucas Cranach der Ältere und Werkstatt

Zuschreibung

Lucas Cranach der Ältere und Werkstatt

[KKL 2022]

Datierung
um 1528 - 1530

Datierung

um 1528 - 1530

[KKL 2022]

Maße
Maße Bildträger: 31,5 x 22,7 x 0,6 cm

Maße

  • Maße Bildträger: 31,5 x 22,7 x 0,6 cm

  • [KKL 2022]

Signatur / Datierung
Schlangensignet mit aufgerichteten Flügeln am rechten Bildrand in gelber Farbe

Signatur / Datierung

  • Schlangensignet mit aufgerichteten Flügeln am rechten Bildrand in gelber Farbe

  • [KKL 2022]

Eigentümer
Privatbesitz
Besitzer
Privatbesitz
CDA ID
PRIVATE_NONE-P409
FR (1978) Nr.
FR-none
KKL-Nr.
IV.M1, Teil der Bildnisgruppe IV
Permalink
https://lucascranach.org/de/PRIVATE_NONE-P409/

Provenienz

  • Christie's Amsterdam, Old Masters and 19th Century Art, Sale 2640, 13. April 2010, Los 12 (als Nachfolger Lucas Cranach des Jüngeren) Christie's Online-Datenbank, zuletzt besucht 08-12-2020
  • Privatbesitz
  • Sotheby's, London, 6. Juli 2011, Los 35
  • Privatbesitz
  • Hampel Fine Art Auctions, München
  • Privatsammlung
    [KKL 2022]

Ausstellungen

Lemgo 2017

Quellen / Publikationen

Erwähnt auf Seite Katalognummer Tafel
Exhib. Cat. Lemgo 2017
Herausgeber/inHeiner Borggrefe, Vera Lübkes, Detlef Haberland
TitelMachs Maul auf! Reformation im Weserraum, Lemgo, Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, 03.09.2017-07.01.2018,
Ort der VeröffentlichungDresden
Jahr der Veröffentlichung2017
  • Martin Luther im Brustbildnis nach rechts, um 1528 - 1530

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Kunsttechnologische Untersuchung

2018 - 2021Technologische Untersuchung

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  • Dendrochronologie / Holzartbestimmung
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Bildträger

Pergament (augenscheinlich) [1], auf Eichenholz [2] aufgeklebt. Ein hochrechteckiges, astfreies Brett mit vertikalem Faserverlauf. Der dendrochronologischen Untersuchung nach stammt der jüngste nachweisbare Jahrring des Brettes aus dem Jahr 1595. [3] Nach Klein ergibt sich unter Voraussetzung der Splintholzstatistik für Westeuropa ein frühestes Fälldatum des Baumes ab 1602, wahrscheinlicher aber einige Jahre später. Bei einer minimalen Lagerzeit von zwei Jahren wäre die frühestmögliche Entstehung der Tafel ab 1604 denkbar. Bei einem Median von 17 Splintholzjahrringen ist eine Entstehung ab 1614 zu vermuten. [4] Die Tafel ist rückseitig mit einem Schropphobel in vertikalen, 2 – 3 cm breiten Zügen grob auf ca. 8 mm Stärke geglättet und umlaufend auf eine Kantenstärke von 5 – 6 mm abgefast, wobei die Ecken am stärksten gedünnt sind. [5]

Das Pergamentblatt weist an den Seitenkanten mehrere kleine Löcher in unterschiedlichem Abstand zueinander auf. [6] Aufgrund des stark restaurierten Zustandes lässt sich nicht eindeutig bestimmen, ob die Löcher vor oder nach der Bemalung entstanden sind. Ihre sehr unregelmäßige Verteilung [7] lässt als Erklärung eine temporäre Fixierung im Herstellungsprozess des Pergaments oder der Malerei nicht sehr plausibel erscheinen. Wahrscheinlicher ist, dass die Löcher in Zusammenhang mit einer späteren Bearbeitung stammen. [8]

[1] Das Schadensbild aus etlichen winzigen Malschichtausbrüchen und die darin sichtbare glasige, durchscheinend wirkende Oberfläche des Trägermaterials lassen annehmen, dass es sich dabei um Pergament handelt. Vgl. dazu auch Abb. Detail-001 und Detail-006.

[2] Peter Klein, Bericht über die dendrochronologische Untersuchung der Gemäldetafel "Martin Luther", 20.10.2018, analysis-report-Dendro.

[3] Wie Anm. 1.

[4] Wie Anm. 1. Das bemalte Pergament wurde also frühestens im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts mit der heutigen Tafel verbunden.

[5] Die Fase weist eine Breite von 17 – 30 mm auf.

[6] Der Durchmesser der kreisrunden Löcher beträgt 1-2 mm.

[7] Im oberen Rand befinden sich elf Löcher mit einem Abstand von 10 bis 30 mm zueinander.

[8] Das Schadensbild und die Vorzustandsaufnahmen legen nahe, dass das Pergament zumindest zeitweise nicht vollflächig auf einem starren Träger fixiert war.

Grundierung und Imprimitur

Keine Grundierung. Die Malerei erfolgte direkt auf der geglätteten Oberfläche des Pergaments.

Optisch, auch unter Vergrößerung, zeigen sich keine Hinweise auf eine Imprimitur.

Unterzeichnung

Im Infrarotreflektogramm ist vereinzelt und sehr schwach eine sparsame Unterzeichnung nachweisbar. Einzelne Binnenkonturen (Nase, Lippen, Kinn) sind mit wohl trockenem Medium in gleichmäßig dünnem Strich angegeben. Auffällig ist, dass die unterzeichneten Binnenkonturen des Gesichtes nahezu vollständig mit den als Tafelgemälde ausgeführten Versionen übereinstimmen, die Außenkonturen von Schaube und Barett aber schmaler ausfallen als bei der Mehrzahl der Tafelgemälde. [1] (Abb. PRIVATE_NONE_P409_FR-none_2018_Tracing-Overlay)

Die Malerei folgt den Angaben der Unterzeichnung verbindlich.

[1] Einzig das 1528 datierte Exemplar aus Hannover DE_NLMH_PAM973 (IV.M4a) zeigt auch eine hohe Übereinstimmung im Verlauf der schmaleren Schulterpartie und des Baretts. Die Breite der Tafel ist mit 23,5 cm auch insgesamt vergleichsweise schmaler als die anderen durchschnittlich 26 cm breiten Tafeln, was die Annahme unterstützt, dass die Form der Schulterpartie in beiden Fällen an das schmalere Format angepasst worden sein dürfte.

Farbschichten und Metallauflagen

Die einzelnen Farbflächen sind mit geringer Überlappung nebeneinander gesetzt. Die Reihenfolge des Farbauftrags ist aufgrund des restaurierten Zustands mit zahlreichen Vollretuschen nicht mehr eindeutig nachvollziehbar.

Schaube und Barett sind in einem dunklen Grauton angelegt, die Tiefen sind schwarz, die Höhen weiß ausgemischt. Die Konturen sind mit dem türkisfarbenen Hintergrund partiell korrigiert. Im Streiflicht ist der Pinselduktus gut erkennbar, in den Grenzbereichen folgt der Pinselstrich den zuvor gesetzten Formen von Schaube und Gesicht.

Das Inkarnat ist in einem sehr hellen Grundton angelegt. Partiell ist dieser stärker rot ausgemischt, so an den Nasenflügeln, auf den oberen Augenlidern und unterhalb des Mundes. [1] Die Lippen sind in einem warmen Rosaton angelegt, die Oberlippe dann nochmals rot akzentuiert. Die Schattierungen sind aus dem Grundton mit Braun und Schwarz weich herausmodelliert, partiell mit dunklen Lasuren verstärkt. Binnenkonturen wie Nasenrücken, Nasenflügel oder Lippenspalt sind in Braun weich angelegt. Nur wenige Partien wie die oberen Augenlider, das rechte Nasenloch oder die untere Kinnfalte sind härter akzentuiert.

Die Augen sind über dem Inkarnatton aufgebaut: Verschattete Bereiche sind mit Grau gebrochen und lichtzugewandte Bereiche mit Weißhöhungen akzentuiert. Die Iriden sind in Rotbraun ausgeführt, schwarz konturiert und durch zwei sichelförmig gebogene Lichtreflexe neben der Pupille belebt. (Abb. Detail-004 und -005) Die Pupillen sind schwarz. Im rechten Auge ist das Lidwärzchen über dem rosa Grundton ebenfalls mit einen Lichtreflex weiß gehöht. Wimpern und Augenbrauen sind in grau-rötlichem Braunton halblasierend aufgesetzt.

Das Deckhaar ist über einer halblasierend flächig aufgestrichenen rotbraunen Anlage in einem kühleren und dunkleren Braunton mit lockeren, wo messbar etwa 4 mm breiten, Pinselstrichen angelegt. Einzelne feine Haarsträhnen folgen in unterschiedlichen Ausmischungen: Zuerst sind dunkelbraune Haarsträhnen gesetzt, dann folgen Haare in zwei unterschiedlich hell ausgemischten rötlichen Ockertönen und abschließend einzelne hauchdünne Härchen in leicht gebrochenem Weiß.

Die Signatur ist in hellgelber Farbe pastos auf den Hintergrund aufgesetzt (Abb. Detail-007). Die blasig wirkende Farbe zeigt bei mikroskopischer Betrachtung charakteristische runde "Krater" in der Oberfläche, ein Phänomen, das auch bei anderen Bildnissen mit orange- oder gelbfarbigen Signaturen zu beobachten ist. [3] Ob ehemals auch eine Jahreszahl oberhalb der geflügelten Schlange vorhanden war, ist aufgrund der großen Fehlstelle direkt oberhalb des Signets (Abb. Detail-001) nicht mehr feststellbar.

[1] Hierin zeigen sich Ähnlichkeiten zur Inkarnatmodellierung des Coburger Tafelgemäldes DE_KSVC_M417 (KKL IV.M2a).

[2] Hierbei könnte es sich um sog. Protrusionen handeln, ein Schadensphänomen, ausgelöst durch Bleiseifen, die Aggregate in der Malschicht bilden, sich ausdehnen, an die Oberfläche wandern und diese aufbrechen. Je nach Fortschritt des Protrusionsprozesses sind die betroffenen Farboberflächen vermehrt mit weißlichen vergleichsweiße groben Partikeln durchsetzt und / oder durch Krater zerklüftet.

Rahmung

Ohne Rahmen.

[Untersuchungsbericht Wibke Ottweiler, KKL 2022]

Erhaltungszustand

Datum2018 - 2021

Der Zustand des Bildnisses ist angesichts der durch Fotografien dokumentierten starken Beschädigungen dank der jüngsten Restaurierung erstaunlich gut. Optisch macht die Malerei einen nahezu intakten Eindruck. Die UV- und Infrarotaufnahmen machen das Ausmaß der Retuschen jedoch deutlich. Besonders im Hintergrund sind etwa 30 – 40% der Malschicht verloren und farblich ergänzt. Vermutlich war das Pergament zumindest zeitweise vom Bildträger gelöst und mechanischer Beanspruchung ausgesetzt, was die zahlreichen großflächigen Malschichtverluste erklärte. Möglicherweise wies die blaue Hintergrundfarbe zudem eine schlechtere Haftung zur Pergamentoberfläche auf. [1]

Dort, wo die Originalmalerei erhalten ist, ist sie in einem sehr guten Zustand; auch feinste pastose Details wie einzelne Härchen sind vollständig erhalten. Die Malerei zeigt so gut wie kein Alterscraquelee.

[1] Die Fehlstellen betreffen hauptsächlich den Hintergrund.

  • untersucht von Wibke Ottweiler

Restaurierungsgeschichte

Datum2010

Um 2010 restauriert. Dabei die großflächigen, völlig verunklärenden Übermalungen abgenommen, die Originalmalerei freigelegt und die Fehlstellen neu retuschiert. [1] (Vergleiche Abb. PRIVATE_NONE-P409_Zustand-2010-001, PRIVATE_NONE-P409_Zustand-2010-002 und PRIVATE_NONE-P409_Zustand-2010-003)

[1] Freundliche Mitteilung des ausführenden Restaurators.

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